1) Übersetzung von Karl-Friedrich Geldner:
Eine Angabe zum "Rishi" (was oftmals übersetzt wird mit "Dichter") dieses Liedes findet sich auch in der Übersetzung des Rigveda von Karl-Friedrich Geldner auf Seite 286 im Neudruck mit einem Vorwort des Philosophen Peter Michel erschien in 2 Bänden im Marix-Verlag im Jahr 2008, ISBN 978-3-86539-165-0; die ursprüngliche Ausgabe stammt aus dem Jahr 1923.
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10,90
Anuṣṭubh, 16 Triṣṭubh. Angeblicher Dichter nach Anukr. N
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Geldner, Karl-Friedrich, "Rig-Veda - das Heilige Wissen in Indiens in zwei Bänden", herausgegeben und eingeleitet von Peter Michel in 2 Bänden, marrix-Verlag, 2008; ISBN 978-3-86539-165-0, Seite 286; das Orginal stammt aus dem Jahre 1923
Das Purushalied findet man in jener Ausgabe auf den Seiten 286 bis 289.
2) Übersetzung von Leopold von Schroeder:
Bei Leopold von Schroeder findet man dieses Lied X,90 in der fünfzehnten Vorlesung:
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... und wird wegen seines Inhalts später unter die Upanishaden gerechnet, wird selbst nahezu eine Upanishad genannt. Es ist das sog. Purushasûkta oder das Lied vom Purusha. ... - 215 - Das Lied lautet folgendermaßen (RV, X, 90)1: 1. Der tausendköpfige Purusha, der tausendäugige, tausendfüssige, die Erde von allen Seiten bedeckend ragte er noh um zehn Finger darüber hinaus. 2. Purusha ist dies All, was da war und was da sein wird; auch über die Welt der Unsterblichen ist er Herr, die durch (Opfer-)Speise gross wächst. 3. So gross ist seine Grösse, und noch grösser ist Purusha; ein Viertel von Ihm sind alle Geschöpfe, Drei Viertel von Ihm ist die Welt der Unsterblichen im Himmel. 4. Mit drei Vierteln ging Purusha aufrecht empor; ein Viertel von ihm aber blieb hier; dauf vertheilte er sich nach allen Seiten, in das was Speise geniesst und was keine Speise geniesst. 5. Aus ihm ward geboren Virâj,² aus Virâj aber der Purusha; als er geboren war, da ragte er über die Erde hinaus, hinten und auch vorne. 6. Als die Götter das Opfer zurichteten mit dem Purusha als Opfergabe, da war der Frühling dabei die Opferbutter, der Sommer das Brennholz, der Herbst die Opfergabe. 7. Sie beträufelten das Opfer auf der Opferstreu, den Purusha, der zu Anfang geboren war; mit opferten die Götter, die man sich geneigt machen soll, und die Ṛishi‘s.. 8. Aus diesem vollständig dargebrachten Opfer ward bereitet das gesprenkelte Opferschmalz; er schuf die Tiere der Luft und die in Wäldern und Dörfern leben (die wilden und zahmen), 9. Aus diesem vollständig dargebrachten Opfer wurden erzeugt die Lieder des Ṛigveda und die des Sâmaveda; aus ihm wurden erzeugt die Zauberlieder; ³ aus ihm entstand der Yajurveda. 10. Aus Ihm entsprangen die Rosse und alle Thiere, die mit zwei Zahnreihen versehen sind.: aus ihm entsprangen diek Rinder, aus ihm die Ziegen und Schafe. 11. Als sie den Purusha vertheilten, wievielfach haben sie ihn da umgestaltet? Was war sein Mund, was seine Arme, was nennt man sein Schenkel und Füsse? 12. Der Brahmane war sein Mund, aus seinen Armen wurde der Râjanya gemacht; seine Schenkel, das ist der Vâiçya; aus den Füsssen entsprang der Çûdra. 13. Der Mond entsprang aus seinem Geiste, aus seinem Auge ward die Sonne geboren; aus dem Munde wurden Indra und Agni, au dem Athem der Wind geboren. 14. Aus dem Nabel ward der Luftraum, aus dem Kopfe enstand der Himmel, aus den Füssen die Erde, aus dem Gehör die Himmelsgegenden; so bildeten sie die Welten. ―――――― 1 Mit unbedeutenden Varianten auch VS 31, 1 flg. ² Virâj d.i. "Herrscher" oder "Herrscherin", ein bestimmtes mystisches, kosmogonisches wesen; vgl das Petersb. Wörterbuch s.v. virâj. ³ D.h. wohl Atharvaveda (im Text chandâṃsi).
