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Vorbemerkungen zur Mandukya-Upanishade:

 

Ein technischer Hinweis vorab:

Per der Tastenkombination STRG + Ende gelangt man zu einem Inhaltsverzeichnis zur Mandukya-Upanishade mit Link-Option für die einzelnen Inhaltspunkte; dies ist aber erst im Entstehen und wird nach-und-nach erweitert um eine solche Möglichkeit für einzelene Unterabschnitte. Dies wird etwas dauern und wird so nach und nach auch ein entsprechend einfaches Aufsuchen der einzelnen Verse und Fußnoten ermöglichen.

 

Nun aber zur Manduyka-Upanishade:

Die Mandukya-Upanishade ist zunächst wohl ein sehr philosophisches Werk.

Aber Philosophie spielt sich zunächst nunmal auch im Bereich des Denkens und der Worte ab.

Insofern kann man da von den Überlegungen von Chândogya's siebenter Lektion nicht absehen.

Nur, bevor man sich auf einen Weg irgendwo hin machen kann, muß oder auch sollte man wissen, was man will, wohin man will.

Die Mandukya-Upanishade erklärt sehr deutlich jenes "Vierte", jenes jenseits von Wachen, Träumen und Schlafen und ist insofern sehr hilfreich um eine klarere Vorstellung von dem zu haben, worum es bei richtiger Meditation geht.

Darüberhinaus ist sie sehr neutral, nicht religiös und daher für viele Suchende hilfreich.

 

 


Sri Aurobindo's Übersetzung der Mândûkya-Upanishade, des Kommentars von Gaudpada sowie Shankara's Kommentar dazu (vom Autor dieser WEBSeite ins Deutsche übersetzt.)


© Franz Rickinger

MandukyaundKarikasnachAurobindo

(Noch im Entstehen und in Bearbeitung)

 

 

Sri Aurobindo - Mandukya-Upanishad

mit Gaudapada's und Shankara’s Kommentar:

(ins Deutsche weiterübersetzt vom Autor dieser WEBSeite)

 

 

1. Om ist dieses unvergängliche, unzerstörbare Wort, OM ist das Universum und dies ist der Ausdruck von Om. Die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, all das was war, alles was ist und all das was sein wird ist OM.

 

2. Dieses gesamte Universum ist das Ewige Brahman, dieses Selbst ist das Ewige, und das Selbst ist vierfältig.

 

3. Es, dessen Platz die Wachheit ist, es, das weise ist betreffs der Außenwelt, das sieben Glieder hat, für das es 19 Türen gibt, das grobe Objekte fühlt und sich dessen sowie derer erfreut, Vaishwanara, das Universelle Männliche*, das ist das Erste.

 

4. Das, dessen Platz der Traum ist, das weise ist betreffs der Innenwelt, das sieben Glieder hat, für das es 19 Türen gibt, das subtile Objekte fühlt und sich dessen erfreut, Taijasa, das Bewohnende im Erstrahlenden, Lichtvollen, Strahlenhellem Geist, das ist das Zweite.

 

5. Wenn man schläft, gähnt und dies ohne irgendeinen Wunsch, auch keinerlei Traum sieht, so ist das vollkommenes Ruhen, vollkommener Schlummer. Das dessen Platz das vollkommene Ruhen, der perfekte Schlummer ist, das Einseins geworden ist, das, zu sowie in sich selbst gesammelte, ruhende Weisheit ist, das aus reinem Entzücken, reiner Wonne besteht, das unzugeordnetes, beziehungsloses Entzücken genießt [das Entzücken genießt ohne Bezug zu etwas außer sich selbst, in sich selbst ruhend reines Entzücken genießt,], das für welches der bewußte Geist die Türe ist, Prajna, der Herr [/die Herrin, der Lord] der Weisheit, das ist das Dritte.

 

6. Dieses ist das Allmächtiige, das Allwissende, dieses ist die Innere Seele, dieses ist der Schoß, der Mutterleib des Universums, dieses ist der Ursprung und das Ende, die Geburt und der Tod der Geschöpfe.

 

7. Es, das weder aufgrund einwärts gewandtem Weiseseins noch auswärts gewandtem Weisseine weise ist, es, das weder sowohl Weisesein durch Außen-Gewandtheit als auch Innenwandtheit ist, es, das weder selbst gesammelte, angehäufte Weisheit ist noch auf sich selbst gesammeltes Weisesein ist, es, das nicht das Eigentum von Weisheit ist, noch nicht im Besitz von Weisheit ist, Es, Das ungesehen und unansprechbar sowie unbefragbar, unergreifbar, eigenschaftslos, undenkbar und unbennenbar ist, Es, dessen Besonderheit und Wesentlichkeit das Gewahrsein des Selbst in dessen einer sowie einziger Existenz ist, Es, in welchem alle Phänomene aufgelöst sind, Es das Ruhigsein ist, Es das nur Gut, vollkommenes Gutsein ist, Es, welches das Eine ist wozu es vergleichender Weise, per Vergleichgebrauchung kein Anderes gibt [womit man es vergleichen könnte] bezüglich welches es kein Zweites gibt [, das Eine ohne ein Zweites,] Es, wovon man meint, daß es das Vierte sei, Es, das für das Vierte gehalten wird: Es ist das Selbst; Es ist der Gegenstand des Wissens.

 

8. Nun, was das vergängliche Wort anbelangt, ist dieses „das Selbst“ OM: und was die Buchstaben betrifft, so sind dessen Teile die Buchstaben und die Buchstaben sind dessen Teile, nämlich A U M.

 

9. Das Machende aber auch Aufwachende, das Wachende sowie das Wachsein, Vaishwanara, das Universelle Männliche, es ist A, der erste Buchstabe, wegen des Verursachendseins und der Verderblichkeit sowie auch Vergänglichkeit; Jemand, der Das als das weiß sowie kennt, durchdringt und erreicht, sie durchdringend und darüber erstreckend, die Erfüllung aller seiner Wünsche: Es wird zur Quelle, zur Ursache sowie zum Ersten.

 

10. Das Träumen oder auch jemand im Traumzustand [und daher dessen Zustand des Träumens wovon jene Person ein Teil ist oder sich auch für einen Teil, den Träumenden, hält.] , Taijasa, das Bewohnende hellen, leuchtenden Geistes, Es ist U, der zweite Buchstabe, aufgrund von Fortschritt, Entgegenkommen sowie Gewinn und Zentralheit: Jemand der Es als das weiß sowie kennt, verschiebt, vorrückend, die Grenzen seines Wissens, weitet sein Wissen und erhebt sich über die Unterschiedlichkeiten; außerdem ist keiner dessen Samen einer jener entstandenen oder auch hervorgebrachten Samen, welche das Ewigseinde nicht wissen.

 

11. Das Schlafen, der Schlafzustand aber auch die im Schlafzustand sich befindende Person**), Lord der Weisheit, Es ist M, der dritte Buchstabe, wegen dessen Maßes sowie der Maßregel und Endgültigkeit sowie Zweckbestimmtheit; Jemand der Es als das weiß (ver)mißt das Universum mit sich selbst und wird zur Abfahrt in das Ewige,

 

12. Buchstabenlos ist das Vierte, das womit keine Kommunikation möglich ist, das Ende der Phänomene, das Gute, das Eine wozu es nichts gibt, womit es verglichen werden könnte: Es ist daher OM: Jemand der es weiß, der es kennt ist das Selbst und tritt vemöge seines selbstes in das Selbst ein, jemand der es weiß, jemand der das weiß.

 

 

———————

 

Übersetzung vom Verfasser dieser WEBSeite aus:

Shri Aurobindo, The Upanishads, texts, translations and commentaries, Govt. College Libraries. Kota (Raj.).

Volume 12, Sri Aurobindo Birth Centenary Library - Popular Edition, © Sri Aurobindo Ashram Trust, 1972, Published by Sri Aurobindo Ashram Pondicherry, Reproduced at the All India Press, Pondicherry, India.

Angegeben sind in dem Buch u.a.:

Sri Aurobindo wurde geboren am: 15.August 1872

Sir Aurobindo's Mahasamadhi: 5.Dezember 1950

Jubeläumsausgabe: 15.August 1972

 

*) „Das universelle Männliche" gilt heutzutage eher als ein Begriff den es zu vermeiden gilt. Aber in der Technik spricht man nunmal in der Englischen Alltagssprache von "male" und „female"; im Deutschen hingegen von Stecker und Buchse. Man spricht von „Schraube" und „Schraubenmutter", usw. In alter chinesischer Philosphie hat man ying und yang, welche bisweilen oder auch oftmals als „das weibliche Prinzip bzw das „männliche Prinzip" übersetzt werden. (Vgl. etwa.: https:/ /de.wikipedia.org/wiki/Yin_und_Yang oder auch https:/ /m-kung-fu.de/yin-und-yang oder auch https:/ /www.gesundheitswissen.de/alternative-medizin/tcm/yin-und-yang-gegensaetze-die-sich-anziehen.).

 

Goethe läßt den Faust II im „Chorus mysticus" enden mit den Worten:

>>

...

Alles Vergängliche

Ist nur ein Gleichnis;

Das Unzulängliche

Hier wird's Ereignis;

Das Unbeschreibliche,

Hier ist's getan;

Das Ewig-Weibliche

Zieht uns hinan.

...

<<

Goethe, Johann Wolfgang von, "Faust - Der Tragödie erster und zweiter Teil von Goethe", mit dem Urfaust und einer Einleitung von Reinhard Buchwald, Alfred Kröner Verlag, Satz und Druck der Offizin Haag-Drugulin 1940, Seite 324.

Darüberhinaus gibt es in der Indischen Geisteswelt nunmal auch Göttinnen, wie Durga, Kali, Parvati, Saraswati; auch Shakti gilt als eine "Weibliche Kraft", wenn nicht gar als "Das Weibliche" schlechthin.

 

**) Beim Begegnen mit einer schlafenden Person, ob Mensch, Tier usw, sieht man den Schlafzustand, da Schlafen; man sagt „dieses Wesen schläft" und die Unterschiede der Person treten dabei ganz in den Hintergrund und sind letztlich dabei gar nicht mitgemeint.

 

Sri Aurobindo geht in seiner Übersetzung offenbar von „einer schlafenden (analog: wachenden bzw träumenden, notabene) Person" aus und bezeichnet damit nunmal aber auch den Schlafzustand selbst. Daher übersetzte ich, wie ich es nunmal übersetzte.

 

Die Übersetzung für die Worte „Waker", „Dreamer", „Sleeper" kann man darüberhinaus dem angehängten Vokabelverzeichnis entnehmen.

 

Ausgehend vom Vierten und von dem Einen, das mit nichts vergleichbar ist, dem Einen ohne ein Zweites, ist es darüberhinaus so, daß „Der Wachende", „Der Träumende", der Schlafende" eben auch jenes „Eine ohne ein Zweites" ist oder auch hat; es erscheint als „Wachen" bzw Phänomen des „Wachzustandes", als „Träumen" bzw Phänomen des „Träumens", des „Traumzustandes" aber auch als „Schlafen" bzw Phänomen des „Schlafzustandes".

 

 

 

Grammatikalischer Hinweis:

 

Im Vers 7 der Mandukya-Upanishade übersetzte Sri Aurobindo u.a.: 

"...Who is the One than Whom there is no other…" 

Betreffs dieser gramatikalischen Konstruktion siehe beispielsweise Seite 53 in der Englischgrammatik von Prof. Lincke (Lincke, Prof. Dr Kurt, "Grammatik der Englischen Sprache für höhere Lehranstalten bearbeitet von Prof. Dr. Kurt Lincke, Studienrat an der Klinger-Oberrealschule, mit Lehrauftrag an der Universität Frankfurt am Main", dritte Auflage, Frankfurt am Main, Verlag Moritz Diesterweg, 1923).

 

Vokabeln dazu:

Vokabel

 

Übersetzung

Seite

Autor

         

… as to whether …

 

vgl. Ziegler-Seiz, 11.Auflage, 1948

33

Ziegler-Seiz

advance

 

advance (äd-wahnß') vorrücken; vorbringen; beschleunigen; befördern; vorausbezahlen; vorschießen, Fortschritte machen; Vorrücken n.; Beförderung f.: Fortschritt; Vorsprung; Preisaufschlag; Gewinn m.; Entgegenkommen n.; Vorschuß m; in advance im voraus.

3

Dr. Francis Ising

As for, as to

 

As for, as to, in Hinsicht, in Ansehung, in Betreff, was betrifft.

56

Grieb (1842)

as for, as to

 

was betrifft

21

Dr. Friedrich Köhler

deem

 

deem (dihm) urteilen; meinen.

26

Dr. Francis Ising

deem

 

Deem va. beurtheilen, halten für; vn. urtheilen (of über).

86

Dr. Friedrich Köhler

Delight' s.

 

Lust f. Vergnügen n.; Wonne; va. (vn. sich) ergetzen, erfreuen; sich freuen.

88

Dr. Friedrich Köhler

dream

 

Dream, …, (schw. dròm; dän. dröm) s. 1. der Traum (das Träumen und das Geträumte). 2. Traum die eitle Einbildung; Träumerei. His dream is out, sein Traum ist eingetroffen.

279

Grieb (1842)

dream

 

Dream, praet. dreamt oder dreamed, v.n. 1. (mit of vor dem Objekte) träumen (von). 2. ±a) (of) sich träumen lassen Etwas (denken an). b) träumen (müßig denken od. gehen). c) albern, faseln. To dream away life, sein Leben verräumen. —ing träumerisch.

279

Grieb (1842)

dream

 

Dream, v.a. Etwas träumen; von Etwas träumen; Etwas im Traume sehen; to — a dream, einen Traum haben. And dreamt the future fight. DRYDEN. I dreamt a pleasant thing. mir träumte etwas Spaßhaftes.

279

Grieb (1842)

dreamer

 

Dreamer,..vgl. Grieb/Schröer

315

Grieb/Schröer

dreamer

 

Dreamer,…s. -+ u. ±der Träumer

279

Grieb (1842)

expose

 

expose (-pou's) aussetzen; bloßstellen.

39

Dr. Francis Ising

exposition

 

exposition (ekß-po-sißch'n} Erklärung; Ausstellung f.

39

Dr. Francis Ising

exposition

 

Exposi'tion s. Aussetzung; Ausstellung; Lage; Erklärung.

122

Dr. Friedrich Köhler

exposition

 

Exposition, vgl. Grieb/Schröer

358

Grieb/Schröer

final

 

Final, …

339

Grieb (1842)

final, finality, finale

 

fin|al,.. finality …vgl. Ziegler-Seiz, 11.Auflage, 1948

213

Ziegler Seiz

final, finally

 

Fi'nal a., -ly adv. endlich, schließIich: entscheidend.

130

Dr. Friedrich Köhler

final, finally

 

final(ly) (fei-näl) endlich; letzt.

42

Dr. Francis Ising

gather, gather into

 

gather (gädh'r) sammeln; falten; aufhäufen; pflücken; ernten: sich sammeln; eitern.

47

Dr. Francis Ising

gathering

 

gathering Sammlung; Versammlung; Kollekte f.; Geschwür n.

47

Dr. Francis Ising

Imperishable

 

Imperishable a., -bly adv. unvergänglich; -ness s. Unvergänglichkeit

165

Dr. Friedrich Köhler

inward, the inward

 

inward (in'-uerd) Inner; innerlich; einheimisch; inländisch; einwärts ; das Innere; -s Eingeweide n.

66

Dr. Francis Ising

inwards

 

inwards einwärts; nach innen.

66

Dr. Francis Ising

measurable

 

measurable (mesch'e-rc-bl) meßbar; mäßig.

83

Dr. Francis Ising

measure

 

measure (mesch'örr) Maß n.; Maßstab m.; Maßregel f.; to take measures Anstalten treffen; messen; ab-, ausmessen.

83

Dr. Francis Ising

nor

 

nor (nohr) weder; noch; nor I either (ih'dhr) ich auch nicht.

95

Dr. Francis Ising

nor

 

Nor, vgl. auch Grieb/Schröer

666

Grieb/Schröer

nor

 

Nor,…, (ne u. or) conj. 1. (zur Bezeichnung einer Verneinung und gewöhnlich mit vorangehendem neither oder not) (weder…) noch. 2. bisweilen, gewöhnl. , ist neither ausgelassen. 3. steht bisweilen — statt neither in dem ersten Theile eines Satzes. 4. (Oertl. für) than. 1. I neither love nor fear the. SHAK. 2. Simois — Xanthus shall be wanting there. DRYDEN. 3. I whom — avarice — pleasures move WLASH. Neither — nor, weder … noch.

602

Grieb (1842)

now

 

Now, .., (angels. nu; holl., schw. dän. u. goth. nu; gr.nyn; lat. nune; nun) adv. 1. nun (nunmehr, nach diesem, unter diesen Umständen; zu der Zeit). 2. jetzt (in diesem Augenblick, gegenwärtig). 3. eben; just —, erst od. eben jetzt, so eben. 4. bald (zu einer Zeit, zu einer andern Zeit). 1. Now it is too late. — How shall any man distinguish - betwixt a parasite and a man of honor? L'ESTRANGE. He was — sensible orf his mistake. WEBSTER. 4. Now high, — low, — master up, — miss. POPE. But Now, but just —, even —, erst od. eben jetzt, gerade erst. Until —, bis jetzt. Before —, ehedem, schon, schon einmal. Now …now, bald …bald, — and then, 1. dann u. wann, zuweilen. 2. da u. dort, hier u. da. (A mead here, there a heath, and now and now a wood. DRAYTON). — know ye (in Dokumenten) kund u. zu wissen sei hiermit.

605

Grieb (1842)

now

 

Now, adj. † jetzig (z.B. the — thing).

605

Grieb (1842)

now

 

Now, conj. nun (um eine Verbindung, Folge, Ursache anzuzeigen); nun … aber. The other great mischief which befalls men, is by their beining misrepresented. — by calling evil good, a man is misrepresented to others in the way of slander … SOUTH. Now now! (( nun, nun, was soll das?

605

Grieb (1842)

now

 

Now, s. der gegenwärtige Augenblick, das Nu. But an eternal now does ever last. COWLEY.

605

Grieb (1842)

now-a-days

 

Now-a-days,… adv. (( heut zu Tage, heutigen Tages.

605

Grieb (1842)

noway

 

Noway, (no und way) adv. keineswegs

605

Grieb (1842)

noways

 

Noways, adv. keineswegs

605

Grieb (1842)

outward, the outward

 

outward (-'uörd) Äußeres; äußerlich; auswärtig.

102

Dr. Francis Ising

outwards

 

outwards (-'uörds) auswärts.

102

Dr. Francis Ising

pervade

 

Pervade' va. (durch)dringen; einnehmen.

237

Dr. Friedrich Köhler

pervade,pervaded by

 

Pervade, ..., (lat. pervado) v.a. 1. -+ durchdringen. 2. ±a) durchdringen, einnehmen (den Geist ϰ.). b) sich erstrecken über... 1. Liquors that pervade the pores. NEWTON 2.a) spririt of conceiliation —s all classes of men.

664

Grieb (1842)

perversive

 

perversive (-'ßiw) verderblich. 108

108

Dr. Francis Ising

relate

 

Relate' va., berichten, erzählen, melden; vn. sich beziehen, to be -d to verwandt sein mit.

265

Dr. Friedrich Köhler

sleeper

 

Sleeper, …, s. 1. der Schläfer, 2. ±a) † ein Gesetz ϰ., das schläft, ruht, nicht vollzogen wird. BACON. b) die Schlafhaube (ein träger Mensch). 3. [Zool.] der Winterschläfer (wie der Bär ϰ.); (und in engerer Bedeutung) die Haselmaus., 4. [Techn.] a9 pl. Sleepers. [Mar.] Tümeler oder Knie in den Billen eines Schiffes, wovon der eine Arm an die Heckbalken od. Worpen und der andere an die Inhölzer gebolzt ist. b) pl. die Kimmweger. c) [Glashütten] ein Rost, Riegel um das Durchfallen der kleinen Kohlen zu verhindern. d) [Zimmerl.] pl. Sleepers, die Querbalken in unteren Stockwerken eines Hauses, welche unter den Mauern durchgezogen sind, od. die unterlage des Fußbodens bilden. e9 pl. Sleepoers, die Bohlen in einer Batterie, auf denen die Kanonen und Mörser stehen. f) (überhaupt) eine Bohle ϰ., die eine Sache als Grundlage dient. 5. [Ichthyol.] Flederfisch (exocoetus).

870

Grieb (1842)

sleepfulness

 

Sleepfulness,…, s. † die Schlaftrunkenheit.

870

Grieb (1842)

sleepily

 

Sleepily,..., adv. 1. schläfrig. 2. a) ±schläfrig (träge). b) dumm, auf eine einfältige Weise.

870

Grieb (1842)

sleepiness

 

Sleepiness,.., s. die Schläfrigkeit

870

Grieb (1842)

sleeping

 

Sleeping,.., s. das Schlafen …

870

Grieb (1842)

sleppful

 

Sleepful,…, adj. † schlaftrunken

870

Grieb (1842)

slumber

 

slumber (ßlöm'br} Schlummer m.; schlummern.

144

Dr. Francis Ising

slumberous

 

slumberous einschläfernd.

144

Dr. Francis Ising

than

 

... — 52 — ... § 72, vgl. Prof. Dr. Kurt Lincke

Seiten 52 und 53

Lincke, Kurt

than

 

13. no sonner ... than: vgl. Prof. Dr. Kurt Lincke

170

Lincke, Kurt

than

 

16. than: vgl. Prof. Dr. Kurt Lincke

170

Lincke, Kurt

than

 

more than is fit: gl. Grieb (1842): Fit,... It is not fit, es ziemt, schickt sich nicht. To be - for, passen, taugen (zu); sich schicken, sich ziemen für...; ...Not - fit to be named, nicht wohl zu nennen. More than is -, über Gebühr. To make one's self - for ... sich bereiten zu ... Fit, v.a. 1. geschickt, bequem, gemäß, einrichten, ordnen, anordnen. 2. ... 3. einirchten, fertig machen; rüsten. 4. (to) einirchten, bequemen (nach). …

242

Grieb (1842)

to be related to

 

verwandt sein mit.

265

Dr. Friedrich Köhler

unrelated

 

Unrelated, …, adj. 1. (- + und ±) nicht verwandt. 2. unerzählt, unberichtet.

1048

Grieb (1842)

unrelated

 

Unrelated, …,vgl. Grieb/Schröer

1213

Grieb/Schröer

wake

 

wake (uehk) wachen; er-, aufwachen; wecken; er-, aufwecken; Kirchweihfest n.; Nacht-, Totenwache f.

192

Dr. Francis Ising

wake

 

Wake vn. wachen ; erwachen; va. (- up) wecken; - s. Wachen n.; Wache; (pI.) Kirchweihfest; Kielwasser n.

346

Dr. Friedrich Köhler

wakeful

 

wakeful ( -'full) wachsam.

192

Dr. Francis Ising

wakeful

 

Wake'ful a., -ly adv. wachend; wachsam; -ness s. Wachen n.; Slaflosigkeit.

346

Dr. Friedrich Köhler

waken

 

waken (ueh'kn) wachen; wecken.

192

Dr. Francis Ising

wakener

 

Wakener, s. de Erwecker, Etwas, das erweckt od. reizt, das Reizmittel.

1081

Grieb (1842)

waker

 

Waker, s. 1. Einer, der macht, der Wachende. 2. Einer, der erwacht, der Erwachende. Prov. Late watchers are no early wakers. Wer spät zu Bette geht, steht spät auf.

1081

Grieb (1842)

       

Muret Sanders

 

 

 

 

 


Sri Aurobindo's Übersetzung der Mândûkya-Upanishade, des Kommentars von Gaudpada sowie Shankara's Kommentar dazu (vom Autor dieser WEBSeite ins Deutsche übersetzt.)


© Franz Rickinger

  noch in Bearbeitung (Korrekturlesen, Korrekturen anbringen usw)

 

Sri Aurobindo - Mandukya-Upanishad

 Gaudapada's und Shankara’s Kommentar:

 

 

...

424

...

Frühe Übersetzungen einiger Vedantischer Texte

 

...

Die Karikas des Gaudapada

Die Karikas des Gaudapa sind eine zusammengehörige Sammlung kompetenter, maßgebender Verse betreffs Maximen und Argumentationen, die in einem knapp-gehaltenen und präzise-argumentierten Handbuch die Position der besonders klaren sowie präzisen Monistischen Schule des Vedanata darstellt. Die monumentalen Aphorismen der Vedanta Sutras sind eher für eine/~n LehrerIn, eine/~n MeisterIn gedacht als wie für den/die SchülerInnen. Gaudapada’s klare, knappe und geschäftsmäßige  [Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite: vgl. Die berühmt-berüchtigten „2-Zeiler" von Juristinnen, usw. Ende der Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite.] Verse haben eine weiter angelegte Nützlichkeit; sie setzen lediglich ein elementares Wissen, betreffs philosophischer Begriffsbildungen und betreffs der allgemeinen Richtung Monistischer und Dualistischer Debatten, voraus — liegt dieses grundlegende, einführende Wissen vor, so versehen diese [Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite:Gaudapada’s klare und logisch begründete Verse. Ende der Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite.] der/dem StudentIn mit einem bewundernswerten, hellen und darauf aufbauen könnenden sowie folgenreichen Kernwissen betreffs des Argumentierens, welches es ihr/ihm ermöglicht sofort den Zug der Gedankenwelt des Monismuses zu besteigen und seine wichtigtesten angesehenen und bemerkenswerten Standpunkte im Gedächtnis zu behalten. [Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite: weniger poetisch wäre es zu übersetzen mit: "...die/der StudentIn ein sehr nützliches grundlegendes Wissen betreffs logischen Denkens vermittelt und es ihr/ihm ermöglicht, in der Gedankenwelt des Monismus zurechtzukommen und dieses in einer Weise, daß sie/er die allgemein anerkannten und hohes Ansehen genießenden grundlegenden Positionen, aufgrund der schlüssigen Argumente und vielfach bekannten Begriffe, im Gedächtnis zu behalten vermag.Ende der Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite.]. Es bietet seit Langem auch, außer dem Vorzug, daß es, einerseits dem geschuldet daß keine Zweifel an dessen vorzüglichen, herausragenden Verdiensten sowie Werten bestehen und andererseits der seit Langem bestehenden Angesehenheit und Anerkanntheit sowie dem weitverbreitetem in Gebrauchsein, auch [noch] den Vorteil, daß es einen vollständigen und starken Kommentar dazu, verfaßt vom Meister selbst, gibt und es darüberhinaus noch von einem Schüler des Meisters, dem mit klarem Verstand begabten und oftmals suggestiven, andeutenden Anandagiri, ebenfalls eine Erläuterung dazu gibt. Für moderne StudentInnen kann es zur Vedanta-Philosophie keine geeignetere Einführung geben - nachdem sie erst etwas über den Sinn der Upanishaden gebrütet haben - als eine eingehende Befassung mit den Karikas des Gaudapada samt Shankara’s Kommentaren, mit Deussen’s „System des Vedanta"¹ in der einen Hand und irgendeiner sowohl kurzen als auch  allgemeinverständlichen, volksbeliebten Darlegung der sechs Darshanas in der Anderen.² Erst nachdem die Schule des Monismus gründlich verstanden wurde können der modifizierte Monismus und Dualistische Monismus mit deren dazwischenliegenden Schattierungen sowie Nuancen nützlicherweise studiert werden. Wenn erst die Theorie des Vedanta verstanden wurde, können Sankya, Yoga, Nyaya und Vaisheshika aus dieser Sicht heraus, anhand von Vijnananbhikshu’s Arbeit, verstanden werden und alsdann auch die großartige Synthese [in Form] der Bhagavad Gita als Krone des gesamten Lehrkonstrukts, des Lehrgebäudes darüberhinaus. Die [notwendige] philosophische Grundlage wird dann korrekt geschaffen sein, sodaß die Upanishaden mit neuem Interesse studiert werden können; dabei wird man sie, in dem Maße als man fortschreitet und sein eigenes Verständnis der ‘Heiligen’ Bücher sich entfaltet, verifizieren oder auch entsprechend näher bestimmen. Dies bringt die theoretische Seite von Janakanda zu einem Abschluß; dessen praktische

 

 

428

Die Upanishaden

 

und wertvollere Seite kann mittels des Yoga-Weges und unter der Führung eines Sadguru bewältigt werden.

  Gaudapada beginnt seine Arbeit mit einer kurzen Darstellung betreffs der poetischen und rhymtischen Sprachaspekte der Upanishaden und dies geschieht in klaren philosophischen Begriffen. Zunächst definiert er präzise den wesentlichen Charakter, die wesentliche Natur der dreieinheitlichen Natur des Selbst wie sie sich im Macrokosmos und Microkosmos ausgedrückt sowie dem/der Wachenden, dem/der Träumenden und dem/der Schlafenden, die sich alle im Absoluten treffen und darin verschwinden.

 

1. Da gibt es Vishwa den[/die/das] Lord, der alles durchdringt und sich der Außenwelt bewußt ist, Taijasa der[die/das] der Innenwelt bewußt ist und außerdem noch Prajna indem [/worin] Bewußtsein (verdichtet ist und) sich in sich selbst zurückzieht; Das Selbst zeigt sich dem Gedächtnis als ein Einziges in drei Beschaffenheiten, in drei Zuständen.

 

Shankara: Der eingenommene Standpunkt ist wie folgt: Jene Wesenheit welche, jenes Wesen welches wahrnimmt begibt sich eins nach dem Anderen und nicht gleichzeitig in drei Zustände und bleibt überdies mittels der Erinnerung, auf das Fühlen „Dies bin ich", „Dies bin Ich" „Dies bin ich" beharrend, in allen Dreien miteinander verbunden; es ist offensichtlich, daß sie [diese Wesenheit] etwas ist, das jenseits und über die drei Zustände hinausgehend ist und daher ein Einziges, eine Einheit ist, absolut und ohne Anhänglichkeit, ohne Verhaftetheit an seine drei Zustände, ohne Gebundenheit an seine drei Beschaffenheiten. Und dies wird unterstützt durch die bildhaften Darstellungen als ein großer Fisch, die in den Schriften vermittelt wird.