- 216 - 15. Sieben Paridhi-Hölzer waren da, dreimal sieben Brennhölzer bereit, als die Götter das Opfer ausführend den Purusha als Opferthier anbanden. 16. Durch Opfer opferten die Götter das Opfer, das waren die ersten Satzungen.Sie die Erhabenen gelangten zu dem Firmament, wo die alten Götter weilen, die man sich geneigt machen soll.
Sie sehen hier also eine phanatastischen Schöpfungsmythus, der uns in gar mancher Hinsicht an jene kosmogonischen Legenden des Yajurveda erinnert. So verschroben und wunderlich hier auch manches sein mag, deutlich tritt imerhin der Gedanke der Emanation hervor. Ein Urwesen gab es; aus dessen verschiedenen Teilen wurde Alles, was da ist, die Welt der Unsterblichen und Sterblichen,Ṛigveda, Sâmaveda, und Yajurveda, der Brahmane, der Râjanya, der Vâiçya und Çûdra; Mond und Sonne, Himmel und Erde, Wind und Luft, Indra und Agni, Menchen und Thiere.1 Und es stört den Dichter nicht der Widerspruch, dass er die Götter, die doch nur ein Theil des Urwesens sein sollen, doch wiederum handelnd bei der Opfertheilung dieser mystisch-kosmogonischen Potenz auftreten lässt. Dieser Purusha, das Urwesen, erscheint wiederholt in den späteren Philosophthemen und zwar in ganz vergeistigter, abstracter Form. Purusha heisst später geradezu der Urgeist.
Man bemerke speziell auch noch die Wendung in Vers 5: „Aus ihm ward geboren Virâj,² aus Virâj aber der Purusha; als er geboren war, da ragte er über die Erde hinaus, hinten und auch vorne."
Dieser Virâj, übrigens meist als Femininmum erscheinend „Herrscher" oder „Herrscherin" ist auch seine solche kosmogonische Potenz, ein der Speculation angehöriges göttliches Wesen, ... | ||
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| Siehe Seite 212 bis 225 in "Indiens Literatur und Cultur in historischer Entwicklung", ein Cyclus von fünfzig Vorlesungen von Dr. Leopold von Schroeder, Docent an der Universität Dorpat. Leipzig, Verlag von H. Haessel, 1887 |
3) Übersetzung von Prof. Dr. Paul Deussen:
Man findet es in den Werken von Professor Paul Deussen in „Geheimlehre des Veda - ausgewählte Texte der Upanishad’s" auf den Seite 8 bis 10.
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| Der Purusha (Urmensch) als Weltschöpfer. Ṛigveda 10,90.
1. Der Purusha mit tausendfachen Häuptern, Mit tausendfachen Augen, tausend-Füßen Bedeckt ringsum die Erde allerorten, Zehn Finger hoch noch drüber hin zu fließen. .
2. Nur Purusha ist diese ganze Welt, Und was da war, und was zukünftig währt, Herr ist er über die Unsterblichkeit, ―Diejenige, die sich durch Speise nährt.
3. So groß ist diese, seine Majestät, Doch ist er größer noch als sie erhoben; Ein Viertel von ihm alle Wesen sind, Drei Viertel von ihm sind unsterblich droben.
4. Drei Viertel von ihm schwangen sich empor, Ein Viertel wuchs heran in dieser Welt, Um auszubreiten sich als alles, was Durch Nahrung sich und ohne sie erhält.
5. Aus ihm, dem Purusha, ist die Virâj, Aus der Virâj der Purusha geworden; Geboren überragte er die Welt Nach vom, nach hinten und an allen Orten.
6. "Als mit dem Purusha als Darbringung Ein Opfer Götter angerichtet haben, Da ward der Frühling Opferschmalz, der Sommer Zum Brennbolz und der Herbst zu Opfergaben.
_____________________________________________ 9 Der Purusha (Urmensch) als Weltschöpfer: --------------------------------------------------------------------
7. Als Opfertier ward auf der Streu geweiht Der Purusha, der vorher war entstanden, Den opferten da Götter, Selige Und Weise, die sich dort zusammenfanden.
8. Aus ihm als ganz verbranntem Opfertier Floß ab mit Schmalz gemischter Opferseim, Daraus schuf man die Tiere in der Luft Und die im Walde leben und daheim.
9. Aus ihm als ganz verbranntem Opfertier Die Hymnen und Gesänge sind entstanden, Aus ihm auch die Prunklieder allesamt, Und was an Opfersprüchen ist vorhanden.
10. Aus ihm entstammt das Roß, und was noch sonst Mit Schneidezähnen ist auf beiden Seiten, Aus ihm entstanden sind die Kuhgeschlechter, Der Ziege und der Schafe Sonderheiten.