 

 

2. Vishwa im Tor des rechten Auges, Taijsasa im Geist, Prajna im Äther, dem Herzen, dies ist sein dreifaches in Erscheinungtreten im [Zusammenhang mit dem] Körper.

 

 

429

Die Karikas des Gaudapada.

 

...

[Es folgte ein Text in Sanskritschriftzeichen]

 

Shankara: Der Gegenstand dieses Verses ist es, aufzuzeigen, daß diese Drei, Vishwa, Taijasa und Prajna, sogar im Wachzustand erfahren werden. Das rechte Auge ist die Tür, das Mittel, wodurch speziell Vishwa, der Wahrnehmer konkreter Objekte, Gegenstand der Erfahrung wird. Die Shruti besagt „Fürwahr und aus einer Wahrheit heraus ist Indha¹⁷ er, sogar sein Sein, so wie oder auch weil er hier im rechten Auge anwesend ist."

 Vaishwanara ist

 

 

 

430

Die Upanishaden

Indha¹⁷, weil sein wesentliches Prinzip einerseits Licht ist und - was das "wie" bestimmend anbelangt - andererseits auf einmal sowie gleich auf der Stelle das macrokosmische Selbst in der Sonne und der Seher, der Sehende, das Sehen im Auge ist.¹³

 

2. „Aber", wird eingewandt werden, „Hiranyagarbha ist [doch] ein Einziges, eine Einheit, ein Einssein und der Wahrnehmer der materiellen Bereiche, der Leitende und Seher im rechten Auge ist ganz etwas/jemand Anderes, [nämlich] der Herr und Meister, der Hausherr des Körpers." So ist es [nunmal] nicht; da wir in diesen selbst - wenn wir die wirkliche Natur unserer Wahrnehmungen betrachten sowie [tief] in sie hineinblicken - keinerlei Unterschied zwischen den beiden erkennen. Darüberhinaus besagen die Schriften, „Ein Gott verborgen in allen Geschöpfen"; und die Smriti stellt ebenfalls fest:

„Oh Sohn des Bharat, erkenne und verstehe mich als den Wissenden des Körpers in allen Körpern. Ich bleibe unaufgeteilt sowie unzerfallen in allen Geschöpfen und es scheint lediglich so als sei ich in Teile zerteilt."

  3. Es sei beachtet und festgestellt, daß Vishwa, obwohl er ohne Unterschied sowie Auszeichnung tatsächlich in allen Sinnesorganen tätig ist, es dennoch so ist, daß er als speziell im rechten Auge wohnend sowie zugegen seiend erwähnt wird, weil die Wahrnehmungen durch das rechte Auge, gemäß Bemerkungen, als überlegen gelten. Nachdem dieser Vishwa, der insofern im rechten Auge verweilt, eine Gestalt, eine Form oder auch eine Gestaltetheit sah, ist es so, daß er diese, sich daran mit geschlossenen Augen erinnernd, nachwievor in seinem Geist, als wie in einem Traum, sieht und zwar dieselbe Gestalt oder Form, oder auch Gestaltetheit wie sie sich als Form anhand der Idee [Anmerkung des Übersetzers ins Deutsche: die Erinnerung ist letztlich eine Idee dessen was man mal beispielsweise gesehen  hatte. Ende der Anmerkung] zu erkennen gibt sowie ausdrückt oder auch im Eindruck, den es hinterlassen hat [in derselben Gestalt und Form zeigt]. Ebenso ist es bei einem Traum: Der Eindruck oder auch die Idee, die im Gedächtnis verblieben ist, erzeugt im Schlaf wiederum dieselbe Form, Gestalt oder auch Gestaltetheit, die im Wachzustand gesehen worden war und von daher bekannt ist. Es folgt daraus, daß dieser/dieses Taijasa, der/das innerhalb des Geistes ist sowie im Inneren des Geistes weilt, nichts anderes ist als Vishwa¹⁸ selbst.

 

4. Durch das Aufhören sowie zur Ruhe kommen jenes Vorgangs, der Erinnern sowie Gedächtnis genannt wird, wird alsdann Prajna, sei es im Äther oder auch Herzen, vereinigt bzw zu einer Einheit oder auch, sozusagen, zu verdichtetem Bewußtsein, das sich in sich selbst zurückgezogen hat. Und dies geschieht, weil die Vorgänge im Geist sowie die Aktivitäten des Geistes zur Ruhe gekommen sind und insofern nicht da sind; weil das Sehen und das Gedächtnis ein Vibrieren, eine vibrierende Tätigkeit des Geistes sind, stellt sich in der Abwesenheit der Schwingungen, des vibrierenden Tätigseins des Geistes das Selbst in Form von Prana im Äther oder auch Herzen ein und dies ohne einer Möglichkeit einer Trennung sowie Absonderung oder auch  einer Unterscheidung sowie einem Unterschiedensein [als ein Einsseiendes].¹ Die Schriften besagen übrigens: „Es ist Prana das all diese in sich selbst verschlingt.“ Taijasa ist dasselbe wie Hiranyagarbha, weil es seine Wohnstatt im Geist hat und der Geist der subtile Teil des Körpers ist, wie von folgendem und anderen, ähnlichen Versen klargestellt wird: „Dieser puruṣa ist ganz und gar Geist.“

 

  5.Es mag eingewendet werden, daß Prana im Zustand des Schlafes

 

 

 

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Die Karikas des Gaudapada

 

 

wirklich verschieden sowie anders sei, offenbar sowie augenscheinlich und die Sinne bzw die Sinnestätigkeit eins würden mit Prana; wie kann man also darüber bzw dazu Abwesenheit, Unachtsamkeit oder auch Mangel an Offenbarheit, Kundgebung sowie Unterscheiden aussagen indem man feststellt „Es wird ein Einiges, ein Einsseiendes“? Da ist tatsächlich kein wirklicher Fehler in der Argumentation, weil in dem Nicht-Verschiedenen, Nicht-Differenzierten die einzeln angegebenen, aufzählbar vielen Umstände bereitenden Bedingungen, Eigenschaften sowie Umstände von Raum und Zeit nicht vorhanden sind und dasselbe gilt auch betreffs Prana im Zustand des Schlafes. Obgleich das Prana, weil die Theorie einer getrennten Existenz als Prana existiert, in einem gewissen Sinne tatsächlich Unterschiede, Differenziertheiten sowie Separatheit hat, so ist es doch so, daß die speziellere Idee einer getrennten, isolierten Existenz, wie sie mit dem Körper umschrieben sowie begrenzt wird, in Prana zu einem Ende gebracht wird und daher Prana im Schlaf undifferenziert, ohne Unterschiede - wie das Einseins - und nicht offenbar, nicht augenscheinlich, nicht konkret, nicht greifbar ist; dies gilt zumindest in Bezug auf jemand, der diesen umgrenzten Egoismus, diese umschriebene Selbstsucht besitzt. Und so wie das Prana jener, welche diese umgrenzte körperliche Selbstsucht haben in einen Zustand von Unterschiedslosigkeit eingeht, wenn es am Ende der Welt absorbiert, verschluckt, verschlungen oder auch eingesogen wird, so ist das auch so mit Jemandem der den Sinn von Existenz als Prana nur im Zustand des Schlafes hegt, welcher in Wirklichkeit tatsächlich exakt derselbe [Zustand] ist als jener des vorrübergehenden Verschwindens von Phänomenen, Naturbegebenheiten, Lufterscheinungen sowie besonderen Erscheinungen am Ende einer Welt; beide Zustände sind gleich frei von Unterschieden und Manifestation sowie Augenscheinlichkeiten; darüberhinaus sind sie gleich schwanger, fruchtbar sowie voller „Samen“ und insofern Gründen sowie Ursachen zukünftiger Geburt. Das Selbst, das den einen wie den anderen Zustand beherrscht, lenkt und sozusagen regiert, ist ein und dasselbe; es ist Selbst in einem undifferenziertem, unterschiedsfrei, unmanifest sowie auch nicht augenscheinlich und nicht greifbar seiendem Zustand sowie einer derartigen Beschaffenheit. Es folgt daraus, daß das lenkende, regierende Selbst in jedem der Fälle und in den Erfahrungen der umgrenzten und umschriebenen körperlichen Selbstsucht ein- und dasselbe ist; daher sind die zuvor an früherer Stelle gegebenen Beschreibungen von Prajna, wonach Prajna ein Einiges, Einsseiendes oder auch verdichtetes und auf sich selbst gesammeltes, (entspannt) konzentriertes Bewußtsein oder auch in sich selbst konzentriertes Bewußtsein sei udgl.¹ durchaus anwendbar; und die bereits gegebenen weiterführenden Argumente sowie Ergebnisse formaler sowie abstrakter Streitgespräche stützen sowie rechtfertigen dieselbe Schlußfolgerung.

 

  6. „Aber“, wird man sagen, „wieso wird der Name Prana dem keine Unterschiede, keine Differenziertheiten Habendem, dem nichts Habendem womit man etwas unterscheiden könnte gegeben sowie angewendet?“ Basierend auf den Schriften, die da sagen „Ach Du ehrlicher, offener Sohn, [es ist so] weil sowohl das Seil als auch die Befestigung, das Festbleiben sowie das Verschließen¹ des Geistes Prana sind,“ Du antwortest da: „Ach aber ‘Oh ehrlicher, offener Sohn, Existenz daselbsten ist prāṇa‘ zeige, daß der existente Brahma, das Existensein des Brahma, welcher der Gegenstand der [jener] Verse ist bzw sei, müsse mit dem Wort Prana gemeint sein“. Meine Argumentation wird dadurch nicht widerlegt, weil wir alle es so verstehen, daß das Gegenwärtige den Samen für zukünftige Geburt in sich trägt und die Gegenwart damit insofern schwanger ist. Auch ist es dann so, daß wenn mit Prana „das Existentsein Brahmas, der ‚Existente Brahma‘“ gemeint sei, dann gleicherweise dem Existsein, der Existenz derselbe Name Prana gegeben wäre, weil die Idee, das Konzepts des Schwangerseins, des In-Sich-Beinhaltens des Samen woraus das Jiva oder auch der, dem Leben entsprechend geschaffene, Geist geboren werden müsse, dadurch nicht ausgeräumt wird und indertat

 

 

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Die Upanishaden

 

ist es so, daß nur wenn diese Idee, dieses Konzept von der Idee, dem Konzepts eines/des Brahma ausgeschieden werden könnte, es dann der Existente Brahma, das Existentsein Brahmas genannt bzw damit gleichgesetzt werden könnte. Es ist doch so, daß wenn er das absolute samenlose, keine Gründe, Ursachen für ein Entstehen in sich tragende Brahma wäre, dann etwas herauskäme wie das, was die Schriften meinten, wenn sie Formulierungen gebrauchten wie „Er/es ist nicht dies, nicht jenes, noch irgendwas als das wir ihn bezeichnen könnten“; “von dem/wovon Worte verhöhnt, verwirrt und getäuscht zurückkehren“, Er/es ist anders als das Gewußte und verschieden vom Unbekannten, dem nicht Gewußten“. Auch die Smritis besagen: „Er/es (das Absolute) wird weder Existent-Seiendes noch Nicht-Existentseiendes genannt“.

Außerdem ist es so, daß wenn das Existente fruchtlos wäre, so gäbe es keine Basis für ein Vermuten, daß jene, die sich mit dem Existentseiendem oder auch dem Zustand des Schlafes oder auch dem Zustand der Aufgelöstheit, der Zerstörtheit der Welt verbunden haben, darin begeben haben oder auch davon überwältigt wurden, aus irgendeinem dieser Zustände [je] wieder herauskommen respektive erwachen respektive neu entstehen könnten. Oder jedoch, falls sie könnten, hätten wir doch unmittelbar die Möglichkeit, den Fall oder auch die Zufälligkeit [Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite: „Fall“ im Sinne einer Eröterung der diversen Fälle in der Mathematik; sowas wie in dem einen Intervall snd die Funktionswerte kleiner 0; in einem anderen größer 0 usw usf. Insofern im Sinne von Fallunterscheidung udgl und nicht im Sinne „Ein gefallener Engel“. Ende der Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite] befreiter Seelen, die wieder als eine seltsame, wundersame Naturbegebenheit ein [erneutes] Dasein, Vorhandensein sowie Leben erlangen und insofern jene Art von Realität wieder erlangen; dies ist so, weil auf der Basis dieser Hypothese, der Zustand, die Lage von Seelen, von Wesen, die im Absoluten Befreiung erlangten und der Zustand, die Lage, das Geflecht aus Bedingungen, Vorbehalten, Eigenschaften Jener. die in das Existentseiende hineingesogen wurden, sich mit der Zerstörtheit der Welt verbunden haben, sich darin begeben haben oder auch davon überwältigt wurden, ein- und daselbe wären und es da keinesfalls den Same oder auch die Ursache für eine zukünftige wundersame Naturerscheinung gäbe. Und wenn man, um dieses Argument zu entkräften, sagen täte, daß es der Same der Unwissenheit sei, der [sozusagen] im Feuer des Wissens weggebrannt werden müsse und dieser [Same der Unwissenheit] nicht vorhanden sei im Falle befreiter Seelen, befreiter Wesen und im Falle der anderen [nicht befreiter] Wesen da irgendein anderer Same für diese Dinge vorhanden wäre, so liefe bzw läuft man Gefahr zu beweisen, daß das Wissen (über das Ewige, Unveränderliche, nie Endende) keinerlei Nutzen habe bzw haben könnte für das Erlangen von Befreiung oder auch nicht nötig sei als Mittel zum Erlangen der Befreiung. [Anmerkung des Übersetzers: Würden, ohne davon etwas gehört gehabt zu haben, Buddha und Andere je danach in deren bewußt sowie gezielt danach strebender Art und Weise gesucht haben? Gesucht haben können? Ende der Anmerkung.]

 

  7. Basierend auf diesem Verständnis, wonach das Existentseiende schwanger ist mit dem Samen eines Lebens, das wie ein seltenes Naturphänomen wunderbarerweise ist [,oder auch anders formuliert, wonach das Existseiende als Frucht das, wie ein seltenes Naturphänomen wunderbarerweise seiende, Leben in sich trägt bzw beinhaltet], ist es dann einsichtig daß es in allen Schriften als Prana und Ursache der Dinge dargestellt sowie geschildert wird. Demgemäß geschieht es durch die Ausscheidung, Entfernung dieser Idee des Samens, daß es durch Sätze, wie „Er/das, worin das Objektive und Subjektive, das Unpersönliche und Persönliche Eins sind, ist ungeboren, ungeworden“¹, “Er/Es ist weder dies, noch jenes noch irgendetwas als was bzw womit wir ihn/es bezeichnen könnten, ihn/es rufen oder auch fordern könnten“ bezeichnend sowie bestimmend zum Ausdruck gebracht wird. Unser Autor wird sich getrennt sowie besonders mit dieser samenlosen Beschaffenheit, diesem samenlosen Zustand des Einen Selbstes, welches mit dem Begriff Prajna, es abgrenzend, bezeichnet wird, befassen; diese Bedingung, dieser Zustand sowie diese Beschaffenheit, welche bzw welcher das Vierte sowie Absolute ist, ist bar aller Beziehungen sowie Verwandtschaft wie Körper prāṇa usw und ist als solches, alleine für sich selber letztendlich und transzendenterweise wahr ist. Nun wird auch der Zustand unterschiedeloser Samenfülle, ebenso wie die anderen beiden [Zustände], im Körper erfahren werden und zwar in Form der [fiktiven] Idee des erwachten Menschen, was ihm sagt: „Solange fühlte ich [etwas] und wußte nichts“. Insofern heißt es, daß das Selbst einen drei-fachen Stand, eine 3-fache Stellung im Körper habe.

 

 

 

 

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Die Karikas des Gaudapada

 

 

3. Vishwa ist der/die Erfreuende grober Objekte, das sich grober Objekte Erfreuende; Taijasa der/die Erfreuende subtiler Objekte, das sich subtiler Objekte Erfreuende und Prajna ist der oder auch die oder auch das sich Erfreunde reiner (nicht verknüpfter, nicht an etwas gebundener, nicht mit etwas zusammenhängender) Freuden und Genüsse; solcherart sei hiermit die dreifache Freude, der dreifache Genuß des Selbsts im Körper zu verstehen gegeben, jawohl so ist das mit der dreifachen Freude des Selbsts im Körper.

4. Das Grobe, Plumpe stellt Vishwa durchaus zufrieden, das Schlaue, Feine [stellt] Taijasa [zufrieden] und reines Vergnügen stellt hingegen Prajna zufrieden; auf solche Weise solltet ihr die dreifache Zufriedenstellung, Beruhigung sowie Sicherheit des Selbsts im Körper verstehen.

Shankara: Die Bedeutung dieser beiden Verse wurde bereits erklärt und ist daher bekannt.

 

5. Betreffs jenes, dessen man sich in den drei Zuständen erfreut und jenes das der/die/das Erfreuende ist, ist folgendes zu sagen: Jemand der diese beiden als ein-und-dasselbe weiß bzw erkannt hat, sojemand erfreut sich in reiner, makelloser, schandloser Art und Weise und bekommt keine Makel, fügt sich keine Schande [mehr] zu.

Shankara: Jenes, dessen man sich in den drei Zuständen als grobe, plumpe beziehungsweise als schlaue, feine Gegenstände sowie Gegenüber erfreut beziehungsweise als das reine Vergnügen dessen man sich in den drei Zuständen - Wachen, Träumen als auch Schlafen - erfreut, sind Eines, ein-und diesselbe Sache bzw Angelegenheit auch wenn es in drei verschieden Aspekten, Anblicken erscheint, drei verschiedene Aspekte, Anblicke sowie Ansichten angenommen hat. ²) Und Jenes, was sich da unter den Namen von Vishwa, Taijasa und Prajna erfreut, wurde als Einseiend dargestellt, bezeichnet sowie zum Ausdruck gebracht; dies ist so, weil sie [ Vishwa, Taijasa und Prajna], einerseits vermöge der Wahrnehmung der Einheit durch das fortgesetzte Gefühl des „Dies bin ich, dies bin ich“ überall miteinander verbunden sind und, andererseits vermöge der Tatsache, daß die Natur der Wahrnehmung durchgängig ein Einsseiendes ohne jeglicher Unterschiede ist [überall miteinander verbunden sind]. Wer auch immer diese beiden als Einsseiendes weiß, das durchaus aufgeteilt ist in Vielheit durch den

 

 

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Die Upanishaden

 

Sinn dafür, daß man der sich Erfreunde ist oder auch das dessen man sich erfreut, an dem bleibt kein Makel infolge der Freude, des sich Erfreuthabens, weil das Subjekt der Freude ebenso universell überall das Eine ist und die/der [im konkreten Einzelfalle] sich Erfreuende ebenfalls nicht verschieden ist von dem, dessen man sich erfreute. Festzuhalten ist, daß unabhängig davon wer die oder auch der sich Erfreuende ist und was auch immer der Gegenstand der Erfreuung, des Entzückens, der Freude auch sein mag, sie bzw er dadurch nicht mehr noch weniger wird; es ist so wie im Falle von Feuer, wenn es seine Gegenstände in Form von Holz oder aber auch Brennflüssigkeit wie Petroleum verzehrte; es bleibt [und wird] weder kleiner noch wird’s größer als wie zuvor.

 

6. Es ist eine sichere, zuverlässige sowie unbestreitbare Entscheidung, daß alle Existenzen, die eine Geburt annehmen, bereits seiend sein müssen, dh daß es sie bereits gegegeben hat müssen. [Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite: Wenn etwas ganz Spezielles, Konkretes entstehen soll können, muß das doch zuvor bereits klar festgelegt sein und alleine schon insofern bereits existent sein. Ende der Anmerkung]; Prana bringt das Ganze dann zu einem wunderbaren, hervorragenden phänomenalen Erscheinen sowie Aussehen und Anschein; es ist dieser prāṇa oder auch puruṣa, der seine getrennten Strahlen von Bewußtsein entsendet. [und der  insofern  scheinbar auch wirklich außerhalb seiner selbst dann erscheint; vgl. das Purushalied, 10’tes Mandala, 90‘ter Vers.³]

Shankara: Alle Existenzen, alles was existiert oder auch zu existieren scheint, (eingeteilt nach Vishwa, Taijasa und Prajna) existieren bereits, sind bereits, d. h. daß es sie bereits  vorher gab und es lediglich aufgrund derer individuellen Beschaffenheit - deren Spezie - , derer Natur und einer Illusion von Name und Form, welche aus Unwissenheit heraus entsteht, geschieht bzw zu geschehen scheint, daß sie Geburt annehmen oder auch, mit anderen Worten gesagt, zu wunderbaren Existenzen werden. Es ist so wie der Verfasser später indertat feststellt: „Ein Sohn einer unfruchtbaren Frau wird nicht geboren - weder in der Realität noch als Täuschung.” Wäre das Entstehen des Nichtseinkönnenden, des Unmöglichen — das wäre etwas, das aus einem Nichts, einem Nichtseienden, einem Unmöglichen entstünde — möglich, gäbe es kein Mittel sowohl die Welt des Gebrauchs sowie des Behandelns als auch der Erfahrung zu fassen, zu greifen und danach zu streben; desweiteren würde das Ewige sowie der/die Ewige selbst zu einer Nicht-Wirklichkeit werden. Darüberhinaus haben wir

 

 

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Die Karakas von Gaudapa

 

Gesehen, daß die Schlange im Seil und andere Erscheinungen, die aus dem Samen der Illusion, der Täuschung sowie einem Blendwerk entstehen und welche Nicht-Wissen, Unwissenheit entspringen, durchaus in dem So-sein-wie-es-ist des Seils — oder auch in anderem Falle einem entsprechendem anderen Substratum — existiert sowie vorhanden ist.[Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite: Die Möglichkeit zu einer derartigen Täuschung existiert nunmal tatsächlich so wahr es das Seil bzw entsprechend Anderes nunmal gibt. Ende der Anmerkung.]  Dies ist so, weil die Schlange in dem Seil, die Schlange als welche das Seil, infolge von Täuschung, existieren kann und insofern existiert, die Täuschung5 und andere Sinnestäuschungen6 dieser Art7 von niemandem je erfahren werden, sofern es keine darunterliegende Schicht, keine weitere darunterliegende Wahrnehmungsebene gibt. Ebenso wie die Schlange [die Schlange für das ein Seil irrtümlich gehalten wird] vor ihrem Auftauchen, ihrem Erscheinen und insofern ihrem Existentwerden in dem Seil bereits als [Teil] ihres Soseins [wie sie ist] und insofern ihres “Selbsts”, als das Selbst des Seils existierte, so ist es [auch] mit dem Zur- -Welt-kommen, dem Geburt-Annehmen, dem Geborenwerden aller [dieser] wunderbaren, hervorragenden, jeweils einzigartigen phänomenalen Erscheinungen; sie existierten bereits als das Selbst des Samens der Dinge, welches man Prana nennt. Auch die Schriften besagen [dazu]: “Dieses Universum ist das Ewige, das nie Ende, das Unvergängliche”8, “Am Anfang war all dies Geist”9 . Das Prana läßt das Ganze, als verschiedene Strahlen von Bewußtsein, Geburt annehmen, prana läßt all das als getrennte Bewußtseinsstrahlen zur Welt kommen. — So wie die Sonnenstrahlen von der Sonne, so kommen diese Bewußtseinsstrahlen vom Purusha, welcher Chit, oder anders gesagt, bewußte Existenz ist und diese Bewußtseinsstrahlen sind in verschiedenen Körpern wie GöttInnen, Tieren, usw klar unterschieden unter dem Einfluß dreier verschiedener Mittel, um zur Erkenntnis zu erlangen sowie dreier verschiedener Gesichtspunkte, unter dem Einfluß der drei verschiedenden Lichter, nämlich Vishwa, Taijasa und Prajna; es ist so wie dieselben Reflexionen der Sonne bzw des Sonnenlichts an verschiedenen Wasser-Gebilden [Anmerkung des Verfassers dieser WEBSeite: wie von Sturm aufgewühltem See, ruhiger See, ruhigem Meer, wogendem Meer, ruhig dahin strömendem Fluß, Wildwasserfluß voller Stromschnellen jeweils auf ihre Weise klar aber auch als unterschiedlich erscheinen. Ende der Anmerkung.] zu sehen sind; sie [diese Bewußtseinsstrahlen] werden vom Purusha ausgesandt und, obwohl sie sich, entsprechend der getrennten Daseinsweise, der getrennten Existenzen, welche sich ihrem Handlungsbereich und Bereich des Sich Erfreuens entsprechend unterscheiden, so sind sie alle gleich, wie die Funken eines [,ein und desselben] Feuers, das gänzlich Jiva oder auch, anders ausgedrückt, bedingtes Bewußtsein ist. So bringt das Prajna oder auch, anders gesagt, das ursächliche Selbst, so wie die Spinne ihr Netz [aus sich selbst] hervorbringt, diese wunderbare, phänomenale Geburt all den anderen Daseinsformen, all den anderen Existenzen. Dazu bietet sich als Vergleich die Schrift an, die besagt: „So wie das Feuer Funken sprühen läßt.“

7. Einige, die sich mit der Ursache oder auch mit dem Grund der Schöpfung aber auch mit der Sache der Schöpfung als solcher befassen, denken, daß eine Allmächtige Kraft oder auch Macht der Ursprung und Grund der Dinge sei; andere wiederum stellen sich die Schöpfung als wie eine Illusion, ein Blendwerk, ein Trugbild oder auch eine Täuschung vor.

 

 

 

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Die Upanishaden

 

Shankara: Jene, die sich mit der Schöpfung befassen, meinen, daß die Schöpfung die es durchdringende Kraft und Macht sei und als solches die Erweiterung Gottes, ein Ausdehnen und eine Ausdehnung Gottes. Jene, die sich mit transzendentalen Wahrheiten befassen oder auch jene, welche transzendentale Wahrheiten betreffen¹º oder auch interessieren, beteiligen sich nicht an Betrachtungen, Forschungen oder auch Spekulationen über die Schöpfung. Dies ist so, weil wenn Menschen, die einen Magier sehen, der ein Seil in die Luft wirft und es bewaffnet sowie herausgeputzt hinaufklettert und der, nachdem er aus dem Blickfeld geklettert war, geschlagen und in Stücke zerhackt herunterfallt und dann [wieder] als Ganzes aufsteht, nämlich auch keine Untersuchung, betreffs der Illusion und deren Ursprungs anstellen und das Trugbild, betreffs all der Eigenschaften, [nunmal] nicht [zu] erforschen [pflegen].  Jawohl, die Entwicklung, die Bewegung von den Schlaf-, Traum- und Wachzuständen ist geradewegs so, wie die Selbstverlängerung des Magier's Seils und das Prajna, Taijasa und Vishwa, die selbst in den drei Zuständen innewohnend sind, sind jeweils wie des Magier's Hochklettern am Seil, wobei [jedoch offenkundig] der wirkliche Magier,  sowohl vom Seil als auch vom Kletterer, verschieden ist. So wie er unsichtbar und in Illusion verhüllt auf dem Boden steht, so ist es mit den wirklichen und transzendentalen Tatsachen, welche das Vierte genannt werden. Deshalb kümmern sich die arisch¹¹ Denkenden, die, welche Rettung, Erlösung sowie [wahre] Seligkeit anstreben um Diesen, sie interessieren sich dafür es geht für diese nicht um Spekulationen betreffs der Schöpfung, die für sie keine Wichtigkeit haben, wozu sie keine Lust verspüren oder auch wovon sie nicht betroffen sind. In diesem Sinne begreift der Verfasser, daß alle diese Theorien nur Einbildungen jener sind sowie lediglich der Einbildungskraft jener entspringen, die sich für den oder auch einen Ursprung der Schöpfung interessieren und [der Schreiber] fährt dann damit fort, daß von Anderen Schöpfung als etwas wie eine Illusion oder auch wie ein Traum sich vorgestellt werde .

 

8. Jene, die sich eine Vorstellung zum Thema der Schöpfung zurechtgelegt haben, sagen, daß es allein der Wille eines Herrn, der Wille Gottes sei; jene, die sich für Zeit interessieren oder auch von Zeit betroffen sind, denken, daß von der Zeit die Geburt der Geschöpfe käme.

Shankara: Schöpfung entspringt göttlichem Willen weil im höchsten Maße vortreffliche Ideen wahre Fakten sein müssen — Töpfe, usw sind einerseits nur ein Bild, aber auch eine Vorstellung, eine Idee und evtl. drückt das Wort eine Absicht aus und nicht mehr. Manche sagen, daß die Schöpfung das Ergebnis von Zeit sei.

 

 

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Die Karikas von Gaudapada

 

9. Andere sagen, daß es die Schöpfung für Genuß und Freude gäbe, andere sagen jedoch, daß die Schöpfung zum Spielen da sei oder auch als Spiel [als Art Zeitvertreib insofern]. Tatsächlich ist diese die ureigenste Natur Gottes; das trifft auf andere Theorien ebenfalls zu; Er/Sie hat alles was Er/Sie sich wünschen kann und wieso sollte er/sie nach irgendetwas eifrig begehren oder auch verlangen?

Shankara: Andere meinen, daß die Schöpfung für Genuß und Freude da sei oder auch zum Spielen bzw als Spiel da sei. Diese zwei Theorien werden durch die Zeile „dies ist die ureigenste Natur Gottes“ kritisiert. Es könnte jedoch auch sein, daß zur Theorie göttlich-himmlischer Natur Zuflucht genommen wird, um alle anderen Theorien durch das Argument zu kritisieren, wonach er/sie alles habe, was er/sie wünschen, begehren, verlangen oder auch erbitten könne und wozu er/sie keinerlei Grund habe, eifrig zu begehren, zu verlangen oder auch etwas zu erflehen? Es kann nunmal für das Erscheinen der Schlange oder dergleichen im Seil oder auch in einer anderen Substanz kein Grund angeführt oder auch zitiert werden als wie die wahre, ureigenste Natur, das Nunmal-sosein-was-es-ist von Nichtwissen, von Unwissenheit.

 

10. Das Selbst, das was als das Vierte bezeichnet wird, ist das die Meisterschaft Habende oder auch der/die MeisterIn betreffs des Aufhörens aller Übel und Schanden, der Starke Herr oder auch die Starke Herrin und unvergänglich, das auch nicht für nur 1 Sekunde etwas anderes Seiende als das Eine aller Existenzen, sowie allen Existentseienden, das Strahlende, das Glänzende Eine, das alles durchdringt.

 

Shankara: Das, was als das Vierte bezeichnet wird, ist das die Meisterschaft Habende betreffs des Aufhörens aller Übel und Schanden, welche, aufgrund ihrer jeweiligen Natur und dem was diese bedingt, Prajna, Taijasa und Vishwa so alles mit sich bringen bzw mit sich bringen könn(t)en. Der Ausdruck der starke Herr oder auch die starke Herrin ist eine Bezeichnung für Meisterschafthabendes Wesen; er schließt ein sowie deutet an, daß seine Stärke und Herrschaft sowie Herrlichkeit in Beziehung stehen zum Aufhören von Übeln und Schanden; dies ist so, weil

 

 

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Die Upanishaden

 

Das Aufhören von Übeln und Schanden von Dessen Wissen herrührt und sich ergibt. Unvergänglich, weil Es nicht vergeht, nicht verfließt noch verscheidet, weder umherschweift noch sich verirrt und auch weder abreist noch weggeht, noch Jemanden, noch etwas verläßt; das ist so aufgrund dessen wesentlicher, ureigenster, eigenen Natur. Wie kann das sein? Dies liegt daran, daß es, das Eine ohne eine Sekunde ist, das auch nicht für nur 1 Sekunde etwas Anders ist als das Eine und (insofern) geschuldet der  Eitelkeit¹ Fußnote von Sri Aurobindo und Nichtigkeit aller phänomenaler, wunderbarer und hervorragender Existenzen sowie allem phänomenalem, wunderbarem und hervorragendem Existent-Seiendem. Es wird auch Gott genannt, das Scheinende Eine - wegen dessen Strahlen und Glänzen - , das Vierte und Das - oder auch Der/Die - das (der/die) durchdringend ist, überall ist sowie überall Existensein hat.

 

11. Vishwa und Taijasa werden anerkanntermaßen von Ursache und Wirkung beherrscht. Prajna ist nur von sowie an Ursache gebunden; betreffs dieser Beider besteht die gesicherte Auffassung, daß sie im Vierten nicht existieren.

Shankara: Die allgemeinen und besonderen Eigenschaften von Vishwa und der anderen Beiden werden nun bestimmt, aufdaß das wahre Selbst des Vierten klar wird. Eine Wirkung, etwas das gemacht oder auch getan wird, hat etwas Existierendes, eine Existenz als Ergebnis. Eine Ursache, welche etwas hervorbringt bzw macht oder auch tut bzw veranlaßt, ist Existenz der Art eines Samens, samenförmige Existenz.

Es besteht Einvernehmen darüber, daß, einerseits aufgrund von mangelndem Begreifen sowie Verstehen aber auch Wahrnehmung und andererseits infolge von Mißverständnis betreffs der Wahrheit, die vorerwähnten Vishwa und Taijasa, einerseits infolge der Existenz und andererseits nur durch Existenz in Samenform, begrenzt sowie gebunden sowie eingesperrt sind. Dies zeigt sich daran, daß der Samen-Zustand, der einzig im Nicht-Erwachen der Wahrheit (und nicht in fehlerhaftem Lesen betreffs Diesem) liegt, die Ursache des Zustandes des Prajna ist. Daher gilt für diese Beiden, für Existenz als Ursache und Existenz als Folge sowie Ergebnis von Mangel an Begreifen sowie Verstehen aber auch Wahrnehmung und Mißverständnis, die Auffassung, daß sie auf das Vierte nicht anwendbar sind sowie betreffs des Vierten keine Rolle spielen, was heißt, daß sie nicht existent sind und Diesem nicht widerfahren können.

 

12. Prajna erkennt mitnichten, weder sich selbst noch Andere bzw Anderes, weder

 

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¹ Fußnote von Sri Aurobindo Falschheit, Unwahrheit, Lüge.

 

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Die Karikas von Gaudpada

 

Wahrheit sowie Wahrsein noch Falschheit sowie Falschsein; Das Vierte sieht [und erkennt, durchschaut sowie weiß insofern] für immer alles.

Shankara: Aber wie kann es dann sein, daß Prajna von Ursache begrenzt sowie gebunden wird, wohingegen es betreffs des Vierten heißt, daß im Vierten die zwei Arten der Begrenzheit sowie Bindung, die einerseits durch mangelndes Begreifen sowie Verstehen aber auch lückenhafte, beschränkte Wahrnehmung der Wahrheit und andererseits infolge von Mißverstehen der Wahrheit entstehen, unmöglich seien? Dies liegt daran, daß Prajna diese Dualität eines äußeren Universums, nicht einmal als aus Unwissenheit heraus oder auch vom Selbst als verschieden bedingt, erkennt; so ist es [Prajna], so wie Vishwa und Taijasa, begrenzt sowie gebunden durch einerseits mangelndes Begreifen sowie Verstehen aber auch lückenhafte, beschränkte Wahrnehmung der Wahrheit; begrenzt und gebunden durch jene Dunkelheit, welche zum Samen der Mißverständnisse wird; und weil das Vierte alle Dinge für immer verblendet. Dies ergibt die Feststellung, daß nichts, außer dem Vierten, wirklich existiert; Es ist, alles sehend was ist, notwenigerweise jederzeit allwissend und allerkennend und dies für immer; in ihm kann der Samenzustand, dessen bedingende Eigenschaft mangelndes Begreifen sowie Verstehen aber auch lückenhafte, beschränkte Wahrnehmung der Wahrheit ist, auch nicht möglicherweise existieren. Natürlicherweise ergibt sich Abwesenheit von Mißverständnissen, welche aus mangelndem Begreifen sowie Verstehen aber auch lückenhafter, beschränkter Wahrnehmung natürlicherweise entspringen. Die Sonne ist aufgrund seiner Natur stets erhellend und beleuchtend und Nicht-Erhellen sowie Nicht-Beleuchten oder auch ein falsches Licht auf etwas zu werfen, als Gegenteil zu dessen eigener Natur, kann ihm nicht widerfahren; und dieselbe Gedankenkette, derselbe Zug des Argumentierens ist anwendbar auf die Allwissenheit [des Sehers] bzw bietet sich dafür an. Die Schriften besagen dazu: „Betreffs und für das Sehen des Sehers gibt es keine Vernichtung". Als weitere Argumentationsmöglichkeit besteht folgendes: Im Wach- und ebenso im Traumzustand, welcher in allen Lebewesen, in allen Kreaturen innewohnend ist, dh den es in allen Lebewesen gibt, gibt es das Licht oder auch die Reflexion wodurch sich ihnen [allen Lebewesen sowie Kreaturen] alle Objekte als sichtbare, erkennbare Objekte oder auch Gegenüber darbieten, darstellen oder auch zeigen; in diesem Sinne sowie auf diese Weise ist der Seher aller Dinge sowie Gegenüber ebenfalls für immer, unvergänglich, ewig. Die bzw eine Schrift besagt: „Es gibt nichts sonst als Dieses das sieht.“

¹²

 

 

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Hinweis: Wörter, die im Manuskript [von Sri Aurobindo] unterstrichen wurden, werden hier im Schrägdruck wiedergegeben.

 

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[Hier endet die Mandukya-Upanishad mit Shankara's Kommentar gemäß Sir Aurobindo's Übersetzung ins Englische.]

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Übersetzung ins Deutsche vom Verfasser dieser WEBSeite; übersetzt wurde ein englischsprachiger Text (ohne dazu irgendwie autorisiert worden zu sein und insofern nicht im Auftrag von Shri Aurobindo  oder sonst Jemandem) aus:

Shri Aurobindo, The Upanishads, texts, translations and commentaries, Govt. College Libraries. Kota (Raj.).

Volume 12, Sri Aurobindo Birth Centenary Library - Popular Edition, © Sri Aurobindo Ashram Trust, 1972, Published by Sri Aurobindo Ashram Pondicherry, Reproduced at the All India Press, Pondicherry, India.

 


¹) Betreffs Sri Aurobindo's Hinweis auf "Deussen’s „System des Vedanta", sei hier erwähnt:

Deussen, Prof. Dr. Paul, "Das System des Vedânta nach den Brahma-Sûtras des Bâdarâyana und dem Commentare des Çañkara über dieselben als ein Kompendium der Dogmatik des Brahmanismus vom Standpunkte des Çañkara", dargestellt von Dr. Paul Deussen, Professor an der Universität Kiel, zweite Auflage, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1906; (gibt es auch in "Classical Reprint Series", Forgotten Books, 2018, ISBN 978-1-332-35463-4).

 

 In Ergänzung zu dem Buch von Prof. Deussen. worauf Sri Aurobindo auf Seite 426 hinweist, sei auch noch das - weiterführende Buch dazu von Professor Deussen erwähnt, das es ebenfalls in diversen Reprint-Ausgaben gibt; zB.:

Deussen, Professor Dr. Paul, "Die Sutras des Vedanta, oder die Carika-Mimansa des Badarayana nebst dem vollständigen Commentare des Cankara", aus dem Sanskrit übersetzt von Paul Deussen, Forgotten Books, ISBN 978-1-390-98573-3, Reprint der zweiten Auflage, 1920, F.A. Brockhaus, Leipzig.

 

(auch in www. archive.org sind diese Bücher Online lesbar; www. forgottenbooks.com bietet diese Bücher auch als PDF-Dateien an; im Gastzugang sind einige der Seiten dann nicht lesbar.)

 

Orginale diese Bücher sind beispielsweise auch in der Bayerischen Staatsbibliothek (www. bsb-muenchen.de) verfügbar.

 

²) Betreffs einiger dieser Systeme siehe Allgemeine  Geschichte der Philosophie, Bd I.3., Prof. Dr. Paul Deussen.

siehe auch (in dieser WEBSeite): Die Systeme indischer Philosophie

 

³) Das Purushalied X,90:

 

a) in der Übersetzung von Leopold von Schroeder:

 

Bei Leopold von Schroeder findet man dieses Lied X,90 in der fünfzehnten Vorlesung:

>>

 

 

 

 

 


- 214 -

...

und wird wegen seines Inhalts später unter die Upanishaden gerechnnet, wird selbst nahezu eine Upanishad genannt. Es ist das sog. Purushasûkta oder das Lied vom Purusha.

...

- 215 -

Das Lied lautet folgendermaßen (RV, X, 90)1:

 

1. Der tausendköpfige Purusha, der tausendäugige, tausendfüssige, die Erde von allen Seiten bedeckend ragte er noh um zehn Finger darüber hinaus.

 

2. Purusha ist dies All, was da war und was da sein wird; auch über die Welt der Unsterblichen ist er Herr, die durch (Opfer-)Speise gross wächst.

 

3. So gross ist seine Grösse, und noch grösser ist Purusha; ein Viertel von Ihm sind alle Geschöpfe, Drei Viertel von Ihm ist die Welt der Unsterblichen im Himmel.

 

4. Mit drei Vierteln ging Purusha aufrecht empor; ein Viertel von ihm aber blieb hier; dauf vertheilte er sich nach allen Seiten, in das was Speise geniesst und was keine Speise geniesst.

 

5. Aus ihm ward geboren Virâj,² aus Virâj aber der Purusha; als er geboren war, da ragte er über die Erde hinaus, hinten und auch vorne.

 

6. Als die Götter das Opfer zurichteten mit dem Purusha als Opfergabe, da war der Frühling dabei die Opferbutter, der Sommer das Brennholz, der Herbst die Opfergabe.

 

7. Sie beträufelten das Opfer auf der Opferstreu, den Purusha, der zu Anfang geboren war; mit opferten die Götter, die man sich geneigt machen soll, und die Ṛishi‘s..

 

8. Aus diesem vollständig dargebrachten Opfer ward bereitet das gesprenkelte Opferschmalz; er schuf die Tiere der Luft und die in Wäldern und Dörfern leben (die wilden und zahmen),

 

9. Aus diesem vollständig dargebrachten Opfer wurden erzeugt die Lieder des Ṛigveda und die des Sâmaveda; aus ihm wurden erzeugt die Zauberlieder; ³ aus ihm entstand der Yajurveda.

 

10. Aus Ihm entsprangen die Rosse und alle Thiere, die mit zwei Zahnreihen versehen sind.: aus ihm entsprangen diek Rinder, aus ihm die Ziegen und Schafe.

 

11. Als sie den Purusha vertheilten, wievielfach haben sie ihn da umgestaltet? Was war sein Mund, was seine Arme, was nennt man sein Schenkel und Füsse?

 

12. Der Brahmane war sein Mund, aus seinen Armen wurde der Râjanya gemacht; seine Schenkel, das ist der Vâiçya; aus den Füssen entsprang der Çûdra.

 

13. Der Mond entsprang aus seinem Geiste, aus seinem Auge ward die Sonne geboren; aus dem Munde wurden Indra und Agni, au dem Athem der Wind geboren.

 

14. Aus dem Nabel ward der Luftraum, aus dem Kopfe enstand der Himmel, aus den Füssen die Erde, aus dem Gehör die Himmelsgegenden; so bildeten sie die Welten.

――――――

1 Mit unbedeutenden Varianten auch VS 31, 1 flg.

² Virâj d.i. “Herrscher” oder “Herrscherin”, ein bestimmtes mystisches, kosmogonisches wesen; vgl das Petersb. Wörterbuch s.v. virâj.

³ D.h. wohl Atharvaveda (im Text chandâṃsi).

 

 

- 216 -

 

15. Sieben Paridhi-Hölzer waren da, dreimal sieben

Brennhölzer bereit, als die Götter das Opfer ausführend den Purusha als Opferthier anbanden.

 

16. Durch Opfer opferten die Götter das Opfer, das waren die ersten Satzungen.Sie die Erhabenen gelangten zu dem Firmament, wo die alten Götter weilen, die man sich geneigt machen soll.

 

 

 

Sie sehen hier also eine phanatastischen Schöpfungsmythus, der uns in gar mancher Hinsicht an jene kosmogonischen Legenden des Yajurveda erinnert. So verschroben und wunderlich hier auch manches sein mag, deutlich tritt imerhin der Gedanke der Emanation hervir. Ein Urwesen gabe es; aus dessen verschiedenen Teilen wurde Alles, was da ist, die Welt der Unsterblichen und Sterblichen,Ṛigveda, Sâmaveda, und Yajurveda, der Brahmane, der Râjanya, der Vâiçya und Çûdra; Mond und Sonne, Himmel und Erde, Wind und Luft, Indra und Agni, Menchen und Thiere.1 Und es stört den Dichter nicht der Widerspruch, dass er die Götter, die doch nur ein Theil des Urwesens sein sollen, doch wiederum handelnd bei der Opfertheilung diser mystisch-kosmogonischen Potenz auftreten lässt.

 

Dieser Purusha, das Urwesen, erscheint wiederholt in den späteren Philosophthemen und zwar in ganz vergeistigter, abstracter Form. Purusha heisst später geradezu der Urgeist.

 

Man bemerke speziell auch noch die Wendung in Vers 5: „Aus ihm ward geboren Virâj,² aus Virâj aber der Purusha; als er geboren war, da ragte er über die Erde hinaus, hinten und auch vorne.“

 

Dieser Virâj, übrigens meist als Femininmum erscheinend „Herrscher“ oder „Herrscherin“ ist auch seine solche kosmogonische Potenz, ein der Speculation angehöriges göttliches Wesen, ...

 

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Siehe Seite 212 bis 225 in "Indiens Literatur und Cultur in historischer Entwicklung", ein Cyclus von fünfzig Vorlesungen von Dr. Leopold von Schroeder, Docent an der Universität Dorpat. Leipzig, Verlag von H. Haessel, 1887

 

 

b) Übersetzung von Professor Dr. Paul Deussen:

Man findet auch eine Übersetzung desselben auf den Seite 8 bis 10 in dem Buch: „Geheimlehre des Veda - ausgewählte Texte der Upanishad’s“ aus dem Sanskrit übersetzt von Dr. Paul Deussen, o.Prof. der Philosophie an der Universität Kiel, fünfte Auflage, Leipzig F.A. Brockhaus, 1919:

 

 

 

>>

 

 

 

Der Purusha (Urmensch) als Weltschöpfer.

Ṛigveda 10,90.

 

 

1. Der Purusha mit tausendfachen Häuptern,

Mit tausendfachen Augen, tausend-Füßen

Bedeckt ringsum die Erde allerorten,

Zehn Finger hoch noch drüber hin zu fließen. .

 

2. Nur Purusha ist diese ganze Welt,

Und was da war, und was zukünftig währt,

Herr ist er über die Unsterblichkeit, ―

Diejenige, die sich durch Speise nährt.

 

3. So groß ist diese, seine Majestät,

Doch ist er größer noch als sie erhoben;

Ein Viertel von ihm alle Wesen sind,

Drei Viertel von ihm sind unsterblich droben.

 

4. Drei Viertel von ihm schwangen sich empor,

Ein Viertel wuchs heran in dieser Welt,

Um auszubreiten sich als alles, was

Durch Nahrung sich und ohne sie erhält.

 

5. Aus ihm, dem Purusha, ist die Virâj,

Aus der Virâj der Purusha geworden;

Geboren überragte er die Welt

Nach vom, nach hinten und an allen Orten.

 

6. "Als mit dem Purusha als Darbringung

Ein Opfer Götter angerichtet haben,

Da ward der Frühling Opferschmalz, der Sommer
Zum Brennbolz und der Herbst zu Opfergaben.

 

 

 

_____________________________________________

9

Der Purusha (Urmensch) als Weltschöpfer:

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7. Als Opfertier ward auf der Streu geweiht

Der Purusha, der vorher war entstanden,

Den opferten da Götter, Selige
Und Weise, die sich dort zusammenfanden.

 

8. Aus ihm als ganz verbranntem Opfertier

Floß ab mit Schmalz gemischter Opferseim,

Daraus schuf man die Tiere in der Luft

Und die im Walde leben und daheim.

 

9. Aus ihm als ganz verbranntem Opfertier

Die Hymnen und Gesänge sind entstanden,

Aus ihm auch die Prunklieder allesamt,
Und was an Opfersprüchen ist vorhanden.

 

10. Aus ihm entstammt das Roß, und was noch sonst

Mit Schneidezähnen ist auf beiden Seiten,

Aus ihm entstanden sind die Kuhgeschlechter,

Der Ziege und der Schafe Sonderheiten.

 

11. In wieviel Teile ward er umgewandelt,

Als sie zerstückelten den Purusha?
Was ward sein Mund, was wurden seine Arme,

Was seine Schenkel, seine Füße da?

 

12. Zum Brâhmaṇa ist da sein Mund geworden,

Die Arme zum Râjanya sind gemacht,

Der Vaiçya aus den Schenkeln, aus den Füßen

Der Çûdra damals ward hervorgebracht.

 

13. Aus seinem Manas ist der Mond geworden,

Das Auge ist als Sonne jetzt zu sehn,

 

 

 

________________________________________________

10 Die Âtmanlehre in den Hymnen und Brâhmaṇa's.

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Aus seinem Mund entstand Indra und Agni,

Vâyu, der Wind, aus seines Odems Wehn.

 

14. Das Reich des Luftraums ward aus seinem Nabel,

Der Himmel aus dem Haupt hervorgebracht,

Die Erde aus den Füßen, aus dem Ohre

Die Pole, so die Welten sind gemacht.

 

15. Als Einschlußhölzer dienten ihnen sieben,

Und dreimal sieben als Brennhölzer da,

Als, jenes Opfer zurüstend, die Götter

Banden als Opfertier den Purusha.

 

16. Die Götter, .opfernd, huldigten dem Opfer,
Und dieses war der- Opferwerke erstes;

Sie drangen mächt'gen Wesens auf zum Himmel, · Da wo die alten, seligen Götter weilen.

 

 

<<

 

 

 

siehe: „Geheimlehre des Veda - ausgewählte Texte der Upanishad’s“ aus dem Sanskrit übersetzt von Dr. Paul Deussen, o.Prof. der Philosophie an der Universität Kiel, fünfte Auflage, Leipzig F.A. Brockhaus, 1919, Seiten 8 bis 10

 

) Das Lied vom Spieler, Rigveda X,34:

Bei diesem Lied aus dem Rigveda bestehen offenbar unmittelbare Bezüge zum Thema Täuschung, Illusion, Blendwerk, Verblendung, Trugbild, Unwissenheit und Wahn.

>>

...

320

...

Die braunen Nüsse des hohen Vibhīdaka-Baumes wurden als Würfel gebraucht, der Maudschavater Soma scheint eine vorzügliche Somasorte gewesen zu sein (Vers 1). Die Zahl 53 (in V.8) mag sich etwa auf die Augen der Würfel beziehen.

 

1. Die hüpfenden aus luft'gem Wipfel stammend

berauschen mich, wenn in der Bahn sie rollen,

 

321

Wie der Genuss des Maudschawater Soma's

dünkt lustig des Vibhīdakabaumes Nuss mir.

 

2. Nie reizte mich, noch zürnte mir die Gattin,

sie war mir hold, mir selbst und meinen Freunden;

Des Würfels halb, der durch ein Aug' entscheidet,

verstiess ich die mir treuergebne Gattin.

 

3. Mich hasst die schweiger, mich verlässt die Gattin, und der bedrängte findet kein Erbarmen;

Auch find' ich nicht, wozu der Spieler nutze,

gleich wie ein Ross, das theuer, aber alt ist.

 

4. Von andern wird umarmt des Spielers Gattin,

nach dessen Gut der rasche Würfel trachtet;

Und Vater, Mutter und die Brüder sagen:

Wir kennen nicht ihn, führt ihn fort gebunden.

 

5. Und wenn ich denk': nicht will ich ferner spielen,

so weichen von mir alle meine Freunde;

Und hör ich dann die braunen Würfel fallen,

so eil' ich wie zum Selldichein die Buhle.

 

6. Ins Spielhaus geht der Spieler voll Begierde,

"Heut sieg' ich", spricht er auf sich selbst vertrauened;

Die Würfel steigern höher sein Begehren,

was er gewonnen, setzt er ein dem Gegner.

 

8. Es tummelt sich die Schar der dreiundfünfzig,

wie Savitar, der Gott, die Ordnung wahrend,

Sie weichen nicht dem Zorn auch des gewalt'gen,

ein König selbst muss sich vor ihnen beugen.

 

9. Sie rollen nieder, springen in die Höhe,

und handlos zwingen sie den handbegabten,

Als Zauber-Kohlen auf die Bahn geworfen

versengen sie das Herz, obwol sie kalt sind.

 

10. Verlassen grämt des Spielers Weib sich einsam,

die Mutter um den Sohn, wo mag er schweifen?

Verschuldet, angstvoll und nch Gut verlangend

geht er zur Nacht in andrer Leute Wohnung.

 

11. Es schmerzt den Spieler, wenn er nur ein Weib sieht,

die Gattin und den schönen Heimsitz andrer;

Die braunen Würfel schirrt er früh am Morgen,

und spät am Feuer sinkt er kraftlos nieder.

 

12. Ihm, der der Führer eurs grossen Heeres

und erster König ist der ganzen Bande,

Dem will ich meine Gaben nicht versagen,

die Finger streck' ich aus, beschwör' als wahr es.

 

GRASSMANN, Rig-Veda, II. 21

 

 

322

X,35

 

13. "Gib auf das Spiel, und pflüge deinen Acker,

geniesse, was du hast und halt's in Ehren,

Dann Spieler, kommst zur Gattin du, zu Heerden",

So spricht zu mir Gott Savitar, der treue.

 

14. So schliesst denn Friede und erbarmt euch meiner,

ergreift mich nicht mit eurem grausen Zauber;

Es weiche eure Wuth nun eure Feindschaft,

der Würfel Macht erliege nun ein andrer.

 

(7. siehe Anhang)

...

<<

 

>>

...

860,7 Vers 7, der ein anders Versmass hat und den Strophenbau stört, scheint später eingeschoben zu sein (GKR.).

 

7. Die Würfel sind anhakend und sich einbohrend, knechtend,brennend, marternd, nur kurzes Glück gewährend, den Sieger dann wieder schlagend; und doch mit Süssigkeit vermischt durch Bezauberung des Spielers.

...

<<

The Asiatic Society of Bombay, Town Hall, Bombay, Digitized with financial assistance from the Goverment of Maharashtra on 18 July, 2018.

"RIG-VEDA" übersetzt und mit kritischen und er erläuternden Anmerkungen versehen von Hermann Grassmann, Professor am Königl.Marienstifts-Gymnasium zu Stettin; in zwei Theilen, Zweiter Theil, Sammelbücher des RIG-Veda, erstes, neuntes und zehntes Buch, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1877., Seiten 320-322 und Anhang

 

 

b) Moriz Winternitz:

 

     >>
     

Die

Litteraturen des Ostens

in Einzeldarstellungen

...

Neunter Band

 

Geschichte der indischen Litteratur

von

Dr. M. Winternitz

Professor an der deutschen Universität in Prag

Erster Band

 

 

Zweite Ausgabe

Leipzig

C.F. Amelangs Verlag

1909

     <<  
          

auf den Seiten Seite 97 und 98:

       "
    

 

 

...

Das schönste aber unter den nicht-religiösen Gedichten der

Rigvedasammlung ist das Lied vom Spieler, Rv. X, 34. Es ist das Selbstgespräch eines reuigen Sünders, der durch seinen unwiderstehlichen Hang zum Würfelspiel sein Lebensglück zerstört hat. In ergreifenden Versen schildert der Spieler, wie ihn die Würfel um sein Familienglück gebracht haben:

    

              

>>
    

 

 

Mein Weib hat nie mich aufgereizt, gescholten.

Sie meint es gut mit mir und meinen Freunden;

Obschon sie treu war, stieß ich sie doch von mir

Dem Würfel, der mir alles gilt, zuliebe.

 

Nun haßt die Schwieger, weist mich ab die Gattin,

Des Spielers Klagen finden kein Erbarmen;

Ich weiß auch nicht, wozu ein Spieler gut wär’,

So wenig als ein treuer Gaul im Alter.

 

Nach seinem Weibe greifen fremde Hände.

Indes mit Würfeln er auf Beute auszieht.

Der Vater, Bruder und die Mutter rufen:

Wer ist der Mensch? Nur fort mit ihm in Banden!

              <<

 
      

 

 

Aber auch die unheimliche Macht der Würfel wird in kräftigen Worten geschildert:

    

               >>
    

 

 

Und sag’ ich mir: ich will nun nicht mehr spielen,

So lassen mich im Stich die Freunde alle;

Doch hör’ ich wieder braune Würfel fallen,

So eil’ ich wie zum Stelldichein die Buhle.

             <<

 
    

  

Und von den Würfeln heißt es:

    

                        >>
    

 

Sie sind wie Angeln, die sich bohren in das Fleisch,

Betrüger sind sie, brennen, quälen, peinigen;

Nach kurzem Glücke rauben sie den Sieger aus,

Dem Spieler sind sie dennoch süße Herzenslust.

Sie rollen nieder, hüpfen in die Höhe,

Und ohne Hände zwingen sie die Fäuste.

Die zauberhaften Kohlen auf dem Plane

Versengen jedes Herz, obwohl sie tot sind.

     <<

 
    

 

Und so sehr er auch sein Schicksal bejammert, so fällt er doch immer wieder in die Gewalt der Würfel:

    

                 >>
    

 

 

Verlassen, grämt des Spielers Weib sich einsam,

die Mutter, weil der Sohn - wer weiß, wo - umirrt.

Er selbst verschuldet geht voll Angst auf Diebstahl,

Verbirgt zur Nacht sich unter fremden Dache.

Ein Weh ergreift ihn, wenn er sieht die Gattin

Und wohlbestellte Heimat eines andern.

Am frühen Morgen schirrt er schon die Braunen ¹),

Erlischt das Feuer, sinkt der Wicht zusammen.²)

...

 

---------------------

¹) D.h. er beginnt mit den braunen Würfeln zu spielen.

²) Übersetzung von K.Geldner in 'Siebzig Lieder des Veda', S.158 ff.

...

 

     <<

"

(siehe in den Seiten 97 und 98 in [41])

 

Soweit das Zitat aus dem Buch von Prof. Moriz Winternitz.

 

 

 

c) Die Übersetzung von Leopold von Schroeder:

"Das Lied vom Spieler" aus dem Rigveda (X,34) wurde auch von Leopold von Schroeder ins Deutsche übersetzt; es ist zu finden in seinem Werk "Mysterium und Mimus im Rigveda", erschienen 1908, H. Haessel-verlag in Leipzig auf den Seiten 392 bis 394. Schon auf etlichen vorherigen und folgenden Seiten betrachtet Leopold von Schroeder ausgiebig die Themen Spiel, Spieleidenschaft im alten Indien und deren Ergebnissen bis hin zur Spielsucht:

 

       >>   
      

...

RV 10,34

D e r u n g l ü c k l i c h e S p i e l e r (tritt auf und klagt):

1.Die Würfel, hoch auf luft'gem Baum geboren,

berauschen mich, hier in der Grube rollend!

Wie der Genuß des berggeboren Soma

Gefällt mir der aufregende Vibhidaka. ¹)

2. Sie zankte nie mit mir, nie war sie zornig.

Nein, freundlich war sie mir und den Genossen!

Des Würfels wegen, der um eines zu viel war, ²)

Hab' ich mein treu ergeb'nes Weib verstoßen!

3. Nun haßt die Schwieger mich, mein Weib verstößt mich,

Nicht findet der Bedrängte noch Erbarmen;

Gleichwie ein Roß, das theuer, aber alt ist, ³)

So bringt der Spieler wahrlich keinen Nutzen.

4. Andre umarmen nun das Weib des Mannes,

Nach dessen Gut der rasche Würfel gierte; )

Vater und Mutter, alle Brüder sprechen:

Nicht kennen wir Ihn! Führt in fort in Banden!

...