11. In wieviel Teile ward er umgewandelt, Als sie zerstückelten den Purusha? Was ward sein Mund, was wurden seine Arme, Was seine Schenkel, seine Füße da?
12. Zum Brâhmaṇa ist da sein Mund geworden, Die Arme zum Râjanya sind gemacht, Der Vaiçya aus den Schenkeln, aus den Füßen Der Çûdra damals ward hervorgebracht.
13. Aus seinem Manas ist der Mond geworden, Das Auge ist als Sonne jetzt zu sehn,
________________________________________________ 10 Die Âtmanlehre in den Hymnen und Brâhmaṇa's. ------------------------------------------------------------------------ Aus seinem Mund entstand Indra und Agni, Vâyu, der Wind, aus seines Odems Wehn.
14. Das Reich des Luftraums ward aus seinem Nabel, Der Himmel aus dem Haupt hervorgebracht, Die Erde aus den Füßen, aus dem Ohre Die Pole, so die Welten sind gemacht.
15. Als Einschlußhölzer dienten ihnen sieben, Und dreimal sieben als Brennhölzer da, Als, jenes Opfer zurüstend, die Götter Banden als Opfertier den Purusha.
16. Die Götter, opfernd, huldigten dem Opfer, Und dieses war der- Opferwerke erstes; Sie drangen mächt'gen Wesens auf zum Himmel, Da wo die alten, seligen Götter weilen. | ||
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| siehe: „Geheimlehre des Veda - ausgewählte Texte der Upanishad’s" aus dem Sanskrit übersetzt von Dr. Paul Deussen, o.Prof. der Philosophie an der Universität Kiel, fünfte Auflage, Leipzig F.A. Brockhaus, 1919, Seiten 8 bis 10 |
4) Anmerkung vom Verfasser dieser WEBSeite:
Es geht bei diesem Lied von Rishi Narayana um die Problematik, wie denn alles Eins sein könne. Es geht um jene Situation, daß Wachen, Träumen und Schlafen alles in Bewußtsein abspielt und ohne Bewußtsein all das nicht sein könne.
Ist man im Wachzustand so nicht im Traumzustand und umgekehrt; ist man im Schlafzustand so nicht im Traumzustand sowie umgekehrt und ist man im Schlafzustand so nicht im Wachzustand und umgekehrt. So sind diese drei, Wachen, Träumen und Schlafen, alle jeweils getrennte Etwasse.
Aber alle drei sind Zustände des Bewußsteins und da ist insofern jenes Vierte, das wiederum die drei anderen durchdringt und doch davon verschieden ist als das "Eine", was allen drei Anderen trotz deren Unterschiedlichkeiten gemeinsam ist.
Und wie mehrfach schon erläutert als Eigenständiges, aus sich selbst heraus existentes Etwas, erkennbar ist per richtiger Meditation.
Vgl. Fußnote 2 zur Mandukya-Upanishade in der Übersetzung von Sri Aurobindo.
Es geht darüberhinaus nunmal um jene "Vierte", jenes "transzendentale Bewußtsein", jenes "Turiya", das allgemein nicht bekannt ist oder auch geleugnet wird. In der sog. "Transzendentalen Meditation" geht es um eine Meditationsmethode, welche jenes "Turiya" ins Zentrum rückt, per momentaner Zustände von Samadhi, von "Transzendentalem Bewußtsein", jener "ruhevollen Wachheit" wißbar macht, aus der Vergessenheit holt (wie es Tat Wale Baba in jenem Vortrag, der in Form von 3 Audiotapes im Internet verfügbar ist und welchen ich ins Deutsche übersetzte, darstellte.).
Durch regelmäßige Ausübung richtiger Meditaton, würde allmählich die wahrheitsgemäße, Objektivität entspringende Erkenntnis erlangt werden, wonach eben Wachen, Träumen und Schlafen sowie die damit verbundenen Erfahrungswelten sowie auch Geisteswelten nichts als Ausdrucksformen "reinen Bewußtseins" sind.
Es wird eingesehen, daß es ein Irrtum war, daß es 3 getrennte Etwas's wären. Das ist auch das Thema in der Mandukya-Upanishade zu welcher sowohl Gaudapada als auch Shankara Kommentare verfaßten und Professor Deussen etliche Anmerkungen beisteuerte.
So wie die Wellen nicht getrennt sind vom Ozean, sondern die Wellen, die Meeresströmungen, die Gischt, usw nichts als Meer-Wasser sind, so sind eben die Erfahrungswelten von Wachen, Träumen, Schlafe nichts als "reines Bewußtsein". Es nicht so als das Selbstverständlichste von der Welt zu wissen, wahrnehmen zu können und zu leben, ist Folge von Nicht-Wissen, von Täuschung, von Illusion.