 
       <<  
     

 "Mysterium und Mimus im Rigveda", von Leopold von Schroeder, erschienen 1908, H. Haessel-verlag in Leipzig auf den Seiten 392 bis 394 

 

 

Als Teil des Rigveda warnt dieses Gedicht einerseits zweifelsohne vor falschen Wegen, vor Verirrung bei der Suche nach dem Selbst, dem Ātman, dem Brahman, dem Nirvana.

Es gibt einem „Wahrheitssucher“ auch einige Kriterien zur Hand, um selbst feststellen zu können, ob er noch auf einem akzeptablen Weg oder eher schon einer Spielsucht verfallen ist.

Insofern kann's am Rigveda nicht liegen, wenn "Wahrheitssucher" - ohne es zu beabsichtigen, entgegen Versprechungen irgendwelcher Gurus & co - mehr und mehr in Versagen, Armut, Alleinsein, Verzweiflung usw geraten.

Wer vom Veda ausgeht und die Veden als letzte Instanz, als maßgeblich betrachtet, kommt eben nicht umhin, auch diesem Vers dann "Wahrheit" zu zubilligen und Ihm gerecht werden zu haben, nicht umhin zu kommen. Wahrheitssuche, die daran vorbeizumogeln sich versucht, ergibt offenbar keinen Sinn. (Formal hat man da eine logische Vereinigungskette von Aussagen, die evtl alle falsch sein könnten und dann wird aber auch noch per des logischen „oder auch“ die wahre Aussage dieses, „das Lied vom Spieler“ hinzugefügt. Dieses „Lied vom Spieler“ ist nunmal so, daß es ein „Nein, so will ich nicht enden“, „nein, das wäre falsch, es zu machen wie der Spieler, den dieses Lied da beschreibt“, „Das ist doch klar, daß das falsch wäre, es dem Spieler nachzumachen“ , ein „Nein dazu! Da habe ich sicher recht!“ und insofern ausdrückt: „Nein zum Falschen ist wahr.“

(Formal ist dann diese Kette aus „möglicherweise wahren oder aber eventuell auch falschen Aussagen – den einzelnen Versen des Rigveda -“ (wobei alle Einzelaussagen per „oder auch“ miteinander verknüpft werden) ergänzt per „Nein zum Falschen ist wahr.“(… und ergänzt heißt dabei: abermals per „oder auch“ verbunden …) eine jedenfalls wahre Gesamtaussage.

Aus einer wahren Aussagen kann – bei korrektem Schlußfolgern – immer nur eine wahre Aussage dabei herauskommen und so hat man da in diesem Sinnen eine „wahre Basis“.

In diesem Sinne wird vermutlich von echten Experten in indischer Philosophie stets betont, daß die Lehren aus dem „Shastra“ (in dessen Ganzheit) zu schlußfolgern seien.)

Andererseits, warnt es davor, sein Leben zu vergeuden und zB zu leben gemäß "Nach mir die Sintflut, nach diesem Leben ist alles vorbei und also laß mich genießen was das Zeugs hält und ob die Welt dabei zugrunde geht, was geht dies mich an, solange sie noch so lange hält, als ich hier in dieser Welt nunmal lebe."

Zumindest sollte man nach einer guten, sorgsamen Ausbildung das Erlernte für das Gute in der Welt anwenden und nicht wie ein "Spieler" mit der Welt umgehen.

(Siehe Vorträge aus Sringeri Math.:


Benedictory discourse of Jagadguru

Shankaracharya Sri Sri Sri Vidhushekhara Bharati Sannidhanam,

Daksihnamnaya Sri Sharada Peetham, Sringeri

Vortrag vom 25.7.2020, 

28th Vardhanti - Anugraha Bhashanam of Jagadguru Sri Sannidhanam

 

Siehe: https:/ /www.youtube.com/watch?v=3UV0VAdFbpg&feature=emb_logo)

Auch Buddha lehrte nunmal durch "gutes Leben und gute Werke" die Chancen für's nächste Leben zumindest zu verbessern. Lebend wie "der Spieler", verließe einen früher oder später das Glück und jene Abwärtsspirale träte ein, welche selbst in späteren Leben Unglück mit sich bringen könnte oder auch definitiv brächte.

So wird das "Lied vom Spieler" nunmal auch in solchem Sinne zu betrachten und verstehen sein.

 

5)Betreffs Täuschung

Täuschen kann man sich und Andere nunmal auch im Bereich des Geistes und intellektueller Vorgehensweisen.

Da wären, banalerweise, zu erwähnen "Justizirrtümer", fehlerhaft ausgefüllte Formblätter mit nachfolgenden andauernden Folgen für Betroffene.

Da würde nunmal oftmals für die Opfer solcher Justizfehler so manches zum Besseren hin gewendet werden können, indem die Justiz Einsichtsbefähigtheit an den Tag legen würde, ihre bisweilen nunmal offensichtlichen, leicht nachvollziehbaren Fehler würden einräumen, usw. Insofern zeigt sich hier, daß das "Überwinden" von Täuschung auch beinhalten kann, daß man solchiges einräumt und sich um Abhilfe bemüht.

Andererseits erwähnt Shankara im "Kleinod der Unterscheidung", daß es ein versehntlich falsch abgeschossener Pfeil nicht dadurch gestoppt werden kann, daß man, vor dessen Treffen des Ziels, noch die Erkenntnis des fehlerhaften Abschusses erkennt.

Da passierte mal in den ca 70-er Jahren ein Zugunglück zwischen ca Warngau und Schaftlach; auf der1-gleisigen Strecke gaben die Fahrdienstleiter "grünes Licht für beide Züge", die dann auf Kollisionskurs waren. Per eines Telefonats merkten die Beiden ihren Irrtum. "Meiner ist abgefahren", sagte der Eine und "Meiner auch", der Andere. Es half nichts mehr.

 

Das Thema der "Täuschung" beschäftige René Descartes sehr:

Hier erstmal die ausführlicherer Darstellungen von Prof. Paul Deussen betreffs René Decartes:

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...

12

II. Der Dualismus des Descartes und seine Folgen.

 

ll. Der Dualismus des Descartes und seine Folgen.

1. Monismus und Dualismus.

Eine Philosophie ist Monismus, wenn sie die Welt aus einem einzigen Prinzip erklärt, Dualismus, wenn sie dazu zweier oder mehrerer Prinzipien bedarf. Da für uns alle Vielheit nur ein Nebeneinander im Raume oder ein Nacheinander in der Zeit ist, Raum und Zeit aber nur der Erscheinung, nicht aber dem Erscheinenden, dem Prinzip, dem Ding an sich zukommen, so ist schon hieraus ersichtlich, daß die wahre Philosophie, wie die Inder sagen, ,,Nichtzweiheit" (advaitam) oder, wie wir sagen, Monismus sein muß, und dieser schöne und bezeichnende Name, dessen sich in jüngster Zeit ein neu aufgeputzter Materialismus bemächtigt hat, sollte ihm wieder entrissen werden, denn gerade der Materialismus ist ni¢ht monistisch, da er über Gegensätze wie Stoff und Kraft , Subjekt und Objekt nicht hinauszukommen vermag. — Im Gegensatze zum Monismus ist der Dualismus, wo er immer in der Geschichte der Philosophie, meistens als Zersetzungsprodukt eines älteren Monismus, aufgetreten ist, ein Bekenntnis, daß die Philosophie ihre Aufgabe nicht hat lösen können. So in Indien das aus dem monistischen Vedânta hervorgegangen Sâñkyasystem mit seinem Gegensatze von Prakṛiti und Purusha, während in Griechenland der Dualismus des Empedokles, Anaxagoras und Demokrit aus der Ratlosigkeit entsprang, in welche das Zeitalter durch den Gegensatz zwischen Herklit und Parmenides versetzt worden war. Seine Lösung fand dieser Gegensatz in Platon; seine Philosophie ist nicht dualistisch, sondern monistisch, weil bei ihm die Ideenwelt alle Realität befaßt und die Materie ein bloßes µ ὄν ist, während sie bei Aristoteles der Idee gegenüber dualistisch den Charakter eines positiven Substrats annimmt. — Der zweifache Dualismus des Mittelalters zwischen Gott und Welt sowie zwischen Seele und Leib trat in greller Beleuchtung hervor durch die logische Analyse, welcher Descartes diese Begriffe aussetzte. Nach ihm sind Seele und Leib, cogitario und extensio, zwei Sub-

 

13

1. Monismus und Dualismus.

 

stanzen, d. h., abgesehen von dem im Hintergrunde bleibenden Concursus Dei, zwei von Grund aus verschiedene Wesenheiten, und da ist es nicht zu begreifen, wie zwei solche Substanzen in der räumlichen und zeitlichen Unendlichkeit einander finden, wie sie so zu einander passen konnten, daß sie sich zu einer Welt zu verbinden vermochten, und welche Handhaben sie besaßen, um sich zu fassen und gegenseitig zu beeinflussen, wie sie nicht, wenn sie im Räume zusammentrafen, durch einander hätten durchgehen mussen, ohne sich irgendwie zu berühren. Sehen wir doch, wie im Sturmwinde, der alles beugt und bricht, der Sonnenstrahl ganz unbeweglich steht, weil sein Licht von anderer Natur ist; und noch viel größer als zwischen Sturm und Sonnenlicht ist der Gegensatz zwischen einer materiellen und einer immateriellen Substanz. Die mittelalterliche, von Descartes übernommene und formulierte Weltanschauung ist vielleicht die weiteste Abirrung von der Wahrheit, die größte Entfremdung gegenüber der Natur, in welche die Menschheit je verfallen ist, und nichts beleuchtet so grell diese Naturwidrigkeit der Lehre des Descartes, wie die Tatsache, daß er die Tiere für bloße Maschinen erklärte.

 

2. Leben und Schriften des Descartes.

René Descartes (Renatus Cartesius, wie er sich weniger gern nennen hörte), Seigneur du Perron, stammte aus einer altadeligen, wohlgesessenen Familie. Er wurde geboren zu La Haye (noch heute zum Unterschiede von andern Orten dieses Namens la Haye Descartes genannt), einem Städtchen 50 Kilometer südlich von Tours, am 31. März 1596, also zu einer Zeit, wo die Kirchenspaltung eine vollendete Tatsache war und es bereits aller Welt vor Augen lag, daß das Heil auch außerhalb der Kirche des Mittelalters sich suchen und finden ließ. Diese Tatsache konnte nicht verfehlen, auch auf solche Gemüter ihren Eindruck zu machen, welche, wie Descartes, von Geburt an der katholischen Kirche angehörig und bis zum Tode ihren Gebräuchen gehorsam blieben. ,,Ich habe", so erklärte er einem streitsuchenden Theologen gegenüber, ,,die Religion des Königs, ich habe die Religion meiner Amme", und im Discours de la Méthode cap. 3 stellt er als

 

14.

II. Der Dualismus des Descartes und seine Folgen.

 

Regel auf, „den Gesetzen und Gewohnheiten seines Landes zu gehorchen und Religion seiner Kindheit treu zu bleiben", worin eine gewisse Gleichgültigkeit gegen die Form des religösen Bekenntnisses ausgesprochen liegt, sofern dasselbe nicht mehr als Sache des Herzens, sondern als Sache der Geburt betrachtet wird.

 Descartes erhielt seine Jugendbildung auf dem 70 Kilometer nordwestlich von Torus gelegenen, von Heinrich IV. neu gegründeten Jesuitenkollegium von La Flèche, „einer der berühmtesten Schulen Europas", wie er sagt, welcher er vom 8. bis zum 17. Jahre angehörte.

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Deussen, Prof. Dr. Paul, "Allgemeine Geschichte der Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Religionen" von Dr. Paul Deussen, Professor an der Universität Kiel, Zweiter Band, Dritte Abteilung: Die neuere Philosophie von Descartes bis Schopenhauer, Leipzig: F.A. Brockhaus, 1917

(Fortsetzung folgt; 17.2.2023)

 

 René Descartes und sein berühmtes und sehr bekanntes "zweifelsfreies Ergebnis", nämlich "Ich denke also bin ich", sein "ich bin".

Hierzu einige Seiten Zitat aus René Descartes' "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie", in dritter Aulage, neu übersetzt und mit ausführlichen, auf Decartes' eigene Schriften gestützten, Kommentar herausgegeben von Dr. Artur Buchenau, Leipzig, Verlag der Dürr'schen Buchhandung, 1904:


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 Erste Meditation.

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Woran man zweifeln kann.

1. Schon vor einer Reihe von Jahren habe ich bemerkt, wie viel Falsches ich in meiner Jugend als wahr habe gelten lassen und wie zweifelhaft alles ist, was ich hernach darauf aufgebaut, und daß ich daher einmal im Leben alles von Grund aus umstoßen und von den ersten Grundlagen an neu beginnen müsse, wenn ich endlich einmal etwas Festes und Bleibendes in den Wissenschaften ausmachen wolle.

2. Indessen schien mir dies ein gewaltiges Unternehmen zu sein, und ich wartete daher das Alter ab, welches so reif sein würde, daß ihm unmöglich ein anderes nachfolgen könnte, das zur Erwerbung der Wissenchaften noch geeigneter wäre. Infolgedsssen habe ich so lange gezögert, daß ich mich schließlich schuldig machen würde, wenn ich die zum Handeln noch übrige Zeitg mit weiteren Bedenken vergeuden wollte.

3. Und da trifft es sich günstig, daß ich heute meinen Geist von allen Sorgen befreit habe, daß ich mir eine sichere Muße in einsamer Zurückgezogenheit verschafft habe: so will ich denn endlich ernsten und freien Sinnes zu diesem allgemeinen Umsturz meiner bisherigen Meinungen schreiten.

4. Dazu wird indessen nichtg nötig sein, sie alle als falsch aufzuzeigen, denn das würde ich vielleicht niemals erreichen können; sondern da schon de gemeine Vernunft rät, in ebenso vorsichtiger Weise bei dem nicht ganz Gewissen und Unzweifelhaften wie bei dem offenbar Falschen die Zustimmung zurückzuhalten, so wird es hinreichen, sie alle zurückzuweisen, wenn ich in einer jeden, irgendeinen Grund zum Zweifel antreffe. Auch wird es dazu nicht unumgänglich notwendig sein, sie

 

 

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Descartes, Meditationen.

 

alle einzeln durchzugehen, was eine endlose Arbeit wäre, sondern, da nach der Untergrabung der Grundlagen alles darauf Gebaute von selbst zusammenstürzt, so werde ich den Angriff sogleich auf eben die Prinzipien richten, auf die sich alle meine sonstigen Meinungen stützten.

5. Alles nämlich, was ich bisher am ehesten für wahr angenommen, habe ich von den Sinnen oder durch Vermittelung der Sinne empfangen. Nun aber bin ich dahinter gekommen, daß dieses uns bisweilen täuschen, und es ist ein Gebot der Klugheit, niemals denen ganz zu trauen, die auch nur einmal uns getäuscht haben.

6. Indessen mögen uns auch die Sinne mit Bezug auf zu kleine und enfernte Gegenstände bisweilen täuschen, so gib es doch am Ende sehr vieles andere, woran man gar nicht zweifen kann, wenn es gleich aus denselben Quellen geschöpft ist; so zB, daß ich jetzt hier bin, daß ich mit meinem Winterrocke angetan, am Kamin sitze, daß ich dieses Papier mit den Händen betaste und ähnliches; vollends daß eben dies meine Hände, daß dieser gesamte Körper der meine ist, wie könnte man mir das abstreiten? Ich müßte mich denn mit ich weiß nicht welchen Wahnsinnigen vergleichen, deren Gehirn durch widrige Dünste infolge schwarzer Galle so geschwächt ist, daß sie hartnäckig behaupten, sie seien Könige, während sie bettelarm sind, oder in Purupur gekleidet, während sie nackt sind, oder sie hätten einen tönernen Kopf, oder sie seien überhaupt Kürbisse oder aus Glas; aber das sind eben Wahnsinnige, und ich würde ebenso wie sie von Sinnen zu sein scheinen, wenn ich das, was von ihnen gilt, auf mich übertagen wollte.

7. Vortrefflich Als ob nicht ein Mensch wäre, der des Nachts zu schlafen pflegt und dem genau dieselben, oder bisweilen noch weniger wahrscheinliche Dinge im Taume begegnen, wie jenen im Wachen?! Wie oft doch kommt es vor, daß ich alle jene gewöhnlichen Begegnisse, wie daß ich hier bin, daß ich, mit meinem Rocke bekleidet, am Kamin sitze, mir während der Nacht-Ruhe einbilde, während ich doch entkleidet im Bette liege! Aber jetzt schaue ich doch sicher mit wachen Augen auf dieses Papier, dies Haupt, das ich hin und her bewege, so ist doch nicht im Schlaf, mit Vorbedacht und Bewußtsein strecke ich meine Hand aus und fühle das!

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Erste Meditation: Woran man zweifeln kann.

 

Im Schlafe würde mir das doch nicht so deutlich entgegentreten!  Als wenn ich micht nicht entsänne, daß ich auch sonst durch ähnlche Gedankengänge im Traume irregeführt worden bin! Denke ich einmal aufmerksamer hierüber nach, so sehe ich ganz klar, daß niemals Wachen und Traum nach sicheren Kennzeichen unterschieden werden können,  sodaß ich ganz betroffen bin, und diese Betroffenheit selbst mich beinahe in der Meinung bestärkt, daß ich träume.

8. Sei es denn: wir träumen! Mögen wirklich alle jene Einzelheiten nicht wahr sein, daß wir die Augen öffnen, den Kopf bwegen, die Hände austrecken; ja, mögen wir vielleicht gar keine solchen Hände, noch überhaupt einen solchen Körper haben: so muß fürwahr doch gestehen, das während des Schlafes Geschaute verhalte ich gleichsam wie gemalte Bilder, die nur nach dem Muster wahrer Dinge sich abmalen konnten; daß also wenigstens dies Allgemeine: Augen, Haupt, Hände und überhaupt der ganze Körper, als nicht eingebildete, sondern wirkche Dinge existieren. Sind doch auch die Maler, selbst wenn sie Sirenen und Satyre in den fremdartigsten Gestalten zu bilden sich Mühe geben, nicht imstande, ihnen in jeder Hinsicht neue Eigenschaften zuzuteilen, sondern sie mischen nur die Glieder von verschiedenen lebenden Wesen ducheinander; oder wenn sie vielleicht etwas so unerhört Neues sich ausdenken, wie man ähnliches überhaupt nie gesehen hat, und das demnach rein erdichtet und unwirklich ist, so müssen es doch zum mindesten wirkliche Farben seien, aus denen sie es zusammensetzen. In gleicher Weise muß man, wenngleich sogar dieses Allgemeine: Augen, Haupt, Hände und dergleichen nur in der Einbildung vorhanden sein könnte, doch notwendig gestehen, daß wenigstens gewisse andere, noch einfachere und allgemeinere Dinge, wirklich vorhanden sind, mit denen, als den wirklichen Farben, alle jene, seien es wahre oder falsche Bilder von Dingen, die wir in unserem Bewußtsein haben, sich in uns malen. Von dieser Art scheinen zu sein die Natur des Körpers überhaupt und sein Ausdehnung, ferner die Gestalt der ausgedehnten Dinge, ebenso die Quantität, d.i. ihre Größe und Zahl, ebenso der Ort, an welchem sie existieren, die Zeit, während welcher sie dauern und dergleichen.   

         

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Descartes, Meditationen.

 

9. Man darf hieraus wohl mit Recht schließen, daß zwar die Physik, die Astronomie, die Medizin und alle anderen Wissnschaften, die von der Betrachtung der zusammengesetzten Dinge abhängen, zweifelhaft sind, daß dagegen die Arithmetik, die Geometrie und andere Wissenschaften dieser Art, die nur von allereinfachsten und allgemeinsten Gegenständen handeln, und sich wenig darum kümmern, ob diese in der Wirklichkeit vorhanden sind, oder nicht, etwas von zweifelloser Gewißheit enthalten. Denn ich mag wachen oder schlafen, so sit doch stets 2 + 3 = 5, das Qaudrat hat nie mehr als vier Seiten, und es scheint unmöglich, daß so augenscheinliche Wahrheiten in den Verdacht der Falschheit geraten können.

10. Es ist indessen meinem Geiste eine alte Meinung eingeprägt, daß ein Gott sei, der alles vermag und von dem ich so, wie ich bin, geschaffen sei. Woher weiß ich aber, daß er nicht bewirkt hat, daß es übrhaupt keine Erde, keinen Himmel, kein ausgedehntes Ding, keine Gestalt, keine Größe, keinen Ort gibt und daß dennoch dies alles genauso wie jetzt mir da zu sein scheint; oder vielmehr, daß  so wie ich urteile, daß bisweilen auch andere ich in dem irren, was sie aufs vollkommenste zu wissen meinen  so auch ich mich täusche, so oft ich 2 und 3 addiere, oder die Seiten des Quadrats zähle, oder was an sich noch leichteres denken mag.

 11. Aber vielleicht hat Gott nicht gewollt, daß ich mich so täusche, deißt er doch der Allgütige?!   Allein wenn es mt seiner Güte unvereinabr wäre, daß er mich so geschaffen, daß ich mich stets täusche, so schiene es mir doch ebensowenig dieser Eigenschaft entsprechend, daß ich mich bisweilen täusche, welch letzteres sich doch nicht behaupten läßt.

 12. Freilich möchte es wohl manche geben, die lieber leugnen würden, daß so ein mächtiger Gott überhaupt existiere, als daß sie an die Ungewißtheit aller anderer Dinge glaubten; allein mit denen wollen wir nicht streiten und wollen einmal zugeben, all dies von Gott gesagte sei eine bloße Fiktion. Allein, mag man auch annehmen, ich sei durch Schicksal oder Zufall oder durch die Verkettung der Umstände oder sonst auf irgend eine Weise zu dem geworden, was ich bin, jedenfalls scheint doch

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Erste Meditation: Woran man zweifeln kann.

 

das Sich-Täuschen und Irren eine gewisse Unvollkommenheit zu sein; und also wird es, je geringere Macht man dem Urheber meines Seins zuschreibt, umso wahrscheinlicher sein, ich sei so unvollkommen, daß ich micht stets täusche.

 13. Auf diese Gründe, habe ich schechterdings keine Antwort, und so sehe ich mich endlich gezwungen, zu- zugestehen, daß an alle, was ich früher für wahr hielt, zu zweifeln möglich ist und das nicht aus Unbesonnenheit oder Leichtsinn, sondern aus triftigen und wohlerwogenen Gründen; daß ich folglich auch diesem allein, nicht minder als dem offenbar Falschem, fortan meine Zustimmung aufs vorsichtigste versagen muß, wenn ich zu etwas Gewissem gelangen will.

 14. Indessen es ist nicht genug, dies einmal bemerkt zu haben, vielmehr muß man Sorge tragen, es sich stets gegenwärtig zu halten , kehren doch die gewohnten Meinungen unablässig wieder und nehmen meinen leichtgläubigen Sinn, den sie gleichsam durch den langen Verkehr und durch vertrauliche Bande an sich gefesselt haben, fast auch wider meinen Willen in Beschlag. Und ich werde es mir niemals abgewöhnen, ihnen beizustimmen und zu vortrauen, solange ich sie für das ansehe, was sie in der Tat sind, nämlich zwar — wie bereits gezeigt — als einigermaßen zweifelhaft, aber immerhin recht wahrscheinlich und so, daß es weit vernunftgemäßer ist sie zu glauben als zu leugnen.

 15. Es wird daher, denke ich, wohl angebracht sein, wenn ich meiner Willkür die gerade entgegengesetzte Richtung gebe, mich selbst täusche und für eine Weile die Fiktion mache, jene Meinungen seien durchweg falsch und seien bloße Einbildungen, bis ich schließlich meine Vorurteile auf beiden Seiten so ins Gleichgewicht gebracht habe, daß keine verkehrte Gewohnheit fürder mein Urteil von der wahren Erkenntnis der Dinge abwendet. Denn ich weiß ja, daß hieraus keine Gefahr noch Irrtum inzwischen entstehen kann, und daß ich meinem Misstrauen gar nicht zu weit nachgeben kann, da es mir ja für jetzt nicht auf ein Handeln, sondern nur auf ein Erkennen ankommt.

16. So will ich denn annehmen, daß nicht der allgütige Gott, die Quelle der Wahrheit, sondern daß

 

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Descartes, Meditationen.

 

irgend ein böser Gei[s]t, der zugleich höchst mächtig und verschlagen ist, allen seinen Fleiß daran gewandt habe, mich zu täuschen; ich will glauben, Himmel, Luft, Erde, Farben, Gestalten, Töne und alle Außendinge seien nichts als das täuschende Spiel von Träumen, durch die dieser meiner Leichtgläubigkeit Fallen stellt; mich selbst will ich so ansehen, als hätte ich keine Hände, keine Augen, kein Fleisch, kein Blut, überhaupt keine Sinne, sondern glaubte nur fälschlich, dies alles zu besitzen. Und ich werde hartnäckig an dieser Art der Betrachtung festhalten und werde so zwar nicht imstande sein, irgend eine Wahrheit zu erkennen, aber doch entschlossenen Sinnes mich in acht nehmen, soviel an mir liegt, nichts Falschem zuzustimmen, noch von jenem Betrüger mich hintergehen zu lassen, so mächtig und so verschlagen er auch sein mag.

17. Indessen ist dies ein mühevolles Unternehmen und eine gewisse Trägheit führt mich zur gewohnten Lebensweise zurück. Und wie ein Gefangener etwa im Traume einer eingebildeten Freiheit genoß und wenn er zu argwöhnen beginnt, daß er nur träume, sich fürchtet, aufzuwachen und sich den schmeichlerischen Vorspiegelungen solange als möglich hingibt, so sinke ich von selbst in die alten Meinungen zurück und fürchte mich vor dem Erwachen, um nicht das arbeitsvolle Wachen, das auf die behagliche Ruhe folgt, statt im Lichte, in der undurchdringlichen Finsternis der schon angedeuteten Schwierigkeiten zuzubringen.

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Zweite Meditation.

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Über die Natur des menschlichen Geistes; dass er leichter erkennbar als der Körper.

1. Die gestrige Betrachtung hat mich in Zweifel gestürzt, die so gewaltig sind, daß ich sie nicht mehr  vergessen kann, und von denen ich doch nicht sehe, in welcher Weise sie zu lösen seien; sondern, wie wenn ich unversehens in einen tiefen Strudel hinabgestürzt wäre, bin ich so verwirrt, daß ich weder auf dem Grunde festen Fuß fassen, noch zur Oberfläche emporschwimmen kann. Dennoch will ich mich herausarbeiten und von neuem eben den Weg versuchen, den ich gestern beschritten hatte, indem ich nämlich hierbei alles von mir fernhalte, was auch nur den geringsten Zweifel zuläßt, genau so, wie wenn ich in sichere Erfahrung gebracht hätte, daß es durchaus falsch sei. Und ich will solange weiter vordringen, bis ich irgend etwas Gewisses, oder, wenn nichts anders, so doch zum mindesten das für gewiß erkenne, daß es nichts Gewisses gibt. Nichts als einen festen und unbeweglichen Punkt verlangte Archimedes, um die ganze Erde von ihrer Stelle zu bewegen, so darf auch ich Großes hoffen, wenn ich auch nur das geringste finde, das von unerschütterlicher Gewißheit ist.

2. Ich setze also voraus, daß alles, was ich sehe, falsch ist, ich glaube, daß niemals etwas von dem allen existiert hat, was das trügerische Gedächtnis mir darstellt: ich habe überhaupt keine Sinne; Körper, Gestalt, Größe, Bewegung und Ort sind nichts als Chimären. Was also bleibt Wahres übrig? Vielleicht nur dies Eine, daß es nichts Gewisses gibt.

3. Aber woher weiß ich denn, daß es nicht etwas von allem bereits aufgezählten Verschiedenes gibt, an dem zu zweifeln auch nicht der geringste Anlaß vorliegt? Gibt es etwa einen Gott, oder wie ich sonst den nennen mag, der mir diese Vorstellungen (cogitationes) einflößt?  Weshalb aber sollte ich das annehmen, da

 

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Descartes, Meditationen.

ich doch am Ende selbst ihr Urheber sein könnte! Also wäre doch zum mindesten ich irgend etwas? Indessen, — ich habe bereits geleugnet, daß ich irgend einen Sinn, irgend einen Körper hätte. Doch hier stutze ich: was soll daraus folgen? Bin ich etwa so an den Körper und die Sinne gefesselt, daß ich ohne sie nicht sein kann? Indessen, ich habe mich überredet, daß es durch aus nichts in der Welt gibt: keinen Himmel, keine Erde, keine Geister, keine Körper, also doch auch wohl mich selbst nicht? Keineswegs; ich war sicherlich, wenn ich mich dazu überredet habe.  Aber es gibt einen, ich weiß nicht welchen, höchst mächtigen und verschlagenen Betrüger, der mich geflissentlich stets täuscht. — Nun, wenn er mich täuscht, so ist es also unzweifelhaft, daß ich bin. Er täusche mich, soviel er kann, niemals wird er es doch fertig bringen, daß ich nichts bin, solange ich denke, daß ich etwas sei. Und so komme ich, nachdem ich so alles mehr als zur Genüge hin und her erwogen habe, schließlich zu dem Beschluß, daß dieser Satz: „Ich bin, ich existiere", so oft ich ihn aus-spreche oder in Gedanken fasse, notwendig wahr ist.

4. Noch erkenne ich aber nicht zur Genüge, wer ich denn bin, der ich jetzt notwendig bin, und ich muß mich demnächst hüten, daß ich nicht etwa unvorsichtigerweise etwas anderes für mich selbst ansehe und auf diese Weise sogar in der Erkenntnis abirre, von der ich behaupte, sie sei die gewisseste und einleuchtendste von allen. Ich will deshalb jetzt von neuem erwägen, was ich denn früher zu sein geglaubt habe, bevor ich noch auf diese Gedanken verfallen war. Und davon will ich denn alles abziehen, was durch die oben beigebrachten Gründe auch nur im geringsten hat erschüttert werden können, sodaß schließlich genau nur das übrig bleibt, was von unerschütterliche Gewißheit ist.

5. Was also habe ich vordem zu sein geglaubt? Doch wohl ein Mensch! Aber was ist das „ein Mensch"? Soll ich sagen: ein vernünftiges lebendes Wesen? Keinewegs, denn dann müßte man hernach ja fragen, was „ein lebendes Wesen" und was „vernünftig" ist und so geriete ich aus einer Frage in mehrere und noch schwierigere. Auch habe ich nicht so viel Zeit, daß ich sie mit derartigen Spitzfindigkeiten vergeuden möchte. Lieber will

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Descartes, René , "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie", in dritter Aulage, neu übersetzt und mit ausführlichen, auf Decartes' eigene Schriften gestützten, Kommentar herausgegeben von Dr. Artur Buchenau, Leipzig, Verlag der Dürr'schen Buchhandung, 1904, siehe Seiten 1,2,3,4,5,6, 7,8 

Nunja, ist "Überwindung von Täuschung" per "dem Unbegrenzten" aus der Sicht von René Descartes denkbar?

Dazu Folgendes:

 

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Descartes erklärt sodann, er verstehe unter der Idee Gottes nur das, "was alle Menchsen gewohnt sind, zu verstehen, wenn sie davon sprechen" (393)

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Descartes, René , "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie", in dritter Aulage, neu übersetzt und mit ausführlichen, auf Decartes' eigene Schriften gestützten, Kommentar herausgegeben von Dr. Artur Buchenau, Leipzig, Verlag der Dürr'schen Buchhandung, 1904, siehe Seite 159

 

Descartes befaßte sich in der "Dritten Mediation" mit der Frage ob die Idee Gottes Menschenwerk ist oder die Idee nur wegen der Existenz Gottes überhaupt möglich sei und insofern Gott nicht nach den Menschen entstande sein könne. 

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Descartes entgegnet (lat. Ausg. Pag. 82)…so behauptet ihr damit nichts von meiner Ansicht verschiedenes, habe ich selbst doch, gegen Ende der ditten Meditation (s. o. S. 32, ‚Z. 1-3), ausdrücklich gesagt: „daß die Idee mir eingeboren ist oder nicht anderswoher als aus mir selbst kommt" (s. Auch die oben S. 163 Z.33 zitierte Stelle ua aus dem Briefe, wo Descartes die Gottesidee unter die eingeborenen Ideen zählt). Ich gebe auch zu, »daß sie gebildet werden kann, wenn wir gleich nicht wüßten, daß das höchste Wesen existiert« , nicht aber, wenn es wirklich nicht existierte; denn ich habe im Gegenteil erinnert, daß die ganze Kraft des Arguments darin besteht, daß unmöglich die Fähigkeit, diese Idee zu bilden in mir sein kann, wenn ich nicht von Gott geschaffen bin.

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Descartes, René , "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie", in dritter Aulage, neu übersetzt und mit ausführlichen, auf Decartes' eigene Schriften gestützten, Kommentar herausgegeben von Dr. Artur Buchenau, Leipzig, Verlag der Dürr'schen Buchhandung, 1904, siehe Seite 199

 

Wegen dem üblichen Attribut Gottes, wonach er „unsterblich" sei, „ewig war und ewig wird sein" und Descartes Ergebnis, wonach Gott nicht nach Ihm entstanden sein könne, akzeptierte Descartes, daß es ein Unbegrenztes, Unendliches gab, daß zumindest schon war, als Er anfing zu existieren und er daher auch nicht die Ursache von dessen Existenz sein könne.

Insofern entstand das Unbegrenzte zusammen mit Ihm - und insofern als Teil seinerselbst - oder aber auch es gab es bereits vor Ihm und kommt bei weiteren Betrachtungen abstrakterweise als Lösung infrage.

Es ist einzuräumen, daß diese letzteren Überlegungen von René Descartes als schwierig gelten und anscheinend auch nicht so ganz allgemein Anerkennung fanden und finden.

Aber man kann kaum behaupten, daß "Unbegrenztheit" für René Descartes unvorstellbar gewesen wäre und als Antwort auf gewisse Fragen daher auch gar nicht infrage kommen könnte.

 


Sehr interessante Ausführungen oder auch Erläuterungen betreffs René Descartes (dessen lateinischer Name Cartesius war) findet man auch in Professor Paul Deussen's Buch "Elemente der Metaphysik - Als Leitfaden zum Gebrauche bei Vorlesungen sowie zum Selbststudium", zusammengestellt von Dr. Paul Deussen, ordentlicher Professor an der Universität Kiel; zweite, durch einige Zusätze vermehrte Auflage; Leipzig: F.A. Brockhaus, 1890. (Das Buch ist im Übrigen via der Bayerischen Staatsbibliothek (https:/ /www.bsb-muenchen.de/) per Suchbegriff "Deussen, Paul "Elemente der Metaphysik" am 12.8.2023 auffindbar gewesen. Unter "Links" war ein Link zu einem, zum "Lesen" auch zu finden. )

Auf den Seiten 20 - 23, "III Die Welt ist meine Vorstellung" Auf Seite 23 findet man dann einen Hinweis auf die Lehre indischer Weiser, griechischer Philosophen (Parmenides, Platon)und auch auf Christentum, insbesondere 1 Kor. 2.

Der Unterschied zur "Indischen Allein-Eins-Lehre" (Siehe unter Upanishaden/Chândogya-Upanishade in https://www.klassische-indische-texte-91-19i.de/ Abschnitt über die Upanishaden: https://www.klassische-indische-texte-91-19i.de/ch_ndogya_upanishad___7_te_lektion.html...)und René Descartes' Überlegungen bis dahin zeigen sich dabei deutlich:

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,- so giebt es doch eine Wahrheit, an der ich nicht zweifeln kann; sie heißt: Die Welt ist meine Vorstellung.

Cartesius ging zu weit, wenn (dem Anscheine nach) durch sein berühmtes "Cogito ergo sum" das unzweifelhafte Gewisse auf abstrakte Vorstellungen einschränken wollte ...

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Deussen, Prof. Dr. Paul, "Elemente der Metaphysik - Als Leitfaden zum Gebrauche bei Vorlesungen sowie zum Selbststudium", zusammengestellt von Dr. Paul Deussen, ordentlicher Professor an der Universität Kiel; zweite, durch einige Zusätze vermehrte Auflage; Leipzig: F.A. Brockhaus, 1890, Seite 21.

Die Welt sei seine Vorstellung, fand René Descartes - zumindest als Zwischenüberlegung -.

 

 

6 ) Betreffs "Täuschung und andere Sinnestäuschungen"

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Der Jünger sprach:

Sei es infolge von Unwissenheit, oder aus einer anderen Ursache; der Atma erscheint uns stets als Jiva. Da dieses Upadhi (Vehikel) keinen Anfang hat, so kann man sich auch kein Ende desselben vorstellen.

Deshalb scheint es, dass die Verbindung von Atma und Jiva (dem höheren Teile von Manas) nicht enden könnte, und sein be-

 

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dingtes Leben scheint ewig zu' sein. Sage mir deshalb, o hochverehrter Meister! wie kann da eine Erlösung stattfinden?

 

Der hochverehrte Meister sprach:

O weiser Mann! Du hast eine gute Frage gestellt. Höre nun aufmerksam zu. Die täuschenden Vorstellungen, welche dem Irrtum entspringen, sind nicht endgültig.

Wahrlich, ohne Irrtum kann der Atma, der Unabhängige und Nichthandelnde, mit keinem Gegenstande verbunden werden; wie man ja auch glaubt, das Firmament sei blau (obgleich es nur blau zu sein scheint).

Der Seher des Selbsts (das Absolute) ist ohne Thätigkeit, ohne Eigenschaften, alles durchdringend ist er Erkenntnis und Seligkeit (selbst). Durch die Unwissenheit von Manas erscheint es bedingt (verbunden mit Jiva), dies ist aber nicht so. Wenn diese Unwissenheit verschwindet, so existiert sie nicht mehr; deshalb ist sie ihrer Natur nach unwirklich (wesenlos).

Solange dieser Irrtum vorhanden ist, solange ist auch diese (scheinbare Verbindung mit Jiva) vorhanden; gerade so wie der Wahn,

 

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dass ein Strick eine Schlange sei, nur während der Dauer dieser Täuschung vorhanden ist, aber wenn der Irrtum aufhört, so ist keine Schlange mehr da. Gerade so ist es.

Die Unwissenheit hat keinen Anfang und dies ist auch der Fall mit den Wirkungen derselben*); aber wenn die Erkenntnis eintritt, so wird die Unwissenheit, obgleich sie keinen Anfang hat, völlig zerstört; so wie alles das, was dem Traumlben angehört, durch das Erwachen verschwindet. Obgleich ohne Anfang, ist sie nicht ewig,

sondern völlig analog mit Prâbhâva**),

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*) Die Unwissenheit ist ein Nichts und wesenlos und ebenso wesenlos ist der aus der Unwissenheit entspringende Irrtum. In einer falschen Idee ist keine Wahrheit und keine Wirklichkeit sie existiert nur in der Phantasie. Weil der Mensch sich nicht als dasjenige erkennt, was er in Wirklichkeit seinem innersten Wesen nach ist (nämlich ,,Gott"), so bildet er sich ein, ein von ,,Gott" (d. h. von sich selber) verschiedenes Wesen zu sein. Dadurch, dass er zur Gotteserkenntnis kommt, hört dieser Irrtum auf. Es ist dann keine Rede mehr von einer ,,Verbindung" mit Gott, weil ja in Wirklichkeit niemals eine Trennung im Alleinigen stattgefunden hat.

**) Prâbhâva, vorhergehende Nichtexistenz. Ein Topf z. B. existiert als Thon, aber nicht als Topf, solange er nicht gemacht ist.

Sankaracharya, Palladium.

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Chatterji, Mohini, "Das Palladium der Weisheit (Viveka Chudamani)", von Sankarachraya, Aus dem Sanskrit übersetzt von Mohini Chatterji, Leipzig, Verlag von Wilhelm Friedrich, 1895

 

7) Betreffs "Täuschung und andere Sinnestäuschungen dieser Art":

Es macht Sinn auch "andere Sinnestäuschungen" zu erwähnen, da es wenig vorsichtig wäre, alle Sinnestäuschung so ganz simplerweise einfach nur als "Sinnestäuschungen" zu bezeichnen und Unterschiede für völlig unwichtig zu befinden.

Im Zusammenhang mit Höhenkrankheit, wird immer wieder auf das Phänomen von Halluzinationen hingewiesen. Siehe etwa das Büchlein von Prof Dr. Mees "Höhenbergsteigen und Höhentrekking", Bruckmann-Verlag. Prof Mees erwähnt u.a. daß sich Höhenkrankheit auch darin zeigen könne, daß jemand in entsprechender Höhe (es kann ab 2500m bereits auftreten!) ständig danebengreift, zB auch aus einer Tasse mit einem Getränk dauernd verschüttet, udgl.

Das seien aber bereits ernstzunehmende Formen von Höhenkrankheit bei denen ein Abtransprot in geeignet geringere Höghen dringend notwendig ist.

Bei extremeren Formen, wo akute Lebensgefahr besteht, kann es zu Hallunizationen kommen, wie ich selber mal erlebte, zB also, daß die Augen einem, betreffs der Richtung in die es nunmal bergab geht (zB weil die Ski in jene Richtung vonselber fuhren), plötzlich "zeigen", daß es in jene Richtung bergauf gehe und umgekehrt. In der Bergwelt zwischen oben und unten nicht mehr unterscheiden zu können, weil der Seh-Sinn verrückt spielt, ist bereits alleine schon für sich akut lebensgefährlich; hinzu kommt noch das verursachende lebensgefährliche Hirndödem, das sich infolge der "Höhe" (damals geschah es gerade mal so ziemlich in der Mitte zwischen 3200 und 2800 m, als es mir widerfuhr.).

Das zu unterscheiden von Täuschungen, wie Abschreibfehler gemacht haben, Vokabeln durcheinander gebracht haben, oder eine junge, einem unbekannte Lehrerin für eine Schülerin versehentlich gehalten zu haben usw, wie man es aus der Schule her kennt, macht offenbar einen Sinn.

Darüberhinaus gibt es noch Täuschungen die  aus diversen Motiven vorsätzlich herbeizuführen versucht werden oder auch wurden (vgl. u.a. Juri Bezmenow "Deception as my job".).

Auch wenn ein Augenarzt einem Patienten eine Brille verschreibt und - im Falle von zB "Zylinderschliff" - vergaß/vergißt dazu zu sagen, daß die Brille zu einer Formenveränderungen führe und somit anderer Wahrnehmung, können erhebliche Probleme resultieren und zwar per einer - anzunehemenderweise meistens - versehentlich irreführenden Brille: Das eine Auge (ohne Zylinderschliff) zeigt einem die Welt wie man sie zu sehen pflegte; quadratische Fußwegplatten sind quadratisch. mit dem anderen Auge (mit Zylinderschliff und ohne Erkärung dessen, was Zylinderschliff ist und bewirkt) ergibt als definitiv "Wahrgenommenes" etwas, das kein Quadrat mehr ist, weil eine Seite anders als bisher und als irgendwie"nicht in "Ordnung seiend" und insofern "krumm" verstanden wird. Geht man damitg rasch über einen Pflasterweg aus sicherlich doch, da mechanisch, fließbandartig produzierten, "quadratischen Platten", so tritt der "Daumenkino-Effekt" auf und der Boden scheint irgendwie zu wackeln, zu schwanken. Das spielt sich dann nicht direkt im Bereich der Wahrnehmung ab, sondern im "geistigen" Bereich aufgrund des Nichtwissens über die Auswirkungen bzw das beabsichtgtge Resulat einer "Zylinderschliff-Verordnung". Wird sojemand dann wegen seines gewissen Desorientiert-Wirkens und plötzlich, entgegen seines bis dato in Erscheinung tretens, Unsicher-Wirkens aufgegriffen, in die Psychiatrie eingeliefert und dann auch noch für "psychisch krank", dh "verrückt" erklärt, so war der Augenarztfehler relativ klein und es hätte sich irgednwann gegeben; aber der Psychiatriefehler und im Tatverein damit der Gerichte und alsdann auch Behörden war dann alles andere als "ein kleiner Fehler". Noch falscher als solche "Psychiatrie-Diagnosen" usw kann's kaum mehr gehen. Das Opfer einer Untat wird abermals zum Opfer einer weiteren viel schlimmeren Auswirkungen habenden Untat, weil sich Pseudosachverständige für "Irrtum", "Täuschung", "Illusion", "Halluzinationen" gewaltsam einmischen und, bei wenig hinsehen, einfach nicht gebildet genug waren. Wenn dann der erste sich einmischenden Psychiater nochdazu wußte - weil der abstrakt nach Arztbesuchen in der näheren Zeit gefragt hatte - daß es 1/2 Jahr zuvor zu einer seltsam stark, von der wenige Jahre früheren, abweichenden Verordnung kam und 1 bis 2 Stockwerke darunter eine Augenarztpraxis gewesen wäre, so kann man dafür einfach menschlicherweise kein Verständnis mehr aufbringen. Wenn so jemand seine "Meinung" sagt, daß er es für "psychisch bedingt" halte, nunja; wenn er dann aber noch sagt "Ich habe Mittel und Wegen Sie einweisen zu lassen und Sie werden die von mehr verordneten Medikamente nehmen!", so kann man das was so ein Arzt tat, vernünftigerweise, auch wenn er "sich nur getäuscht" hat und das nochdazu "nur" infolge eines Fehlers eines Arzt-Kollegen, nur noch als Straftat bezeichnen.

Zwischen meinen, man verstünde etwas von den Ursachen von Täuschung, Irrtum, dem Sinn&Zweck von Meditation, usw und es zu wissen, sind nunmal zweierlei.

Da, vonseiten des Staates, dann für die "Psychiatrie" rückhaltlos Partei zu ergreifen bzw ergriffen zu haben, ist ein - an und für sich -  abstrakt als das vorab wißbar gewesenes - mangelhaftes Verständnis.

So sieht man auch exemplarisch, wie diverse Phänomene der Täuschung, selbst Menschen, die es nicht wollen würden, zu Straftätern am Ende gemacht haben können.

 

 

 

8 ) Betreffs:  "Dieses Universum ist das Ewige, das nie Ende, das Unvergängliche."

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95. Das todlose Reich

Udāna VIII, 1-4

So hab‘ ich es gehört: Einst weilte der Erhabene bei Sāvatthī im Jeta-Haine, im Klostergarten des Anāthapiṇḍika. Damals aber belehrte, ermahnte, ermunterte und erfreute der Erhabene die Mönche durch eine Rede über das Nibbāna. Und die Mönche hörten die Lehre aufmerksamen Ohres, indem sie Acht gaben, es sich vergegenwärtigten und alle Gedanken zusammennahmen.

Da tat der Erhabene, nachdem er erkannt, was dies zu bedeuten hatte, bei jener Gelegenheit folgenden feierlichen Ausspruch:

" Es ist, ihr Mönche, jenes Reich, wo nicht Erde noch Wasser ist, nicht Feuer noch Luft, nicht unendliches Raumgebiet, noch unendliches Bewusstseinsgebiet, nicht das Gebiet der Nichtirgendetwasheit, noch das Gebiet der Wahrnehmung und auch nicht Nicht-Wahrnehmung, nicht diese Welt noch eine andere Welt, nicht beide, Sonne und Mond. Das, ihr Mönche, nenne ich weder Kommen noch Gehen noch Stehen noch Vergehen noch Entstehen. Ohne Stützpunkt, ohne Anfang, ohne Grundlage ist das; eben dies ist das Ende des Leidens."

„Schwer zu sehen, wahrlich eben ist das Nicht-Ich, nicht leicht zu begreifen ist ja die Wahrheit; überwunden ist der ‚Durst‘ für den Wissenden; für den Schauenden ist nicht irgend etwas."

" Es gibt ihr Mönche ein nicht Geborenes, nicht Gewordenes, nicht Geschaffenes, nicht Gestaltetes.

Wenn es, ihr Mönche, dieses nicht Geborene, nicht Gewordene, nicht Geschaffene, nicht Gestaltete nicht gäbe, dann wäre hier ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten nicht zu erkennen. Weil es nun aber, ihr Mönche, ein nicht Geborenes, nicht Gewordenes, nicht Geschaffenes, nicht Gestaltetes gibt, darum läßt sich ein Entrinnen aus dem Geborenen, Gewordenen, Geschaffenen, Gestalteten erkennen."

„Für das, was abhängig ist, gibt es auch Bewegung; für das, was nicht abhängig ist, gibt es keine Bewegung; wo keine Bewegung ist, ist Ruhe; wo Ruhe ist, ist kein Verlangen; wo kein Verlangen ist, ist kein Kommen und Gehen; wo kein Kommen und Gehen ist, ist kein Vergehen und Neuentstehen; wo kein Vergehen und Neuentstehen ist, ist weder ein Hinieden noch ein Jenseits noch (ein Etwas) zwischen beiden; eben dies ist das Ende des Leidens."

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Siehe Seite 126, in Pali-Buddhismus in Übersetzungen von Dr. Karl Seidenstücker, Oskar Schloss Verlag, München-Neubiberg, zweite und vermehrte Auflage, 4. bis 8. Tausend, 1923

 

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10. LÖSUNG VON MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN

Angenommen, ich disputierte mit dir; du besiegst mich, und ich besiege dich nicht.

Hast du nun wirklich recht?

Hab' ich nun wirklich unrecht?

Oder aber ich besiege dich, und du besiegst mich nicht.

Habe ich nun wirklich recht und du wirklich unrecht?

Hat einer von uns recht und einer unrecht, oder haben wir beide recht oder beide unrecht?

Ich und du, wir können das nicht wissen.

Wenn die Menschen aber in einer solchen Unklarheit sind, wen sollen sie rufen,

um zu entscheiden?

Sollen wir einen holen, der mit dir über einstimmt, um zu entscheiden?

Da er doch mit dir übereinstimmt, wie kann er entscheiden?

Oder sollen wir einen holen, der mit mir übereinstimmt?

Da er doch mit mir übereinstimmt, wie kann er entscheiden?

Sollen wir einen holen, der von uns beiden abweicht, um zu entscheiden?

Da er doch von uns beiden abweicht, wie kann er entscheiden?

Oder sollen wir einen holen, der mit uns beiden übereinstimmt, um zu entscheiden?

Da er doch mit uns beiden übereinstimmt, wie kann er entscheiden?

So können also ich und du und die andern einander nicht verstehen, und da sollten wir uns von etwas, das außer uns ist, abhängig machen?

Vergiß die Zeit!

Vergiß die Meinungen!

Erhebe dich ins Grenzenlose!

Und wohne im Grenzenlosen!

...

<<

Seite 50/51 in Dschunag Dsi, Das Wahre Buch vom südlichen Blütenland, Bücher der Weisheit, 1969 Diederichs verlag München, aus dem Chinesischen übertragen und erläutert von Richard Wilhelm.

Auch René Descartes befaßte sich kurz mit demn Fragen, welche der chinesische Philosoph Dschunag Dsi obig aufwarf:

>>

...

5. Was also habe ich vordem zu sein geglaubt? Doch wohl ein Mensch! Aber was ist das „ein Mensch"? Soll ich sagen: ein vernünftiges lebendes Wesen? Keinewegs, denn dann müßte man hernach ja fragen, was „ein lebendes Wesen" und was „vernünftig" ist und so geriete ich aus einer Frage in mehrere und noch schwierigere. Auch habe ich nicht so viel Zeit, daß ich sie mit derartigen Spitzfindigkeiten vergeuden möchte. Lieber will

...

<<

Descartes, René , "Meditationen über die Grundlagen der Philosophie", in dritter Auflage, neu übersetzt und mit ausführlichen, auf Decartes' eigene Schriften gestützten, Kommentar herausgegeben von Dr. Artur Buchenau, Leipzig, Verlag der Dürr'schen Buchhandung, 1904, siehe Seiten 1,2,3,4,5,6, 7,8

 

>>

...

Vergiß die Zeit!

Vergiß die Meinungen!

Erhebe dich ins Grenzenlose!

Und wohne im Grenzenlosen!

...

<<

Seite 50/51 in Dschunag Dsi, Das Wahre Buch vom südlichen Blütenland, Bücher der Weisheit, 1969 Diederichs verlag München, aus dem Chinesischen übertragen und erläutert von Richard Wilhelm.

 

9 )

Betreffs: "Am Anfang war all dies Geist"

>>

...

126

 

Die Zeit der Hymnen des Ṛigveda.

...

Wir versuchen zum Schlusse eine metrische Ubertragung, bemerken aber, daß keine Übersetzung der Schönheit des Orginals je genugtun wird.

 

Ṛigveda 10,129.

 

1. Damals war nicht das Nichtsein, noch das Sein,

Kein Luftraum war, kein Himmel drüber her. —

Wer hielt in Hut die Welt; wer schloß sie ein?

Wo war der tiefe Abgrund, wo das Meer?

 

2. Nicht Tod war damals noch Unsterblichkeit,

Nicht war die Nacht, der Tag nicht offenbar. —

Es hauchte windlos in Ursprünglichkeit

Das Eine, außer dem kein andres war.

 

3. Von Dunkel war die ganze Welt bedeckt, ,

Ein Ozean ohne Licht, in Nacht verloren; —

Da ward, was in der Schale war versteckt,

Das Eine durch der Glutpein Kraft geboren.

 

4. Aus diesem ging hervor zuerst entstanden,

Als der Erkenntnis Samenkeim, die Liebe; —

Des Daseins Wurzelung im Nichtsein fanden

Die Weisen, forschend, in des Herzens Triebe.

 

5. Als quer hindurch sie ihre Meßschnur legten.

Was war da unterhalb? und was war oben? —

Keimträger waren, Kräfte, die sich regten,

Selbstsetzung drunten, Angespanntheit droben.

 

 

127

Der Schöpfungshymnus, Ṛigv. 10,129.

 

6. Doch, wem ist auszuforschen es gelungen,

Wer hat, woher die Schöpfung stammt, vernommen ?

Die Götter sind diesseits von ihr entsprungen!

Wer sagt es also, wo sie hergekommen? —

 

7. Er, der die Schöpfung hat hervorgebracht,

Der auf sie schaut im höchsten Himmelslicht,

Der sie gemacht hat oder nicht gemacht,

Der weiß es! — oder weiß auch er es nicht?

...

<<

Deussen, "Allgemeine Geschichte der Philosophie", Erster Band, erste Abteilung, "Allgemeine Einleitung und Philosophie des Veda bis auf die Upanishad's", 5.Auflage, Leipzig, Brockhaus, 1922, Seite 126/127

 

Auch interessant hierzu Chânodgya-Upanishade's Lektion 7.

 

 

 

10  Wenn eine Person gegen seinen Willen oder auch gegen seine Entscheidung oder auch Absicht in eine entsprechende Meditation initiiert wurde. Dies betriftt selbstverständlich eine zentrale Meditationsübung des Laya-Yoga. Man vergleiche dazu etwa "Achtes Kapitel, Der Laya-Yoga, Die Praxis des Yoga durch die feineren Kräfte der Natur"* und so wäre es nunmal nicht notwendigerweise und möglicherweise keinesfalls anzunehmenderweise so, daß sich die betreffende Person dafür "interessieren" müßte oder auch täte; es wäre aber sicherlich richtig zu sagen, daß es so jemanden was "angehe" oder, anders gesagt, "betrifft".

Selbstverständlich kann man abstrakterweise sich auch mit Dingen befassen, die einen gar nicht interessieren, aber etwas angehen. Beispielweise betrifft das Richter, die sich mit Dingen zu befassen haben, die sie als solche, isoliert bzw außerhalb des Gerichtsaals betrachtet, nunmal gar nicht interessieren.

Deshalb wurde hier so übersetzt, wie vom Autor dieser WEBSeite übersetzt wurde.

 

 

 

*)

>>

...

Achtes Kapitel

 

Der Laya-Yoga

 

Die Praxis des Yoga durch die feineren Kräfte der Natur

 

...

Wie Mantra- und Haṭha-yoga hat auch der Laya-yoga besondere Eigentümlichkeiten. Oberflächlich betrachtet beschäftigt sich der Laya-yoga mit den physischen Kräften und Funktionen des Körpers. Der Mantra-yoga hat verhältnismäßig engere Verbindung mit den Kräften , außerhalb des Körpers wirkend, ihn aber eng beeinflussend. Der Laya-yoga handelt von den übersinnlichen, intangibeln Pīṭhas und den Sūkṣma-Kräften und Funktionen, die in ihrer Feinheit über das Reich der physischen Beonachtung hinaus liegen, die in der inneren Welt des Körpers tätig sind. Im Haṭha-yoga ist die Betrachtung des Lichtes vorgeschrieben, im Mantra-yoga die des materiellen Bildes als Symbol göttlicher Kräfte, für die es im Laya-yoga keinen Platz gibt. Im Laya-yoga wird die Prakṛti-śakti in der Form der Kulakuṇḍalinī 9) im Körper des Yogin allmählch erweckt durch stetige Praxis, und zwar an dem Orte zwischen den Augenbrauen als jyotimatī (lichtvoll), frei von materieller Befleckung. Wenn diese (jyotiṣmatī) durch Praxis und Betrachtung stetig und fest wird, wird sie Bindu-dyāna¹º) genannnt (Betrachtungspunkt).

 

Die Praxis des Bindu-dyāna ist eine Hauptübung des Laya-yoga. Außerdem gibt es im Laya-yoga noch besondere Eigenheiten, bei deren Durchgehen man leicht sieht, daß das System der Laya-yoga-Praxis feiner ist und höher geht als das vorangehende.

...

Das achte Aṅga ist Laya-kriyā (Laya-Werk) mit der wundervollen Wissenschaft über die verborgenen Kräfte von Leben und Natur. Die Übungen von Laya-kriyā sind so hehrer transzendentaler Art, daß es unmöglich ist, auch nur eine oberflächliche Idee davon in Worten zu geben. Sie können einzig und allein von den Meistern erlernt werden, wie denn überhaupt keiner den praktischen Yoga üben kann, der nur die Abhandlungen darüber kennt und liest.

...

>>

Abs, Pater Josef, "Indiens Religion, der Santana-Dharma, Eine Darstellung des Hinduismus", übersetzt und erläutert vom Kapuziner-Pater Josef Abs, erschienen bei Kurt Schroeder in Bonn/Lepizig, 1923, Seite 46 bis 50

Es sei hervorgehoben:

>>

...

...Die Übungen von Laya-kriyā sind so hehrer transzendentaler Art, daß ...

...

<<

Abs, Pater Josef, "Indiens Religion, der Santana-Dharma, Eine Darstellung des Hinduismus", übersetzt und erläutert vom Kapuziner-Pater Josef Abs, erschienen bei Kurt Schroeder in Bonn/Lepizig, 1923, Seite 50, letzter Abschnitt

Wegen obigem "...Die Übungen von Laya-kriyā sind so hehrer transzendentaler Art, daß ..." ist es rein formalsprachlich zutreffend, daß eine zentrale Meditationsübung des Laya-yoga, gemäß "Indiens Religion, der Santana-Dharma, Eine Darstellung des Hinduismus, übersetzt und erläutert vom Kapuziner-Pater Josef", als eine "Transzendentale Meditation" bezeichnet werden kann und dies eine sehr passende Bezeichnung sein würde.

Dies wurde oben (wo per der Fußnote * verwiesen wird) ausgesagt, nicht mehr und nicht weniger.

 

11) Betreffs “Arisch-denkende Menschen” sei angemerkt:

a) Gemäß Leopold von Schroeder, aber auch Anderen, waren die Arier ein Volk, aus dessen Mitte dann mal Zarathustra hervortrat.

In der Folge spaltete sich das Volk in die AnhängerInnen des Zarathustra und jene, die bei ihrer alten Lehre, dem Rig-Veda bleiben  wollten.

Letztere zogen in den Punjab und hießen fortan "die Inder".

Erstere blieben in der angestammten Heimat (waren insofern anscheinend die Mehreren oder auch Mächtigeren) und hießen dann "die Perser". Die Perser nahmen später dann den Islam an und heute heißt deren Staat "der Iran".

Shankara spielt hier anscheinend auf etwas an, was er für einen wichtigen oder auch den entscheidenden Unterschied zu den Lehren des Zarathustras, jenem - zur Zeit der Spaltung des Zendvolkes - neuen Interesse der Perser, erachtet.

"Früher", als sie noch das Zendvolk, das Volk der Arier - und sich einig - waren, habe man das eben so verstanden und so gehalten, daß Streben nach Erlösung etc wichtiger sei, als wie eine Suche nach dem Ursprung der Schöpfung.

Gemäß Shankara wäre es so, daß jemand im Sinne des Zendvolks dachte oder auch gar als wie einer der Ihrigen angesehen wurde, wenn er sich nicht für den Ursprung der Schöpfung interessierte, sondern sich um Befreiung von Leiden, Sorgen, Krankheit und Tod kümmerte und es das war, was für primär von Wichtigkeit im Leben war.

Letzteres könne man erreichen, weil er es, der Überlieferung nach erreichte so wie einst auch Buddha, gemäß der überlieferten Aussagen des Buddha betreffs seines Versuches, einen Ausweg aus Krankheit, Leiden und Tod zu finden.

Ersteres hingegen, wäre, angesichts des von Ihm gewußterweise Erreichbaren, dann doch auch gar nicht mehr so wichtig. Die westliche Wissenschaft versucht sich insbesondere seit Galilei daran und auch nach all diesen Jahrhunderten, hat man noch keine umfassende Anwort finden können; insofern kann es, betreffs der einzelnen Menschen, nicht als Ausweg aus Krankheit, Leiden und Tod angesehen werden.(Hinzu kommt noch all das Unheil, das dieses Art von "westlicher Wissenschaft" über die Natur, Pflanzen- und Tierwelt, aber auch die Menschen gebracht hat. Umweltvergiftung, kaputtes Klima, Existenz schrecklicher und immer noch schrecklicherer Waffensysteme, usw.)

In diesem Sinne ist zu verstehen, was mit "arisch-denkende" Menschen gemeint ist und war. (Auch in diesem Sinne des Shankara, waren die FanatikerInnen des 3.Reichs in Deutschland weitest entfernt von Ariertum und was sie verehrten war alles Andere nur nicht Arisches denken.).

Das Zendvolk war nichts anders als das Volk der "Arier" (insofern so ziemlich anders als "blond und blauäugig").

 

b) Herr Vedveer Arya aus Indien befaßt sich derzeit mit dem Thema des Ursprungs der "indogermanischen Sprachen": "Original Homeland of Indo-Europeans".
Auch er erwähnt darin die "Zendsprache", dh die Sprache des "Zendvolkes".

 

Weitere Literaturhinweise zu dieser Thematik:

c) Die Arier waren das Zendvolk, welches sich infolge von Zarathustra in Perser und Inder spaltete, erwähnt Leopold von Schröder.

Man findet dies auch bei Edward James Rapson:

>>

...

ANCIENT INDIA

4

…

The evidence of language proves conclusively,for instance, that a particularly intimate connexion must have existed between the Persian and Indian branches of the Indo-European family. The similarity in language and thought between their most ancient scriptures the Persian Avesta and the Indian Rig-veda, can only be explained on the supposition that these two peoples, after leaving the rest of the family

 

 

SOURCES OF HISTORY

5

had lived in association for some considerable

period, and that the separation between them had

taken place at no very distant period before the

date of the earlier of the two records, the Rigveda. In the following pages we shall be chiefly concerned with this particular group of the Indo-European family, which is usually designated by the term ‘Aryan,’ the name which both peoples apply to themselves (Avestan Airya=Sanskrit Ārya). ...

...

<<

Rapson, Edward James, "FROM THE EARLIEST TIMES TO THE FIRST CENTURY A.D.", by E. J. RAPSON, M.A., PROFESSOR OF SANSKRIT IN THE UNIVERSITY OF CAMBRIDGE AND FELLOW OF ST JOHN’S COLLEGE, Cambridge; at the University Press, 1914. First edition 1914, Reprinted 1914.

siehe zB.: Library of Congress

https:/ /www.loc.gov/item/14030913/

www. Archive.org

Es ist auch "online lesbar" via der Bayerischen Staatsbibliothek

https:/ /www.bsb-muenchen.de

Usw.

Zur Person von Edward James Rapson siehe beispielsweise:

https:/ /www.deutsche-biographie.de/117690511.html

https:/ /www.britishmuseum.org/collection/term/BIOG97363

https:/ /en.wikipedia.org/wiki/E._J._Rapson

 

d) Eine Andere Quelle betreffs dieser Thematik ist das Buch:

"The History of Aryan Rule In India: From The Earliest Times To The Death of Akbar ", von E. B. Havell.

Siehe z.B.:

>>

…

it was Aryan culture which gave India its high place among the civilisations of the world and inspired its greatest intellectual achievements. But many modern writers of Oriental history proclaim as the latest discovery of science that the early Aryan invaders of India, who won the undying veneration of the people as mighty seers and leaders of men, were only successful soldiers, versed in the arts of chivalrous warfare, and that they borrowed their finer culture from the Dravidians, and other civilised races

 

vii

 

ARYAN RULE IN INDIA

they conquered. Almost they would persuade us that the intellectual, high-souled Aryan is a m3rth, or reduce the historical sum of Aryan achievements to the common factor that might is right and military despotism the best of all possible governments.

…

viii

…

 

ARYAN RULE IN INDIA

Modern archaeological research has thrown much Ught upon the history of the Aryans in Western Asia. In the second millennium B.C., or when the Aryans were pushing their way into Northern India, the Mitannians, an Aryan people worshipping the nature-spirits of the Vedas, Surya, Varuna, and Indra, had founded a powerful kingdom between the Tigris and Euphrates, and the old Vedic tradition of the conflicts between the Devas and the Asuras can perhaps be referred to the struggles between the Aryan worshippers of Surya and the Semites of Assyria, who became subject to the kings of Mitanni. About 1746 B.C. the Kassites, another branch of the Aryans, made themselves masters of Babylon, and thus an Aryan dynasty ruled over Babylonia for the following six hundred years. During these centuries it is more than probable that the Aryans of Mesopotamia assisted in the colonisation of the

 

4

 

ARYANS AND NON-ARYANS

…

The theory that the Aryans, when first known to history, were semi-barbaric tribes who borrowed their civilisation from the more cultured races they conquered, both in India and in Europe, seems to be formed upon a wrong judgment of the archaeological evidence. The Vedas — ^the bedrock of Indo- Aryan civilisation — are not the literature of an uncultured people, and they certainly are, on the whole, Aryan and not borrowed from Dravidian or other sources. They represent the culture of a race of warrior-poets and philosophers who despised the arts of commerce and lived mostly by agriciilture, with one hand on the sword and the other on the plough. They built no temples, but worshipped nature-spirits with simple sacrificial rites which would leave little traces behind them for archaeological explorers to analyse.

…

5

...

<<

Havel, Ernest Binfield, "The History of Aryan Rule in India - from the earliest times to the death of Akbar", by E.B. Havell, London, Gerige G. Harrap & Company Ltd. 2 & 3 Portsmouth Street Kingsway W.C., MCMXVIII

siehe z.B.:

https:/ /www.loc.gov/item/19002934/

https:/ /archive.org/details/cu31924023969805

 

Zur Person des Ernest Binfield Havell siehe beispielsweise:

https:/ /en.wikipedia.org/wiki/Ernest_Binfield_Havell

https:/ /discovery.nationalarchives.gov.uk/details/c/F51762

https:/ /www.nli.org.il/en/a-topic/987007271648905171

 

 

 

 

Sri Aurobindo's Übersetzung der Mândûkya-Upanishade, des Kommentars von Gaudpada sowie Shankara's Kommentar dazu (vom Autor dieser WEBSeite ins Deutsche übersetzt.)

 

 

¹² vgl. Kena-Upanishade; z.B.:

>>

...

Vers I.7

Weiß und erlange die Gewißheit, daß nur das das Brahman ist, was mit den Ohren nicht gehört werden kann, aber wodurch die Ohren fähig sind zu hören und nicht dieses, welches (Leute) verehren, anbeten oder dem sie auch Ehre bzw Achtung erweisen oder dem sie eventuell auch mit gottesdienstlichen oder auch götzendienstlichen Handlungen huldigen bzw zu huldigen versuchen.

...

<<

https://klassische-indische-texte-91-19i.de/kena_upanishade_mit_shankara_s_kommentar.html

 

¹³ vgl. Kena-Upanishade.

Das eine Turiya erscheint, so drückt es die Mandukya-Upanishade aus, als Wachen, Träumen und Schlafen. Aber das Vierte, das Turiya kann durch richtige Meditation erkannt werden und insofern ist eben auch der Zustand des Vierten als Samadh, als Turiya ein natürlicher Zustand der Lebewesen, der nicht minder natürlich ist als wie Wachen, Täumen und Schlafen. So wie Schlafmangel oder auch Schlafentzug, Traumphasen-Entzug und Entzug des Wachens einen Mangel an Leben mit sich bringen bzw darstellen, so ist es, anzunehmenderweise, auch bei Turiya-Zustand-Vernachlässigen oder auch Turiya-Entzug und sei es per absurder Argumente oder auch Maßnahmen gegen die Realität des Turiya.

In der Kena-Upanishade wird dieselbe Realität etwas anders ausgedrückt. Aber es gibt eben auch klare Gemeinsamkeiten wie es eben hier die Ausdrucksweise "der Seher, der Sehende, das Sehen im Auge" ist. Daher ergänzen sich diese Upanishaden samt Shankars's Kommentar zu den beiden Upanishaden und darüberhinaus auch noch Gaudapada's Karika; insgesamt wird es dadurch leichter das Thema der Upanishaden zu verstehen bzw sich ein angemessenes Verständnis zu erarbeiten.

 

¹⁴ Vergleich mit den Patañjali Yogasutren:

In Shankara's Kommentar zur Mandukya.Upanishade heißt es:

"...Und dies geschieht, weil die Vorgänge im Geist sowie die Aktivitäten des Geistes zur Ruhe gekommen sind und insofern nicht da sind;..."

Vergleich dazu: "Patañjali-Yogasutren", Kapitel I, Vers 1.2 und 1.3.

siehe z.B.: Bäumer, Bettina, Patañjali "Die Wurzeln des Yoga - Die klassischen Lehrsprüche des Patañjali mit einem Kommentar von P.Y. Despende, Mit einer neuen Übertragung der Sutren aus dem Sanskrit", herausgegeben von Bettina Bäumer, Otto Wilhelm Barth Verlag, 1999 , Seite 21

Swami Vivekananda und Prof. Dr.Paul Deussen übersetzten mit "concentration" bzw

 

>>

... 

"1,2. Der Yoga ist die Unterdrückung der Funktionen des Bewußtseins."

 

Anmerkung zu Vers 1.2 von mir, dem Verfasser dieser Webseite: "Unterdrückung" meint hier das Erreichen des Vierten, des Turiya, wie es zB in der Mandukya-Upanishade ausgiebig beschrieben wird. Insofern geht es um ein Heraustreten aus den Bereichen von Wachen,Träumen und Schlafen. Aus der Sicht von jemand, der nicht weiß, nicht erfahren hat, daß das natürlich und einfach zu erreichen ist, erscheint es als ein "Überwinden" von Wachen, Träumen und Schlafen bis zu einem eventuell ja denkbar-möglichem Erreichen des Vierten, des Turiya. Es ist der Sinn und Zweck von Meditation in den Zustand jenes Vierten zu gelangen; die Lehre der TM-Meditation, jener "Transzendentalen Meditation" ist dabei, daß dies auf natürliche, mühelose Art und Weise möglich ist. Und bei der "Unterdrückung" irgendwelcher Stör- oder auch Rausch-Geräusche in einem Video durch eine Videobearbeitungssoftware, des Flimmern der Atmosphäre bei Aufnahmen durch große Sternwarten geht es auch nicht um "Gewaltsames". Durch geeignete Technik ist das eben unproblematisch zu erreichen. "Zur-Ruhekommen" wäre eine passende Bezeichnung, wobei das aber uU dann nicht auf jeden Weg zum Samadhi passen könnte. Wenn jemand einen "religiösen Weg" beschreitet (siehe dann zB. Vers 1,23) und dazu aufwendige Opfertätigkeiten vollbringt (zB caritative Aufgaben, ehrenamtliches Nachbarschaftshilfe-Engagement, usw) so wird er da bisweilen andere "Interessen" hinten an stellen und bisweilen evtl auch - in dem Sinne, daß er an irgendeinem Tag, zu diesem ehrenamtlichen Engagement, mal absolut gar keine Lust hat, aber halt muß, weil jemand anders da von Ihm abhängig ist und er jene soziale Verpflichtung nunmal eingegangen war, - zu "unterdrücken". - Ende meiner Anmerkung.

"1,3. Dann wird erreicht das Bestehen des Sehers (des Purusha) in seiner eigenen Natur."

…

<<

Deussen, Dr. Paul, „Allgemeine Geschichte der Philosophie", Bd I.3, „Die Nachvedische Philosophie der Inder, nebst einem Anhang über die Philosophie der Chinesen und Japaner", vierte Auflage,Leipzig/F.A. Brockhaus 1922, Seiten 511, 512; allgemein Seiten 507 - 578

"...dies ohne einer Möglichkeit einer Trennung sowie Absonderung oder auch einer Unterscheidung sowie einem Unterschiedensein [als ein Einsseiendes]...." heißt es in Shankara's Kommentar zur Mandukya-Upanishade.

"Das Eine ohne ein Zweites" ist nunmal das Thema im Vedanta und auch dieser Upanishade.

Siehe auch "Nirvanashatakam" mit der Gegenüberstellung zu frühen Texten betreffs der Lehren des Buddha und beachte Fußnote ¹⁵ .

 

 

 

 

¹⁵ Vergleich mit den Patañjali Yogasutren und diesbezüglicher Hinweis zur Bhagavad Gita:

Diese Fußnote bezieht sich auf folgende Textstellen:

>>

...

1. Da gibt es Vishwa den[/die/das] Lord, der alles durchdringt und sich der Außenwelt bewußt ist, Taijasa der[die/das] der Innenwelt bewußt ist und außerdem noch Prajna indem [/worin] Bewußtsein (verdichtet ist und) sich in sich selbst zurückzieht; Das Selbst zeigt sich dem Gedächtnis als ein Einziges in drei Beschaffenheiten, in drei Zuständen.

...

<<

 

>>

...

4. Durch das Aufhören sowie zur Ruhe kommen jenes Vorgangs, der Erinnern sowie Gedächtnis genannt wird, wird alsdann Prajna, sei es im Äther oder auch Herzen, vereinigt bzw zu einer Einheit oder auch, sozusagen, zu verdichtetem Bewußtsein, das sich in sich selbst zurückgezogen hat.

...

<<

 

>>

...

Es folgt daraus, daß das lenkende, regierende Selbst in jedem der Fälle und in den Erfahrungen der umgrenzten und umschriebenen körperlichen Selbstsucht ein- und dasselbe ist; daher sind die zuvor an früherer Stelle gegebenen Beschreibungen von Prajna, wonach Prajna ein Einiges, Einsseiendes oder auch verdichtetes und auf sich selbst gesammeltes, (entspannt) konzentriertes Bewußtsein oder auch in sich selbst konzentriertes Bewußtsein sei udgl.

...

<<

 

 

Teil I der Anmerkung: 

Insofern zB auch

* „ruhevolle Wachheit“(vgl.Mr. Mahesh, Lehre zur "Transzendentalen Meditation"

* "entspannte Konzentriertheit" oä (vgl. Klein Prof. Dr. med. Gernot, und Hoffbauer, Dr. med.Gabi, u.a., "Grosses Buch der Heilmethoden", ISBN 3-426-66431-301)

* vgl. auch:  Bäumer, Bettina, Patañjali "Die Wurzeln des Yoga - Die klassischen Lehrsprüche des Patañjali mit einem Kommentar von P.Y. Despende, Mit einer neuen Übertragung der Sutren aus dem Sanskrit", herausgegeben von Bettina Bäumer, Otto Wilhelm Barth Verlag, 1999 , Seite 21, Verse 1 bis 4, insbesondere Vers 2 und 3.

* Patañjali-Yogasutren, Prof. Deussen's Übersetzung und Ausführungen dazu

aus: Deussen, Dr. Paul, „Allgemeine Geschichte der Philosophie", Bd I.3, „Die Nachvedische Philosophie der Inder, nebst einem Anhang über die Philosophie der Chinesen und Japaner",  vierte Auflage,Leipzig/F.A. Brockhaus 1922

>>

...

"1,1. Nunmehr die Belehrung über den Yoga."

 

"1,2. Der Yoga ist die Unterdrückung der Funktionen des Bewußtseins."

"1,3. Dann wird erreicht das Bestehen des Sehers (des Purusha) in seiner eigenen Natur."

"1,4. Im andern Fall teilt er die Natur der Funktionen."

"1,5. Die Funktionen sind fünffach, bedrückt und nicht-bedrückt (mit den kleça's behaftet oder nichtbehaftet)."

"1,6. Sie sind: [richtiges erkennen durch die] Erkenntnisnormen, Verkehrtheit, Annahme, Schlaf, Erinnerung."

"1,7. Die Erkenntnisnormen sind: Wahrnehmung, Folgerung, Überlieferung."

…

<<

Deussen, Dr. Paul, „Allgemeine Geschichte der Philosophie", Bd I.3, „Die Nachvedische Philosophie der Inder, nebst einem Anhang über die Philosophie der Chinesen und Japaner", vierte Auflage,Leipzig/F.A. Brockhaus 1922, Seiten 511, 512; allgemein Seiten 507 - 578

 

* Seiten 117 bis 125, Vivekananda, Swami, "Rāja-Yoga - mit den Aphorismen des Patañjali", Herausgegeben von Emma von Pelet, Verlag Hermann Bauer KG, Freiburg, Br., ISBN 3-7626-0410-X; Lt. Deutscher Nationalbibliothek lebte Frau Emma von Pelet von 1892 bis 1967; (vgl.: https:/ /portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&cqlMode=true&query=idn%3D1045592358 ; Link vom 14.3.2026)

Prof. Dr. Paul Deussen befragte Svāmi Vivekananda betreffs der Lehren des Patañjali, als er Svāmi Vivekananda zu sich nach Kiel eingeladen hatte und Svāmi Vivekananda die Einladung angenommen hatte, notabene.

In den gesammelten Werken des Vivekananda findet man, ergänzt durch ausführliche Erläuterungen, folgende Übersetzung.

>>

...

1. Now concentration is explained.

2. Yoga is restraining the mind-stuff (Chitta) from taking various forms (Vrittis).

3. At that time (the time of concentration) the seer (Purusha) rests in his own (unmodified) state.

4. At other times (other than that of concentration) the seer is identified with the modifications.

5. There are five classes of modifications, (some) painful and (others) not painful.

6. (These are) right knowledge, indiscrimination, verbal delusion, sleep, and memory.

...

<<

vgl.: https:/ /ramakrishnavivekananda.info/vivekananda/complete_works.htm
im Volume I und da im Kapitel "Raja-Yoga"

(Eine Ähnlichkeit zu Prof. Deussen's Übersetzung fällt durchaus auf.)

 

Für den englischen Begriff "concentration" findet man in Englisch-Deutsch Wörterbüchern, die der Lebenszeit des Svāmi Vivekananda entsprechen das Folgende:

 

Concentra’tion s. Concentration

64

Dr. Friedrich Köhler

 

Concentrate, ..., v.a. 1. konzentriren, zusammendrängen, verreinigen (Truppen,Sonnenstrahlen ϰ.). 2. [Ehem. konzentrieren, verstärken (Säuren ϰ.).

181

Grieb (1842)

 

Concentration, ,(konsentrēišǝn) [s.d.v.u. -ation] s.1. die Konzentrierung, Zusammendrängung, Vereinigung. 2. [Ehem.] die Konzentrierung, Verdichtung, Verdampfung.

214

Grieb/Schröer

 

concentre (kon-ßen'tr) konzentrieren; zusammentreffen.

20

Dr. Francis Ising

concentre, -ter, (...) [s. con. u. center] v.n. -+ u. ±sich nach einem gemeinschaftlichen Punkte zusammenrichten, in einem gemeinschaftlichen Mittelpunkt zusammentreffen (von Linien ϰ.). ~ v.a. in einem gemeinschaftlichen Punkte vereinigen, konzentriren.

214

Grieb/ Schröer

To Concen'trate, v.a. 1. concentrieren, zusammenziehen; 2. verdichten

189

Flügel

122

 

Concentra'tion, s. 1. die Zusammenziehung, 2.Chem. die Verstärkung, Concentration.

 

189

Flügel

122

Concen'trativeness, s. Phren . die Vergleichungsgabe, der Einheitstrieb, vergleichende Scharfsinn.

189

Flügel

122

 

To Concen'tre, v.a. & n0.lit. & fig. (sich) concentrieren; ...

189

Flügel

122

 

Teil II der Anmerkung: 

Die Ausführungen von Grieb, überarbeitet von Schroer, zum Ursprungswort von "concentration", nämlich "concentre" bieten dabei eine Chance die verschiedenen Auffassungen oder auch lediglich verbal etwas verschiedenen Übersetzungen zusammen zu bringen:

Atman/Brahman ist das "Eine in allem und jedem" und insofern außer, daß es eben im Zustand des Turiya eines x-beliebigen Lebewesens Realität ist, ist es auch durchaus "das Gemeinsame".

Sich in den Zustand des Turiya zu begeben ist insofern natürlicherweise ein Sich-Ausrichten auf dieses Eine, ein Vorgang des Sich-Sammelns; weil es das Eine in Allem und Jedem ist und es insofern ein "sich nach einem gemeinschaftlichen Punkte Zusammenrichten, in einem gemeinschaftlichen Mittelpunkt Zusammentreffen" und in gewisser Weise durchaus auch sowas wie ein "in einem gemeinschaftlichen Punkte Vereinigen, konzentriren."

Allerdings ist es so, daß wenn die Erkenntnis wahrheitsgemäß und real erlangt wird, daß dieses Selbst, dieses tiefe Ruhen in sich selber, das man von eigener Meditationsausübung her kennenlernte dasselbe (ohne ein Zweites, ohne Getrenntheit sowie Verschiedenheit - wahrgenommen per der Erfahrung reinen Bewußtseins/Turiya) ist, das tief im Gegenüber ist, das eine andere Person bei richtiger Meditationsausübung erfährt (...man sieht - nach Erlanghaben dieser Erkenntnis, daß das seltsame klare sehen, hören usw  daran liegt, daß man dasselbe im Gegenüberseienden wahrnimmt, was man in sich wahrnahm, nachdem man, meditierend, in sich vollkommen zur Ruhe gekommen war und sich jenes transzendentale Bewußtsein jeweils eingestellt hatte -  in "Begriffen des Selbst im Lichte reinen Bewußsteins"), erkennt man simultan mit dieser Erkenntnis auch, daß man selber dieses Eine nicht ist, daß es einem auch nicht gehört, es kein Eigentum von einem selber ist und sein können kann.

Es ist ein transzendentales Bewußtseins jenseits Wachen, Träumen und Schlafen, welches das eine Selbst aller Lebewesen einem sozusagen sichtbar werden läßt.

Man ist evidenterweise weder das Wachen, Träumen noch Schlafen; man sagt. man ist im Wachzustand, Traumzustand, Schlafzustand; analog heißt es betreffs des Zustands des Turiya, des Samadhi, daß man im Zustand des Turiya, des Samadhi sei.

 (vgl. Kena- Upanishade mit Shankara's Kommentar)

Betreffs Laya-Yoga und des dortigen Gebrauchs des Begriffes "transzendental" un daß die zentralen Methode des Laya-yoga transzendental seien, insofern eine zentrale Meditationsübung des Laya-yoga passenderweise eine "Transzendentale Meditation"  genannt werden kann, siehe "Halle aller Religionen - der Santana dharma", dankenswerterweise übersetzt ins Deutsche vom Kapuzinerpater Josef Abs, erschienen 1923 bei Kurt Schröder.

 

Zum Begriff "transzendieren" siehe auch z.B.:

Siehe dazu auch "A Note On The Chandoyga Upanishad, First Adyaya":

>>

...

Note On The Chandoyga Upanishad

 First Adyaya

...

Die Chhandogya, so zeigt es sich uns von dessen ersten und einführenden Sätzen, soll ein Werk, betreffs des richtigen und perfekten Weges, sich dem Brahman zu widmen, sein; der Geist, die Methoden, die Formel dafür werden uns gegeben, für uns bereitgestellt. Sein Gegenstand ist das Brahman, aber das mittels der Silbe Om symbolisierte Brahman, die heilige Silbe des Veda; [es geht ] daher, nicht nur um den puren Zustand universeller Existenz, sondern um jene Existenz in all dessen Teilen, der Welt des Wachseins, das Selbst der Träume und des Schlafens, das manifeste, halb-manifeste und verborgene, Bhurloka, Bhuvar und Swar. — die richtigen Mittel, um all diese als Gewinn zu haben/zu leben, sich all dieser zu erfreuen aber auch all diese zu transzendieren, ist die Chhandoyga. OM ist das Symbol und das was es symbolisiert. Es ist dieses Symbol, akṣaram.

...

<<

Übersetzung ins Deutsche vom Verfasser dieser WEBSeite; übersetzt wurde ein englischsprachiger Text (ohne dazu irgendwie autorisiert worden zu sein und insofern nicht im Auftrag von Shri Aurobindo oder sonst Jemandem) aus:

Shri Aurobindo, The Upanishads, texts, translations and commentaries, Govt. College Libraries. Kota (Raj.).

Volume 12, Sri Aurobindo Birth Centenary Library - Popular Edition, © Sri Aurobindo Ashram Trust, 1972, Published by Sri Aurobindo Ashram Pondicherry, Reproduced at the All India Press, Pondicherry, India, Seite 383.

Übersetzungshinweise dazu:

Sri Aurobindo gebrauchte u.a. folgende Ausdrucksweise:

>>

...

The Chhandogya, we see from its first and introductory seotences, Is to be a work on the right and pcrfcct way of devoting oneself to the Brahman; the spirit, the methods, the formulae are to be given to us. Ils subject Is the Brahman, but thc Brahman as symbolised in the OM, ...

...

<<

Übersetzung ins Deutsche vom Verfasser dieser WEBSeite; übersetzt wurde ein englischsprachiger Text (ohne dazu irgendwie autorisiert worden zu sein und insofern nicht im Auftrag von Shri Aurobindo oder sonst Jemandem) aus:

Shri Aurobindo, The Upanishads, texts, translations and commentaries, Govt. College Libraries. Kota (Raj.).

Volume 12, Sri Aurobindo Birth Centenary Library - Popular Edition, © Sri Aurobindo Ashram Trust, 1972, Published by Sri Aurobindo Ashram Pondicherry, Reproduced at the All India Press, Pondicherry, India, Seite 383.

 

Betreffs des benutzten Wortes "devote" und der, vom Autor dieser WEBSeite, gewählten Übersetzung ins Deutsche sei hier angemerkt:

Vokabel                                       Seite AutorIn

devoted (di-wou'tid) geweiht; ergeben.

28

Dr. Francis Ising

devotedness Hingebung f.

28

Dr. Francis Ising

devotion (di-wou'ßchn) Andacht; Aufopferung; Ergebenheit f.

28

Dr. Francis Ising

Devoted; a., -ly adv. ergeben, fromm; verflucht; -ness s. Ergebenheit.

Dr. Friedrich Köhler

 

Sich exakt an die Prinzipien der Mathematik zu halten, ist auch eine Form von "Ergebenheit"; engagiert sich einer mathematischen Aufgabenstellung zu widmen, ist auch eine Form der "Hingabe" sowie "Ergebenheit" und sei es ein Pflegen der Hingabe an völlig unpersönliches und unvoreingenommenes Objektsein, Sachlichbleiben, Logikkonform-Bleiben.

Das gilt also nicht nur im religiösen Bereich und insofern hat es bicht not-wendigerweise eine "religiöse Komponente", was Sri Aurobindo hier schrieb.

Auch Sir Aurobindo wußte sehr genau, daß Hatha-yoga nicht gleich Laya-yoga ist und daß Raja-yoga wieder etwas anders ist. Für dieses Thema bietet sich das Buch von Pater Josef Abs "Halle aller Religionen - der Sanatana Dharma" (aus dem Kurt Schroeder Verlag, 1923) an.

 

Interessant auch der Vergleich zu Chândoyga Upanishad siebente Lektion (... als der Schüler Narada endlich zufrieden war und nicht mehr weiter nachfragte, "ob es nicht noch etwas gäbe, das größer wäre als.... ")

 

Teil III der Anmerkung:

Betreffs dieser Darstellung des gefestigten, befestigten Geistes vergleiche man zB in der Bhagavad Gita die folgenden Verse anhand von existenten Übersetzungen ins Deutsche von Prof. Dr. Paul. Deussen, Dr. Franz Lorinser (mit dessen Kommentar) und Leopold von Schroeder. Insbesondere sei auch auf die Übersetzung ins Deutsche mit Shankara's Kommentar verwiesen. (Riemand, Gerhard und Dünnebier, Jürgen, "Bhagavad Gita: der vollständige Text mit dem Kommentar Shankaras", Dromer Knaur, 1989, ISBN-10: 3426264471)

>>

...

17

Bhagavad Gita

...

Arjuna sprach:

54. (932.) Welches ist die Beschreibung des in der Erkennnis Feststehenden und in der

Meditation Beharrenden, o Vollhaariger, was wird der reden, der in seinem Geiste fest ist, wie wird er sitzen und wie wird er wandeln?

 

Der Heilige sprach:

55. (933.) Wenn einer, o Sohn der Prithä, alle Begierden fahren läßt, die in sein 'Herz

 

 

18

Bhagavad Gita

 

kommen, und nur an dem Selbste (Ätman) und durch das Selbst seine Freude hat (Chänd.Up. 7,25,2), der wird ein in der Erkenntnis Feststehender genannt.

56. (934.) Wenn einer im Leiden unerschütterlich und in Freuden frei von Begierde bleibt, befreit von Leidenschaft, von Furcht und Zorn, er wird ein im Geiste Fester, wird ein Muni genannt.

57. (935.) Wer allerwärts frei von Anhaftung ist, mag ihm dieses oder jenes Erfreuliche oder Unerfreuliche begegnen, wer dann weder Freude noch Hals empfindet, dessen Erkenntnis ist eine feststehende.

58. (936.) Und wenn ein solcher von überallher, wie die Schildkröte ihre Glieder, so seine Organe von ihren Objekten gelöst in sich hereinzieht, dessen Erkenntnis ist eine feststehende.

59. (937.) Die Sinnendinge kehren sich ab von der Seele, die sich nicht mehr an ihnen nährt, und hat sie ihren Geschmack nicht mehr, so wird auch der Geschmack an ihnen zunichte, nachdem sie das Höchste geschaut hat.

60. (938.) Denn auch bei einem sich beherrschenden weisen Manne, o Sohn der Kunti, reißen die ungestümen Sinne den Geist gewaltsam mit sich fort.

61. (939.) Sie alle überwältigend soll man dasitzen, hingegeben und mich [den Allgeist] als Höchstes habend, denn wer seine Sinne in

 

 

19

 

der Gewalt hat, dessen Erkenntnis ist eine feststehende.

62. (940.) Wenn hingegen ein Mensch an die Sinnengenüsse denkt, so bildet sich bei ihm eine Anhänglichkeit an sie; aus der Anhänglichkeit entsteht Begierde, aus der Begierde entsteht Zorn,

63. (941.) aus dem Zorn entsteht Verblendung, aus der Verblendung entsteht Trübung der Erinnerung; ist erst die Erinnerung getrübt, so folgt Verlust der Erkenntnis, ist die Erkenntnis verloren, so ist er auch selbst verloren.

64. (942.) Wer aber an den Sinnendingen vorübergeht mit Sinnen, die von Liebe. und Hass sich losgemacht haben und ßeineln Atman untertan sind, dessen Seele beruhigt sich und geht ein zum Frieden.

65. (943.) Hat er aber Ruhe von allen Schmerzen, so entsteht in ihm die Resignation, und ist erst sein Geist beruhigt, dann kommt auch alsbald seine Erkenntnis zu vollkommenem Feststehen.

66. (944.) Wer nicht Hingebung übt, hat nicht die Erkenntnis, wer nicht Hingebung übt, hat nicht Verinnerlichung; wer nicht Verinnerlichung hat, hat keinen Frieden, wer keinen Frieden hat, woher käme dem Freude!

67. (945.) Denn wenn die Sinne umherschwärmen und der Verstand mit ihnen fortgezogen wird, dann reißt er die Erkenntnis mit sich

 

 

20

Bhagavadgitā

 

dahin, wie der Wind ein Schiff auf dem Wasser.

6$. (946.) Darum, o Großarmiger, wenn einer seine Sinne allerwärts von den Sinnendingen zurückhält, dessen Erkenntnis ist eine feststehende.

69. (947.) Was Nacht ist für alle Wesen, darin ist wach der Selbstbezwinger, und worin alle Wesen wach sind, das ist Nacht für den schauenden Weisen.

70. (948.) Gleichwie die Wasser zur Ruhe kommen in dem vollen, unerschütterlichen Ozean, so kommen alle Begierden in ihm zur Ruhe, und er erlangt den Frieden, nicht aber der, welcher von Begierde getrieben wird.

71. (949.) Der Mann, welcher alle Begierden fahren läßt und ohne Verlangen dahinwandelt, ohne Ichbewufstsein und ohne Selbstsucht, der erlangt den Frieden.

72. (950.) Dieses ist das Feststehen im Brahman, o Sohn der Prithā; wer es erlangt, wird frei vom Wahn, und in ihm beharrend, erreicht er zur Zeit des Endes das "Erlöschen (niruānanl) in Brahman.

 

So lautet in der Bhagavadgitā Überlegung und Hingebung

 

...

<<

Deussen, Prof. Dr. Paul, "Der Gesang de Heiligen - Eine Philosophische Episode des Mahâbhâratam", aus dem Sanskrit übersetzt von Dr. Paul Deussen, ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Kiel, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1911

>>

...

68

...

X (Adhyāya 34).

Vers 1205—1246 (B. 1—42).

Der Heilige sprach:

...

 

69

X (Adhyāya 34).

 

...

10. (1214.) Solchen Menschen, wenn sie, auf Grund ihrer Liebe zu mir, mir immerfort hingegeben und anhänglich sind, verleihe ich jene Vertiefung der Erkenntnis, durch welche sie zu mir gelangen

...

<<

Deussen, Prof. Dr. Paul, "Der Gesang des Heiligen - Eine Philosophische Episode des Mahâbhâratam", aus dem Sanskrit übersetzt von Dr. Paul Deussen, ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität Kiel, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1911

 

 

Teil IV der Anmerkung:

Was aber die NAZIS in Zusammenhang mit den klassischen indischen Lehren machten, hatte damit absolut rein gar nichts zu tun; das war lediglich Huldigung an Wahnsinn, Illusion, Dummheit, Irrheit udgl.

vgl. dazu die Sendung zu diesem leidigen Thema beim Deutschlandfunk:

* "Vereinnahmung im Dritten Reich
Wie NS-Ideologen Yoga missbrauchten"

https:/ /www.deutschlandfunk.de/vereinnahmung-im-dritten-reich-wie-ns-ideologen-yoga-100.html

"Indiens Kampf um Unabhängigkeit und die deutsche Nazi-Ideologie"
https:/ /www.deutschlandfunkkultur.de/indiens-kampf-um-unabhaengigkeit-und-die-deutsche-nazi-ideologie-100.html

 

¹⁶  vgl. Buddha:

 

 

¹⁷ Betreffs des Sanskritwortes "Indha":

>>

...

210

idh

...

idh, indh (Cu. 302) anzünden, namentlich den Agni; 2) mit andern Objecten; 3) intransitiv flammen (von Agni). Durch die Richtungswörter: abhi, â, prá, sám werden diese Bedeutungen nur wenig abgeändert.

Stamm I. idh:

...

Stamm II. indh, stark inádh

-dhé [3. s. indhé für inddhé] sám: 517,

   16 — 3) 524,1.

-dháte [3.p.] im (agnim)

   895,1; sám tvā 44,7; yám 226,11; 

   agnim 457,48.

-dháte,[dass.] im 304,

   5; yám 361,2; 663,

   27. — â 665,1 agnlm.

-dhate tvā 44,8; 443,3; agnim 247,5. —   sám

   agním 36,7; 261,11;

   532,3; 36,4; 244,1.9;

   669,15. — 2) tád (pa-

   dám) 22.21(bildlich).

-ádhate [3. s. Conj.]

   tvâm 308,1.— â 298,7.

-dhvam [2. p. Impv.

   für inddhvam] sám agním 927,1.

-dhatām (3. p. Impv.)

   sám agním 170,4.

 

Stamm des Pass. idhyá (angezündet werden, flammen):

-áse 375,2. — sam 663,14

-ase 31,13; 895,8; sám

   255,3; 258,2; 259,5:

 

 

211

idhmá

 

382,4; 944,5; 976,1;

1017,1.

-áte 2) jyótis 626,30. —

sam 311,4.

-ate 235,21; sám 12,6;

260,3; 261,13. 14;

917,1; 977,1.

 

Perf. īdh:

-lhe [1. s.] 711,22.

-lhe [3. s.] 457,14; 871,

3. — â 3) 552,1; m

457,15.

-dhé [3. s.] sam 239,

10; 924,8. — 2) ánī-

kam 895,3.

-dhire sám 263,15; 362,

1, 7; 365,2; 944,9;

976,4.

-dhiré 379,2.

 

Part. idhā [von Stamm I.):

-a [V.] sam 3) 302,11;

376,2.

-ás 3) 79,5; 193,8; 308,

2; 451,2; 452,6; 453,

6; 871,5; sam 368,

1; 525,6. — 3) 143,

7; 193,6; 362,4; 380,

6; 489,7; 583,2; 645,

19: 664,9.

-ám sam 3) 193,1; 362,

6; 525,4; 861,3—12.

-ásya sam 3) 143,2;

301,15; 664,4. 862,12.

-é sam 3) 124,1; 207,1;

264,2; 302,4; 493,17.

-âs 3) 507,2; 519,3

(ajárās).

 

indhāna [von Stamm II.]:

-as 216,1; 711,22; 871,

1. — 3) akrás 143,7;

táva (agnés) drapsás

639,31.

-ās 951,1. — 2) bild.

lich vagnûn 829,4.

-āsas 2) bháās 643 11,

 

Part. des Pass. idhyámāna:

-as 357,8; sam 251,1; 261,4; 382,2.

 

Part. II. iddhá, iddha:

-ás 95,9; 112,17; 355,6;

871,4.

-as abhi 2) gharmás...

...

Inf. ídh:

...

idhmá, m-, Brennholz [von idh], vgl. suidhmá

-ás 665,2;916,6.

...

<<

Grassmann, Hermann, Wörterbuch zum RIG-Veda" von Hermann Grassmann, Professor am Mairenstifts-Gymnasium zu Stettin, in sechs Lieferungen, sechste Lieferung, (Schluss.), Leipzig: F.A: Brockhaus, 1875, Seite 210 und 211.

 

>>

...

— 161 —

...

índhanvabhi II 34, 5 dunkel, viell. verdorben, vgl. Oldenb.

...

<<

Neisser, Dr. Walter Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, herausgegeben von der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, XVI. Band, zum Wörterbuch des Ṛgveda von Walter Neisser, Erstes Heft (a - auśāna), Leipzig 1924, In Kommission bei F.A. Brockhaus, Seite 161

 

 

>>

...

inddhé entzündet, entflammt, cymr. yunyu, anzünden, nasalierte form zur idg. wz. *aidh- brennen in idhmás, īdhryàs, édhas, gr. ... brenne, lat. aedēs haus (brandstelle), ir. aed feuer, ags. ád, ahd. eit scheiterhaufen (lat. aestās, aestus können hierher gehören, vgl. aber íṣṭakā).

...

<<

Uhlenbeck, Dr. C.C., "Kurzgefasstes etymologisches Wörterbuch der altindischen Sprache", von Dr. C.C. Uhlenbeck, Ausserord. Professor an der Universität Amsterdam, Amsterdam. Johannes Müller, 1898/1899, Seite 24

 

18) Betreffs des Wortes Vishwa:

>>

...

1297

viçíkṣu

viçva, pron., adj. (in Zusammensetzungen und Ableitungen viçvá betont), 1) jeder, ganz, alle (viçve devâs siehe auch unter devá); 2) auch mit Bezug auf andere Zahlen, z. B. alle beide [du], alle drei; 3) substantivisch m., ein jeder, alle; 4) n., alles, alle Dinge. Unvollständig -am, -asya, -e [N. p.], -ā, -āni,

-ebhis, -ās.

-as 1) ...

...

1298

viçva

...

1299

viçvaka

...

Mit specifisch adjectivischer Deklination

-āya ...

-āt...

-e [L.s.] ...

viçvaka, m. Eigenname eines Schützlings der

Açvinen (vgl. viṣṇāpû)

-as 695,1.

...

viçva-karma, a. alle Werke [kárman] schaffend, allwirkend.

-eṇa dhâm(a)nā 992,4.

viçva-karman, m.1) der Allschaffende; 2) Bezeichnung eines Gottes, der als Weltschöpfer gedacht wird.

-an [V.] 2) 907,5. 6. ...

-ā ...

...

viçva-kṙṣṭi, a., auf alle Menschen [kṙṣṭi] sich beziehend, daher 1) alle Menschenstämme umfassend oder beherrschend, von Göttern; 2) für alle Menschen ausreichend.

 

1300

viçvátas

...

 

viçva-carṣani, a., auf alle Menschen (carṣani) sich beziehend, daher 1) alle Menschen herrschend; 2) bei allen Menschen beliebt  bekannt.

...

viçva-janya, a., allen Menschen (vgl.jánya) zu Gute kommend, sie umfassend, für sie geeignet.

...

-e I) Indra 9,3; 392,1

...

<<

Grassmann, Hermann, Wörterbuch zum RIG-Veda" von Hermann Grassmann, Professor am Marienstifts-Gymnasium zu Stettin, in sechs Lieferungen, sechste Lieferung, (Schluss.), Leipzig: F.A: Brockhaus, aus den Seiten 1297-1300.

 

Man vergleiche aber auch mit Folgendem:

 

>>

1311

viṣva

 

(viṣva) = viṣu, siehe viṣvadrýac.

...

(viṣvadrý-ac), viṣvadrí-ac, a., nach verschiedenen Seiten [viṣvadri aus viṣva und drí, vgl. asmadríac] hingewandt; daher 2) das neutr. als Adverb.

-ak 2) 541,1 mâ te mánas ...

...

<<

Grassmann, Hermann, Wörterbuch zum RIG-Veda" von Hermann Grassmann, Professor am Marienstifts-Gymnasium zu Stettin, in sechs Lieferungen, sechste Lieferung, (Schluss.), Leipzig: F.A: Brockhaus, aus den Seite 1311

 

>>

...

1297

viçíkṣu

viçva, pron., adj. (in Zusammensetzungen und

Ableitungen viçvá betont), 1) jeder, ganz, alle (viçve devâs siehe auch unter devá); 2)  auch mit Bezug auf andere Zahlen, z. B. alle beide [du], alle drei; 3) substantivisch m., ein jeder, alle; 4) n., alles, alle Dinge. Unvollständig

-am, -asya, -e [N. p.], -ā, -āni,

-ebhis, -ās.

-as 1) ...

...

1298

viçva

...

1299

viçvaka

...

Mit specifisch adjectivischer Deklination

-āya ...

-āt...

-e [L.s.] ...

viçvaka, m. Eigenname eines Schützlings der Açvinen (vgl. viṣṇāpû)

-as 695,1.

...

viçva-karma, a. alle Werke [kárman] schaffend, allwirkend.

-eṇa dhâm(a)nā 992,4.

viçva-karman,m.1) der Allschaffende; 2) Bezeichnung eines Gottes, der als Weltschöpfer gedacht wird.

-an [V.] 2) 907,5. 6. ...

-ā ...

...

viçva-kṙṣṭi, a., auf alle Menschen [kṙṣṭi] sich beziehend, daher 1) alle Menschenstämme um fassend oder beherrschend, von Göttern; 2) für alle Menschen ausreichend.

 

1300

viçvátas

...

 

viçva-carṣani, a., auf alle Menschen (carṣani) sich beziehend, daher 1) alle Menschen herrschend; 2) bei allen Menschen beliebt bekannt.

...

viçva-janya, a., allen Menschen (vgl.jánya) zu Gute kommend, sie umfassend, für sie geeignet.

...

-e I) Indra 9,3; 392,1

...

<<

 

 

 

>>

...

1306

vi

...

1. vi[vgl. Fick unter vis], 1) sich ergiessen

Mit sám jemandem [D.] etwas [A.] reichlich spenden (eigentlich: zugiessen).

 

Impf. aveṣa:

 

-an I) âpas eid asmē suttúkās — 178,2.

 

 

Aor. veṣís:

-iṣas sám nas rayím 684,11.

 

Part. ṣat:

-antis 1) nachís 181,6.

 

2. vi1) ergreifen [A.]; 2) Speise [A.) mit der Zunge [I.] ergreifen; 3) geistig ergreifen, begeistern [A.]; 4.) feindlich ergreifen [A.], bewältigen [A.]; 5) ein Werk [A.] angreifen, es unternehmen, zu Stande bringen; 6) hindringen zu [L.]; 7) jemandem [D.] etwas [A.] darbringen, auch 8), ohne Dat.; 9) sich vereinigen mit jI.j, auch 10) kämpfend zusammenstossen mit I. , so auch im Intens.;

 

1307

viṣá

11) wirken, arbeiten, emsig sein; 12) Int., Speise [A.] gierig ergreifen, verzehren; 13) Intens., vielfach wirken, eifrig wirken; 14) eifrig besorgen, auftragen Speisen [A.].

Mit úpa ergreifen, erlangen [A.].

pári 1) umfassen [A.]; 2. Dienst leisten, vgl. pári-viṣṭi.

 

Stamm I. vivi, vive:

...

Verbale vi als Inf.:

iṣe pari 2) 888,10.

 

viṣá, n. [von viṣ] 1) Wasser, Flüssigkeit (als das als das benetzende, sich ergiessende); 2) Gift.

-ám [N.] 2) 191,15.16

...

 

1308

viṣū vṙt

 

viṣa, m. [von 2. viṣ] , der geschäftige Diener, der die Speisen aufträgt.

-as veviṣat — 639,11 (von Agni); 935,5.

 

 

viṣávat, a., giftig [von viṣá].

-at 911,34 — ná ͜  etád áttave.

...

<<

Grassmann, Hermann, Wörterbuch zum RIG-Veda" von Hermann Grassmann, Professor am Marienstifts-Gymnasium zu Stettin, in sechs Lieferungen, sechste Lieferung, (Schluss.), Leipzig: F.A: Brockhaus, 1875, aus den Seiten 1306, 1307 und 1308

 

 

>>

...

1311

viṣva

 

(viṣva) = viṣu, siehe viṣvadrýac.

...

(viṣvadrý-ac), viṣvadrí-ac, a., nach verschiedenen Seiten [viṣvadri aus viṣva und drí, vgl. asmadríac].hingewandt; daher 2) das neutr. als Adverb.

-ak 2) 541,1 mâ te mánas ...

... 

<<

 

Suche anhand der Sanskrit-Schreibweise "viśva" in den Wörterbüchern von Monier-Williams, Macdonell und evtl. auch Benfey - und gegebenfalls Zitierung -  folgen noch.

 

Weiter erläuternde Darstellungen zum Begriff "Vishwa" bzw jenem "Vishwa selbst", wie es im Vers sowie, es aufgreifend, im Kommentar von Shankara vorkommt, ließ sich u.a. bei Leopold von Schröder finden:

 

>>

...

Dritte Vorlesung.

 

Zur Zeit des Rigveda lebten die Inder in Dörfern oder Weilern, grâma genannt, welche bisweilen auch befestigt sein konnten (pur), nicht aber in eigentlichen Städten, ähnlich wie es nach H. Zimmer's Ausführungen auch bei Germanen, Slaven und Italikern in alter Zeit der Fall gewesen.¹

Die staatliche Organisation der vedischen Inder erinnert lebhaft an die Verhältnisse bei den alten Germanen, wie sie uns von Tacitus vorgeführt werden.² Das Volk zerfällt in Stämme, bei den Indern jana, bei den alten Germanen thiuda genannt, welche wieder in Gaue getheilt sind (bei den Indern viç, bei den Germanen von Tacitus pagus genannt); endlich Dorfschaften (indisch grâma oder vrjana; germ. thorp, vicus).³ Diese Eintheilung der Stämme in einzelne Gaue und Ort-schaften, deren Bewohner wohl näher mit einander verwandt waren, scheint auch bei der Anordnung in der Schlacht zur Geltung gekommen zu sein, ebenso wie bei den alten Germanen

——————

¹ Vgl. Zimmer, Altind. Leben, p. 145 flg.

² Zimmer vergleicht sie auch weiter mit altiranischen, altslavischen und altitalischen Verhältnissen, worauf ich hier nicht näher eingehen kann.

³ Vgl. Zimmer, Altind. Leben, p. 160.

Aus Tacitus Germania Cap. 7 sowie aus einheimischen Quellen wissen wir, dass bei den alten Germanen das Heer so geordnet war „Gau neben Gau stand und diese wieder nach Verwandtschaften und Familienkreisen sich ordneten." Zimmer, Altind. Leben, p. 161.

...

 

 

— 79 —

 

Monotheitistische Neigungen und Ansätze. Philosophisches.

 

   Bei diesem eigenthümlichen Charakter des vedischen Glaubens und religiösen Denkens wird es uns nicht Wunder nehmen, wenn wir in den jüngeren Theilen des Ṛigveda, speciell im zehnten Buche, ein Streben wahrnehmen, in diese zu schwanken beginnenden Verhältnisse Sicherheit und Klarheit zu bringen, sei es nun durch entschiedene Forderung eines einzigen Gottes sei es durch philosophische Statuirung des „Ignoramus", wenn uns also theils monotheistische, theils skeptische Neigungen und Bestrebungen begegnen. Wir sehen es hier, wie der indische Geist, unbefriedigt von dem bisher Gebotenen, nach Neugestaltungen bald nach der einen, bald nach der anderen Seite hin ringt, bald positiv fordernd und behauptend, bald hoffend, ahnend und fragend, bald auch zweifelnd oder geradezu negierend. Schon in so früher Zeit sehen wir bei den Indern die Richtung auf philosophische Speculation hervortreten, die bei diesem Volke mit dem religiösen Denken fast untrennbar verbunden ist.

   Der Drang darnach, einen Gott als den alleinigen Weltenschöpfer, als den, der hinter allen Erscheinungen doch zuletzt verborgen ist, zu glauben und zu verehren, dieser monotheistische Drang offenbart sich in mehreren Hymnen des zehnten Buches, die einen Gott Viçvakarman, den Schöpfer aller Dinge, feiern. So heisst es z. B. in einem derselben¹,

Was war das wohl für ein Standort, was war das für ein Stützpunkt, und wie war es, von wo der Allschöpfer, die Erde erzeugend, den Himmel durch seine Macht eröffnete, der allschauende? (2)

Er, der überall seine Augen hat und überall seine Münder, überall seine Arme und überall seine Füsse, mit seinen beiden Armen und mit Schwungfedern (als Flederwischen) schmiedet er Himmel und Erde, er der alleinige Gott. (8)

Was war das für ein Holz und welches war der Baum, aus dem Himmel und Erde zimmerte? Ihr Weisen, forscht darnach mit eurem Gelde, worauf er stand, als er die Welten stützte. (4)

Den Herrn des Worts, den Allschöpfer, der den Geist in Bewegung setzt, ihn möchten wir jetzt beim Opfer herbeirufen; er möge all unsre Opferungen freundlich annehmen, der Allheilvolle, Rechtwirkende, damit er uns fördere. (7)

Und in einem anderen Hymnus heisst es²:

Der als unser Vater, Erzeuger und Schöpfer, die Ordnungen kennt und alle Welten, er, der fürwahr allein den Göttern ihre Namen gab, zu ihm kommen die anderen Wesen, um ihn zu befragen. (3)

——————

¹ RV 10, 81. ² RV 10, 82.

 

 

— 80 —

Was über den Himmel und über diese Erde, was über die lebendigen Götter hinausragt, welches war der erste Keim, den die Wasser empfingen, als alle Götter sich versammelten? (5)

Diesen ersten Keim empfingen die Wässer, als alle Götter zusammen kamen, das Eine, welches eingefügt ist in dem Nabel des Ungeborenen, in welchem (oder auf welchem) alle Wesen stehen. (6)

Den werdet ihr nicht erkennen, der diese erzeugte, ein Andres ist für euch dazwischen; von Nebel eingehüllt und von Geschwätz, wandeln dahin die Liedsänger, am Leben slch erfreuend. (7)

 

Es ist sehr charakteristisch, dass selbst neben der Erscheinung dieses Gottes, der der einige Weltenschöpfer sein soll, doch die Gestalten der anderen Götter wieder hervortreten, wenn auch in blassen Umrissen, und dass auch hier zuletzt der Sänger in Zweifel verfällt und den Hörern zuruft: Ihr werdet ihn doch nie erkennen, diesen Allschöpfer. Die Gestaltung eines echten und reinen Monotheismus ist unmöglich! Immer wieder drängen sich einerseits die alten Götter, andererseits der grübelnde Zweifel in den Vordergrund.¹

Ganz besonders merkwürdig und interssant hinsichtlich dieser monotheistischen Neigungen und Strebungen ist ein Lied, das man fast vergleichen möchte mit jenem Altar, den der Apostel in Athen „dem unbekannten Gotte" aufgerichtet fand. Mit tiefem Sehnen sucht und forscht der Dichter nach dem Gotte, der der Welten Anfang, erster Keim und Schöpfer alles Lebens gewesen, der überall in der Natur sich offenbart. Er sieht das Göttliche in seinen Aeusserungen bald hier, bald da bald dort, und immer wieder fragt er, zweifelnd, suchend, sehnend — wer ist dieser Gott denn eigentlich, dem wir unser Opfer darbringen?

 

RV 10, 121:

Am Anfang entfaltete sich ein goldner Keim, es war der eingeborene Herr alles Gewordenen; er sützte die Erde und diesen Himmel, — wer ist der Gott, dem wir mit Opfern dienen? (1)

Er, der den Odem verleiht und Kraft spendet, dessen Gebot alle Götter ehren, dessen Schatten die Usterblichkeit und der Tod sind, — wer ist der Gott, dem wir mit Opfern dienen? (2)

Der mit Macht König geworden ist über Alles, was da athmet,

 

——————

¹ Es war das Schicksal auch der in späteren Jahrhunderten bei den Indern wiederholt sich kraftvoll geltend machenden monotheistischen Bestrebungen, doch von den alten Göttern niemals loszukommen, immer wieder in den alten Polytheismus zu verfallen (man vgl. darüber namentlich das vortreffliche Buch von A. Barth, Les Religions de l'Inde, Paris 1879). Tief wurzelt im indischen Geiste der Glaube an die Vielheit der Götter, aber gepaart init einem unverkennbaren Drange nach Erkenntnis der höheren Einheit, die Allem doch zu Grunde liegt.

 

— 81 —

was die Augen bewegt und sich regt, der da herrscht über zweifüssige und vierffüssige Wesen, — wei ist der Gott, dem wir mit Opfern dienen? (3)

Dessen Macht diese Schneegebirge, das Meer sammt dem Ocean anerkennen, dessen Arme diese Himmelsgegenden sind, — wer ist der Gott, dem wir mit Opfern dienen? (4)

Durch den der gewaltige Himmel und die feste Erde, durch den der Aether und das Firmament gefestigt sind, der in den Lüften den Dunstkreis durchmisst, — wer ist der Gott, dem wir mit Opfern dienen? (5)

Als die gewaltigen Wasser in das All strömten, den Keim empfangend, das Feuer gebärend, da entfaltete sich er, der Eine, der Lebenshauch der Götter, — wer ist der Gott, dem wir mit Opfern dienen? (7)

Und am Schluss des Liedes redet der Dichter diesen unbekannten Gott an und nennt ihn „Herr der Geschöpfe", Prajâpati, ein Name, der in der folgenden Periode der Yajurveden und Brâhmaṇa's eine bedeutende Rolle spielt. Der Sänger fleht:

O Herr der Geschöpfe, kein amnderer als du hält alle diese Wesen umschlossen; welchen Wunsch hegend wir dir opfern, das werde uns zu Theil! Mögen wir Herren sein über die Reichthümer! (10)

Auch in diesem Liede sind die alten Götter noch nicht ganz verschwunden, aber das monotheistische Streben, das Suchen nach dem Einen ist doch deutlich zu erkennen und muss uns gerade dann rührend sein, wenn es bei der Frage bleibt, die in ihrer bescheidenen Wahrheit aller Selbstgewissheit baar ist: Wir sehen ihn doch in seinen Offenbarungen! Wer ist denn dieser Gott? Wir kennen ihn nicht und möchten ihn doch erkennen!

Nach der philosophischen Seite hin ist ein anderes, vielberühmtes Lied das Grösste und Bedeutendste, was der Veda uns bietet. Mit ihm werde ich daher wohl passend diese Darlegungen schliessen dürfen, da es mit seinen tiefsinnigen Gedanken wie ein ernster Meilenzeiger dasteht, der schon weit in die künftige Periode hineinweist. Mit kühner philosophischer Construction beginnt der Dichter, den Weltenanfang schildernd, mit den höchsten Begrifen, Sein und Nichtsein und jenem ersten Einen operirend, bi8 er zuletzt doch mit einer schweren zweifelnden Frage schliesst.

 

RV 10, 129:

1. Damals war weder Sein noch Nichtsein, nicht war der Luftkreis noch der Himmel drüber. Was bewegte sich? wo? und in wessen Schutze? gab es das Wasser und den tiefen Abgrund?

2. Nicht Tod war damals, nicht Unsterblichkeit, nicht war ein Unterschied von Nacht und Tag, es athmete ohne Hauch durch Selbstsetzung das Das¹ allein, und ausser diesem gab es gar nichts Anderes!

 

——————

¹ D. h. das erste, uranfängliche Sein (tát).

——————

v. Schröder , Indiens Lit. u. Cult.

 

 

— 82 —

3. Finsterniss war von Finsterniss umhüllt am Anfang, ein unterschiedloses Meer war dieses All; die Oede war vom leeren Raum umschlossen, da ward geboren das Das allein, durch die Kraft der Wärme.¹

4. Da entsprang zu Anfang das Verlangen,² das war der erste Same des Denkens; das Band des Seins an dem Nichtsein fanden die Weisen, im Herzen es suchend mit Andacht.

5. Querdurch ist ihre Schnur gezogen; gab es ein Unten? gab es ein Oben? Samengeber gab es, Mächte gab es; Selbstsetzung³ unten. Gewährung oben.4

6. Wer weiss es wohl, wer kann es hier verkünden, woher sie gekommen, woher diese Schöpfung? Ob die Götter erst nach ihr entstanden? Wer weiss es, woher sie geworden?

7. Diese Schöpfung, woher sie geworden, ob sie geschaffen wurde oder nicht? Er, der im höchsten Himmel waltet über dieser Welt, der weiss es wohl, — oder weiss auch der es nicht?

——————

 

Anhang

 

... 

——————

¹ tápasas: die „Siebenzig Lieder" übersetzen auch „kraft der Wärme"; tápas vereinigt später beide Bedeutungen: „Gluth, Wärme" und „Busse", welch letztere in den Kosmogonieen der jetzt folgenden Periode eine wichtige Rolle spielt, daher man mich daran denken könnte. diesen Begriff hier suchen zu wollen, der aber freilich auf späteren Ursprung des ganzen Liedes deuten würde. Das Tâittiriya Brâhmaṇa 2,8, 9,4 hat eine beachtenswerthe Variante, nämlich támasas „aus dem Dunkel, aus der Finsterniss". Vielleicht ist dies das Alte, später durch tápasas ersetzt. 

² kâmá Verlangen, Begehren, Wunsch, oder Liebe, später auch der Liebesgott, Eros. 

³ svadhá Selbstsetzung, Sitte; auch Bezeichnung eines süssen Trankes, der insbesondere den Vätern, den Manen dargebracht wird. 

 Ich habe diesen einigermassen dunklen, räthselhaften Vers nicht aus dem Liede ausscheiden wollen. Es scheint darin von der Scheidung der Götter- und der Menschenwelt in kurzen mystischen Worten geredet zu werden.

 

...

 

—769—

Daulatabad.¹ Dieselben sind theils buddhistischen, theils brahmanischen Ursprungs, und ein Theil verdankt seine Entstehung wohl auch den Jâinas. Die Zeit ihrer Entstehung fällt ungefähr mit der Blütheperiode der Sanskrit-Literatur zusammen und erstreckt sich etwa vom 4. und 5. bis in das 11. und 12. Jahrhundert nach Chr. Die ungeheuren Massen des harten Granitgesteines sind hier nach allen Richtungen hin ausgehöhlt und bearbeitet und in eine förmliche Tempelstadt umgewandelt, deren Herstellung unglaubliche Mengen von Arbeitskraft beansprucht haben muss.    

   Hier hat die Kunst des Felsentempelbaues ihre höchste Vollendung erlebt. Neben einander und über einander, bisweilen in mehreren Stockwerken, finden sich zahlreiche grössere und kleinere Tempel, Vorhöfe, Wohnungen für Mönche und Pilger u. dgl. m. in den Felsen eingehauen, und eine Menge von Treppen, Gängen, Corridoren und Brücken verbinden die einzelnen Bauten mit einander. Hier findet sich der berühmte Tempel des Viçvakarman, ein buddhistischer Câitya-Bau, an den eine ganze Menge von Vihâra's angeschlossen sind.² Sie sind jüngeren Ursprungs und lassen deutlich den Uebergang der buddhistischen Kunst des Höhlenbaues in die brahmanische erkennen.

   Bisweilen ist bei den mehr nach der Oberfläche hin liegenden Tempeln von Ellora der Fels auch von oben fortgearbeitet, so dass das Ganze als monolithischer Wunderbau zu Tage tritt. ein Granittempel aus einem Stück. Unter den Bauten derart ist der sogenannte Kâilâsa (d. i. der Götterberg) hervorzuheben, ein Werk der brahmanischen Baukunst, das ca. 800 nach Chr. entstanden sein dürfte und ein staunenerregendes Kunstwerk bildet, ebenso mächtig und imposant angelegt, als im Einzelnen fein ausgeführt, die Aussenseite mit unzähligen Menschen- und Thiergestalten, Götterbildern und mythologischen Darstellungen, mit Verzierungen und schnörkelhaften Ornamenten aller Art bedeckt, Alles auf das Sorgfältigste aus dem Granitfelsen monolithisch herausgearbeitet³ 

Monolith-Tempel brahmanischen Ursprungs, die wohl älter sind und ca. dem 6. und 6. Jahrhundert nach Chr. angehören

 

——————  

¹ Vgl. das Prachtwerk von Th. und W. Daniell, The excavations of Ellora; auch Langlés a a. O. 

² Vgl. Fergusson, Hist. of Ind. a. E. A. p. 127. 163. 

³ Eine Ansicht des Kâilása s. bei Fergusson a. a. O. p. 355, nach einer Skizze des Autors; auch bei Lubke, a. a. O. p. 88, Schnaase, p. 86. Für die Entstehungszeit s. Fergusson, a. a. O. p. 337. 338. 

 

v. Schroeder, Indiens Lit. u. Cult.    49 

...

<<

Schroeder, Leopold von, Docent an der Universität Dorpat, "Indiens Literatur und Cultur - in historischer Entwicklung; ein Cyclus von Fünfzig Vorlesungen -"Leipzig, Verlag von H. Haessel, 1887

 

Abschließend zu diesen Ausführungen von Leopold von Schroeder sei hier aus obigem Zitat hervorgehoben:

>>

...

Hier findet sich der berühmte Tempel des Viçvakarman, ein buddhistischer Câitya-Bau, an den eine ganze Menge von Vihâra's angeschlossen sind.²

...

<<

Schroeder, Leopold von, Docent an der Universität Dorpat, "Indiens Literatur und Cultur - in historischer Entwicklung; ein Cyclus von Fünfzig Vorlesungen -"Leipzig, Verlag von H. Haessel, 1887

 

Bei Prof. Dr. Deussen sind betreffs "Vishwa" ebenfalls etliche Ausführungen zu finden, die diese Darstellung abrunden mögen:

Vorab folgende Hinweise:

>>

...

922

Index.

...

Vaiçvânara 1) agni, das ,,allverbreitete" (vgl. 144 fg.) ,Feuer, 381. 267; gedeutet als Verdauungsfeuer 493 (321), als Prâṇa ( Sonne) 560.

2) âtman Vaiçvânara 147 fg.; vgl. 857 (diese Lehre heifst Vaiçvânaravidyâ 144. 381); fortentwickelt 336 und 614 (Vaiçvânara oder Viçva) ; vgl. das Vaiçvânara-Opfer des Sannyâsin 698, 701, 709. 3)Vaiçvânara oder Viçva heißt (vgl. 573) der Zustand des Wachens 578 (767, 780, 821), 581, (782). vgl. viçva 319. 808 und viçvâ 329.

...

<<

Schroeder, Leopold von, Docent an der Universität Dorpat, "Indiens Literatur und Cultur - in historischer Entwicklung; ein Cyclus von Fünfzig Vorlesungen -"Leipzig, Verlag von H. Haessel, 1887

 

(Nunja, daß in dessen Übersetzung der Mandukya-Upanishade samt des Kommentars von Gaudapada bzw im Zusammenhang damit , diese Begriffe vorkommen, ist nicht verwunderlich. Zu diesem Kapitel  in "Sechzig Upanishad's des Veda" von Prof. Dr. Paul Deussen siehe das kleine Menü zum direkten Wechsel das per Ctrl+Ende erreichbar ist.)

 

>>

...

382

Index.

turiya, der „vierte" Zustand (außer Wachen, Traum und Tiefschlaf), 278 fg. 89. 112. 162. 267. 269.

...

 

383

I. Namen- und Sachverzeichnis.

...

Viçvakarman „Allschöpfer", 150. 165.

...

<<

Deussen, Prof. Dr. Paul, „Allgemeine Geschichte der Philosophie", Erster Band, dritte Abteilung, „Die Nachvedische Philosophie der Inder, nebst einem Anhang über die Philosophie der Chinesen und Japaner", 4. Auflage, Leipzig/F.A. Brockhaus, 1922

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


   

Sprungmöglichkeiten zu den einzelnen Fußnoten

zur Übersetzung von Sri Aurobindos's Übersetzung der Mandukya-Upanishade mit Shankara's Kommentar:

 

1) Betreffs Sri Aurobindo's Hinweis auf Deussen’s „System des Vedanta".

2) Systeme indischer Philosophie.

3) Das Purushalied, Rigveda X,90.

4) Das Lied vom Spieler, Rigveda X,34.

5) Betreffs "Täuschung"

6) Betreffs "Täuschung und andere Sinnestäuschungen"

7) Betreffs "Täuschung und andere Sinnestäuschungen dieser Art".

8) Betreffs: "Dieses Universum ist das Ewige, das nie Endende, das Unvergängliche."

9) Betreffs: "Am Anfang war all dies Geist"

10) Regeln für Initiation sind notwendig.

11) Betreffs "Aryan-minded" (arisch denkende Menschen)

12) vgl. Kena-Upanishade:

13) vgl. Kena-Upanishade:

14) Vergleich mit den Patañjali Yogasutren:

15) Vergleich mit den Patañjali Yogasutren und Laya-Yoga:

16) vgl. Buddha:

17) Betreffs des Sanskritwortes "Indha"

18) Betreffs des Sanskritwortes "Vishwa":



© Franz Rickinger

Mandukya-Upanishade 

in der Übersetzung ins Englische von

Swami Nikhilananda.


© Franz Rickinger

 

(Ins Deutsche weiterübersetzt vom Autor dieser WEBSeite)

 

zur Mandukya-Upanishade  in der Übersetzung ins Englische von Swami Nikhilananda.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Professor Dr. Paul Deussen's Übersetzung und Anmerkungen der bzw zur Mâṇḍûkya-Upanishade:

 


© Franz Rickinger

Professor Deussen's Übersetzung der Mandukya-Upanishade inklusive dessen Anmerkungen:

 

Erst einge Vorbemerkungen vom Autor dieser WEBSeite:

a) Zur Akzeptanz von Professor Dr. Paul Deussen bei thematik-bezogenen indischen Gelehrten, sei beispielsweise auf einen Hinweis im Vorwort eines Buches von K. Narayanaswami Aiyar, hingewiesen.

Herr V. Raghavan schreibt da über eine gewisse Klasse von Meditationsarten, welche ahagrahopsāsanā genannt werde. Betreffs einer (sowohl beschreibenden als auch erklärenden symbolischer) allgemeinen Darstellung von Brahman und upāsanā mittels solcher Vorstellungen verweist Herr V. Raghavan auf die englische Ausgabe von Deussen's Buch "Die Philosophie der Upanishad’s", welche beispielsweise in der vierten deutschsprachigen Auflage in Leipzig bei F.A. Brockhaus im Jahre 1920 erschien. (Die anscheinend erste Ausgabe aus dem Jahre 1899 kann vermöge der Bayerischen Staatsbibliothek Online gelesen werden. (Suchbegriff im Online-Katalog etwa. >>"Die Philosophie der Upanishad’s", Deussen<<; www. bsb-muenchen.de ).

Konkret verweist Dr. Ventakataraman Raghavan in obigem Zusammenhang auf I. 2. 4-8 und I. 3.

Betreffs Dr. Ventakataraman Raghavan (1908 - 1979) siehe etwa: https:/ /libraries.indiana.edu/dr-v-raghavan-Collection oder auch
https:/ /en.wikipedia.org/wiki/V._Raghavan

 

(Einen kleinen, allgemeineren Überblick zur Bedeutung von Professor Deussen aus der Sicht Indiens findet man ua auch bei:

https:/ /www.wisdomlib.org/concept/paul-deussen)

 

Betreffs Professor Deussen und Swami Vivekananda erschien 2012 im  Buch Religionswissenschaft von Michael Stausberg ein Kapitel, titels "Indischer Swami und deutscher Professor: 'Religion jenseits des Eurpozentrismus'", das Prof. Dr. Michael Bergunder verfaßte.

Betreffs Prof. Dr. Michael Bergunder (Professor für Religionsgeschichte und Missionswissenschaft an der Universität Heildelberg), siehe etwa: https:/ /www.uni-heidelberg.de/fiit/personen/Bergunder.html

 

b) Im dritten Abschnitt (von Professor Deussen's Übersetzung der Mandukya-Upanishad) „genannt Advaitam, »die Zweiheitlosigkeit'« heißt es u.a. wie folgt:

>>

...

34. Dieser Vorgang besteht darin,

Daß zwangweis alle Regungen

Des Geistes unterdrückt werden, —

Anders ist es im tiefen Schlaf

...

<<

Statt der Worte „zwangsweise", „unterdrücken" würde man auch, im Sinne der Transzendentalen Meditation, jenem Wissen, jenem „Know-How" das Swami Brahmananda Saraswati, lt. Mr. Mahesh, wiederbeleben habe können und wiederbelebt habe - aber auch ÜbersetzerInnen der Patañjali Yogasutren, wie zB Deshpende/Betina Bäumer (O.W. Barth-Verlag, zB Jubeläumsausgabe) - von einem „den Geist mithilfe richtiger Meditation zur Ruhe finden lassen" erfahrungsgemäß sinnvollerweise übersetzen können.

 

Im Buch „Vivekananda -Leben und Werk" von Swami Nikhilananda", findet man auf den Seiten 190 und 191 Einiges über einen Aufenthalt von Swami Vivekananada in der Schweiz. (Das war anscheinend ca 1896). Ua erreichte Vivekananda dort ein Brief von Professor Paul Deussen aus Kiel.

Vivekananda änderte seine Reiseroute und besuchte Prof. Deussen in Kiel.

Swami Nikhilananda erwähnt, daß Professor Deussen wohl der einzige Indologe in Europa war, der Sanskrit fließend sprechen konnte.

Prof. Deussen begleitete Vivekananda dann nach London, um mehr Zeit mit Ihm verbringen zu können.

Es heißt in dem Buch, er habe von Vivekananda mehr darüber erfahren wollen, wie man das was in den Patañjali-Yogasutren stehe, praktisch zu verstehen habe, wie man dieses „Samyama" ausübe, „wie das gehe", „wie man das mache".

Vgl.: Nikhilananda, Swami, "Vivekananda Leben und Werk" von Swami Nikhilananda, Drei Eichen Verlag München 60 + Engelberg /Schweiz, deutsche Bearbeitung von Spengler-Zomak aus dem Jahre 1972

auch interessant in diesem Zusammenhang: 

https:/ /vivekanandaabroad.blogspot.com/2020/09/kiel-germany-9-september-1896.html

 

Insofern wird es interessant sein nachzusehen, wie Prof. Deussen nach seinen Gesprächen mit Vivekananda, also in Werken, die er nach 1896 verfaßte, ähnliche Stellen übersetzte bzw evtl. neu übersetzte. (Nunja, falls mir mal Zeit bleibt...)

Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Schreiben von Swami Vivekananda, titels "On Dr. Paul Deussen" aus dem Jahre 1896

siehe zB.: https:/ /vivekavani.com/dr-paul-deussen-swami-vivekananda.

 

Die Übersetzung "Unterdrücken des Geistes" würde Professor Deussen nach den Gesprächen mit Vivekananda eventuell nicht gebraucht haben.

Andererseits hat Prof. Deussen sicherlich formal korrekt übersetzt, da der Zustand der „Unterdrücktheit des Geistes" (wenn das möglich sein sollte) derselbe Zustand wäre wie der „Zustand der unübertrefflichen inneren Ruhe", des „bhouma". Und nach deutschen Sprachregeln kann man dafür auch schreiben „der Zustand, der sich aus unterdrücken des Geistes ergibt/ergäbe". (Ist etwas formal richtig übersetzt, kann man, vernünftig denkenderweise, da weiterkommen.)

Gemäß Vivekananda's Übersetzung der und Darstellungen zu den Pâtañjali-Yogasutren, wird Professor Deussen dann wohl ein Wort, ausgehend vom englischen Wort „concentration" in den Vordergrund gerückt haben.

Prof. Deussen habe sich sehr für die Kraft der „Konzentration" und insofern für die Kontrolle über die eigenen Gedanken interessiert, berichtete auch Swami Nikhilananda in obiger Biografie, notabene.

 

In Swami Nikhilananda’s Biografie zu Swami Vivekananda findet man im Anhang - siehe Seiten 338 bis 340 - einen Abschnitt titels „Meditation"; die Stellen sind, wie es heißt, entnommen aus Büchern von Swami Vivekananda, nämlich „Swami Vivekananda on Religion and Philosophy" und außerdem „Teachings of Swami Vivekananda". Vivekananda’s Darstellungen wurden ins Deutsche übersetzt.

Er beschreibt darin „Konzentration" als entscheidendes Mittel und erwähnt auch eine eigene Erfahrung; es erinnert etwas an Gopi Krishna’s „Meditationsübung".(vgl. Krishna, Gopi, "Die Erweckung der Schlangenkraft",  O.W. Barth Verlag.) Andererseits lehnt er an einer Stelle jedoch „ein Unterdrücken" ab.

Gelegentlich übersetze ich - aus Gründen der Neutraliät und Unparteilichkeit - die ca 2 Seiten aus Swami Vivekananda’s Büchern.

Im Abschnitt „26) Patañjali" im Kapitel „Ad: TM-Hintergrund, Basis" gehe ich etwas auf Patañjali’s Yogasutren ein. In meiner WEBSeite „klassische-indische-texte-91-19i.de" findet man im Kapitel „Allgemeines" einen Abschnitt „Patañjali-Yogasûtren" und dort findet man auch einige der Überlegungen von Swami Vivekananda übersetzt; außerdem befasse ich mich dort auch etwas ausführlicher mit „Unterdrücken?" „Konzentration?" und zitiere darüberhinaus die Übersetzung der entsprechenden englischen Worte ins Deutsche, sodaß die englischen Worte wie „concentration" unparteiisch, sachlich-korrekt verfügbar sind.

 

Wenn es in Chândogya-Upanishad’s siebenter Lektion, der Belehrung des Nârada durch Sanatkumar, ua heißt, daß alles was Nârada bislang gelernt habe nur Worte seien und als Nârada fragte, ob es denn was Höheres gäbe, die Antwort des Sanatkumar lautete, daß dies die „Rede" sei, usw und auf diese Weise, per Fragen und Antworten, der weise Sanatkumar den suchenden Nârada schließlich zur „unübertrefflichen inneren Ruhe" führte, kommt eben auch das zum Ausdruck, was Prof. Deussen im Zusammenhang mit der Mâṇḍûkya-Upanishad mit „Unterdrücken des Geistes" übersetze.

Allerdings geht es dabei um kein gewaltätiges Unterdrücken, sondern um ein zur Ruhe kommen, wie es Pater Rixner, der u.a. jene Upanishade 1808 ins Deutsche übersetzt hat und es als Buch herausgegeben werden hatte können, gemäß der Biografie von Prof. Lipp wohl verstanden hatte.

(Siehe dazu: Chândogya-Upanishade in „klassische-indische-texte-91-19i.de"; siehe auch den vierten Abschnitt „4) Chândogya-Upanishad < - > Mr. Mahesh-Buch" im Kapitel III titels „Antworten" im Menüpunkt „Home, verpfuschtes Leben"/ 4) in schulerlebnis–91-19i.bayern.)

In „Knaurs Grosses Handbuch der Heilmethoden" geht es in den Seiten 834, 836 und 837 um das Thema „Meditation", wie es sich jene Ärzte oder auch Psychologen vorstellen.

Da wird im Zusammenhang mit „Mantra-Meditation" ebenfalls von Konzentration geschrieben (Seite 835 unten und Seite 836 oben). Es wird jedoch betont, daß es nicht um ein Erzwingen gehe. Der Zustand der erreicht werde wird darin, als etwas wie "entspannte Konzentriertheit" dargstellt.

 

Solange man versucht „die innere Ruhe" bzw den Zustand des Samadhi (= Turiya) zu erzwingen, ist man ja noch - mehr oder weniger intenstiv mit Erzwingen" beschäftigt, also im Wachzustand und keinesfalls in dem Zustand „unübertrefflicher innerer Ruhe".

In der Mâṇḍûkya-Upanishad findet man auch ähnliche Überlegungen, wenn es um Widersprüchlichkeiten usw geht.

Man muß eben auch Abstand nehmen vom „Zur Ruhe kommen wollen", da man eben auch von dieser Absicht, diesem Wollen, das noch eine Aktivität ist und den Geist im Bereich des Aktivseins sein läßt, erst zur Ruhe kommen müsse. So wird die Ruhe insofern in sich selber gefunden, im eigenen subjektiven Wollen oder auch Beabsichtigen oder auch Ausprobieren oder auch Unternehm; aber auch im Bereich der Außenwelt, der Sinne, was anfänglich für die Hauptunruhe gehalten werden mag, wird eben jene „Ruhe" gefunden, sodaß man dann schließlich merkt, daß man ja noch mit dem „Wollen" befaßt ist und da insofern eben noch eine tieere Ruhe möglich sein sollte, indem man auch das Wollen zur Ruhe kommen läßt, davon Abstand nimmt ohne neuerliches Wollen zu starten.

Nach diesen einfachen Überlegungen, ist festzustellen, daß es in diesem Vers 34 im dritten Abschnitt „genannt Advaitam, »die Zweiheitlosigkeit'«" um genau den Bereich der Meditation geht.

Im Pater Abs’s Buch „Halle aller Religionen, der Sanatana Dharama" von 1923, erschienen im Kurt Schröder Verlag, findet man dazu ausführliche, von den Initiatoren der „Halle aller Religion" sehr bemüht ausgewählten kompetenten Personen verfaßte, Informationen zu u.a. den Themen Hatha-Yoga, Mantra-Yoga, Laya-Yoga und Raja-Yoga und insofern eben auch zum Thema Meditation.

Mr. Mahesh vertrat übrigens stets den Standpunkt, daß Meditation nicht mittels Büchern gelehrt werden könne, sondern grundsätzlich nur von kompetenten, erfahrenen MeditationslehrerInnen, die selbst ausreichende Erfahrung betreffs Meditation haben, gelehrt werden könne.

Es ist nicht meine Ansicht per Buch "Meditation" zu lehren; weder per Buch, noch in dieser WEBSeite noch anderen WEBSeiten. Zumindest jene "Transzendentale Meditation" (wie im  Zeitraum 1971 bis 1975/1976 gelehrt), welche Mr. Mahesh lehrte, durfte, gemäß der Anordnungen des Mr. Mahesh,  Minderjährigen nicht ohne schriftlicher Einverständniserklärung der Erziehungsberechtigten gelehrt werden. Alleine schon daher kann es auch gar nicht möglich sein es per Buch, WEBSeite oä zu lehren; es war insofern auch noch nie möglich.

 

 

Nun aber Professor Deussen’s Übersetzung dieser Upanishade:

(Überarbeitung nochmals nötig. Stand 10.9.2024):

>>

...

Die Mâṇḍûkya-Upanishad

des Atharvaveda,

 

mit der Kârikâ des Gauḍapâda über dieselbe.

——————

EINLEITUNG.

———

Die Mâṇḍûkya-Upanishad, in Prosa, trägt zwar den Namen einer halbverschollenen Schule des Rigveda, wird aber zum Atharvaveda gerechnet und ist, wie nicht nur die zahlreichen Zitate, sondern auch die systematische Geschlossenheit ihrer Darstellungsweise zeigen, erheblich später als die prosaischen Upanishad's der drei ältern Veden, von deren Weitschweifigkeit ihre Kürze und Präzision sehr merklich absticht. Mit der Maitrâyaṇa-Upanishad bieten sich mehrere Berührungspunkte, und es wird noch näherer Untersuchung bedürfen, auf welcher Seite die Priorität ist. Hingegen macht die Mâṇḍûkya-Upanishad den meisten Upanishad's des Atharvaveda gegenüber einen mehr altertümlichen Eindruck, namentlich sofern sie an dem Worte Om nur drei und noch nicht dreiundeinehalbe Mora's unterscheidet.

Der Grundgedanke der Mâṇḍûkya-Up. ist, daß in der Silbe Om die ganze Welt ausgedrückt ist. Den Beweis für diesen Satz führt sie wie folgt: Die Welt ist Brahman, Brahman ist der Âtman, der Âtman aber ist der Om-Laut, sofern dessen Moren die vier Viertel oder Füße, d. h. die vier Zustände des Âtman entsprechen. Diese vier Zustände sind: 1) das Wachen, Vaiçvânara (so benannt, weil seine Eindrücke allen gemeinsam sind; vielleicht, nach Çañkara, auf Chând. 5,11—18 zurückgehend), in welchem der Âman nach außen erkennt; 2) der Traumschlaf, Taijasa (der lichte, weil in ihm der Âtman sein eigenes Licht ist, svena bhâsâ, svena jyotishâ prasvapiti, Bṛih. 4,3,9), in welchem der Âtman nach innen

 

 

 

574

Atharvaveda.

 

 

erkennt; 3) der Tiefschlaf, Prâjña (weil in ihm der Âtman nach Bṛih. 4,3,21 mit dem prâjña âtman, d. h. Brahman, vorübergehend eins wird; 4) der „Vierte", Caturtha (Turîya, Turya), in welchem die Auslöschung der Weltausbreitung nicht, wie beim dritten Zustande, unbewußt, sondern mit Bewußtsein vollbracht wird. Dem ersten Zustande entspricht in Om (a + u + m) das a, dem zweiten das u, dem dritten das m, dem vierten der moralose (amâtra) Teil des Wortes, wie durch Etymologiespiele bewiesen wird.

Die Mâṇḍûkya-Upanishad wird von Çañkara im Kommentar zu den Brahmasûtra's auffallenderweise nicht benutzt; hingegen ist sie nicht nur auf mehrere Upanishad's des Atharvaveda von großem Einflüsse gewesen, sondern dient auch, wiewohl mit veränderter Bedeutung ihrer Grundbegriffe. mehr als irgendeine andre Upanishad den geistvollen Konstruktionen des Vedântasâra zur Voraussetzung.

 

Ihre größte Bedeutung aber liegt darin, daß sie Anlaß gegeben hat zu einem der merkwürdigsten Monumente der indischen Philosophie. nämlich zu der Kârikâ des Gauḍapâda, einem Werk, dessen Wertschätzung sich schon darin kund gibt, daß seine vier Teile (deren erster die Mâṇḍûkya-

Upanishad einschließt) als vier Upanishad's gerechnet zu werden pflegen.

Daß der Autor dieser Kârikâ; welcher in der schrofßten Weise den reinen Advaita-Standpunkt vertritt, derselbe Gauḍapâda sei, der in seinem Kommentar zur Sâñkhyakârikâ die Lehre des Kapila als das Mittel der Erlösung preist, können wir nicht glauben, und wenn Spätere, wie Vâcâcspatimiçra und Vijñânabhikshu die verschiedensten Systeme kommentiert haben, so ist das doch etwas andres; denn die Mâṇḍûkya-Kârikâ ist in ihren drei letzten Teilen ein vollkommen selbständiges Werk, und der Autor desselben proklamiert, offenbar aus tießter Überzeugung, einen Standpunkt, welcher es ihm unmöglich machen mußte, sich auch nur vorübergehend zum Interpreten der Lehre der „Zweiheitler" zu machen. die er so entschieden bekämpft. Hingegen ist es sehr glaublich, daß unser Gauḍapâda der Lehrer des Govinda, des Lehrers des Çañkara gewesen sei; beide, Gauḍapâda und Çañkara, stehen in allem Wesentlichen auf demselben Standpunkte, und viele Gedanken und Bilder, in denen Çañkara sich ergeht, sehen wir bei Gauâpâda schon auftauchen (Akkomodation der Schrift, Polemik gegen die Kausalität, das objektlose Erkennen usw.; Schlange und Strick, Weltraum und Topfraum, Traum, Mâyâ, Wüstenspiegelung usw.); ja, man Kann sagen, daß Çañkara die Lehren des Gauapâda in ähnlicher Weise zum Systeme fortbildet wie Platon die des Parmenides.

Gauḍapâda und Parmenides, — dieser Vergleich wird sich jedem Leser des hier zum erstenmal übersetzten indischen Gedichtes von selbst aufdrängen, da der Grundgedanke beider Philosophen derselbe ist, ja auch die Ausführumg desselben oft merkwürdige Berührungspunkte zeigt. Alle Behauptungen des Parmenides laufen auf die beiden hinaus, daß es 1) keine Vielheit und 2) kein Werden gibt; und dem entsprechend bewegt sich das indische Gedicht von Anfang bis zu Ende in den beiden Begriffen 1) des advaitam, der Nichtvielheit, 2) der ajâti, des Nichtwerdens; und

 

 

 

575

Maṇḍûkya-Upanishad, Einleitung.

wenn wir auch, wie gewöhnlich in Indien, eine geordnete Disposition vermissen, so daß dieselben Gedanken in ermüdender Weise immer wieder vorkommen, wenn wir auch oft statt der Erklärungen nur Bilder, statt der Beweise bloße Behauptungen empfangen, so wird doch jeder Sachkenner den Eindruck gewinnen, daß das Gedicht des Gauḍapâda ebenso wie das des Parmenides auf tiefer und echter, wenn auch nur intuitiver, metaphysischer Einsicht beruht.

   Wir wollen hier nur noch den Gedankengang der vier Teile in seinen Hauptzügen andeuten, indem wir im übrigen auf unsere Übersetzung verweisen, welche, durch den Zwang des Metrums und der dadurch geforderten Kürze, nicht überall so wörtlich sein konnte, wie es nach andrer Seite erwünscht gewesen wäre; doch hoffen wir den Gedanken nirgendwo verfehlt zu haben. Nicht aber befinden wir uns überall in Übereinstimmung mit dem unter Çañkara's Namen überlieferten Kommentar, welcher oft entschieden fehl greift; z. B. wenn er 4,83 von den vier Thesen 1) asti, 2) na asti, 3) asti, na asti, 4) na asti, na asti, iti „Er ist nicht", die vierte für gleichbedeutend mit na asti, na asti, iti (vielleicht las er so) nimmt und auf den Atyantaçûnayavâda, d. h. wohl die buddhistische Schule der Mâdhyamika’s, bezieht; — und so in vielen andern Fällen.

…

576

…

577

Mâṇḍûkya-Upanishad, Einleitung.

IV. Alâtaçânti, die Beilegung des Feuerbrandkreises.

1) Vers 1 - 46. nachdem die Hauptsätze des vorigen Abschnitts, daß ein Werden weder des Seienden noch des Nichtseienden denkbar ist, und daß kein Ding je anders werden kann, als es seine Natur nach ist, nochmals eingeschräft worden, weist der Dichter die Widersprüche, die im Kausalitätsbegriff liegen, nach; Die Verhältniss von Ursache und Wirkung (kâraṇam und kâryam), Grund und Erfolg (hetu und phalam), Wahrgenommenem und Wahrnehmung sind undenkbar; daher es kein Werden gibt, auch nicht des Saṃsâra, welcher nie, und der Erlösung, welche immer bestanden hat (Vers 30 -31). Auch in dem vorsteööenden Subjekte ist kein Werden: Die Vorstellungen des Wachens beruhen ebenso wie die des Traumes, wie hier abermals ausgeführt wird, auf Irrtum, sodaß es weder im Objekte noch im Subjekte ein Werden gibt.

2) Vers 47 -52. ...

3) Vers 53 -77. ...

4) Vers 78 - 100. ...

 

Erster Teil.

§ 1.

1. Om! Diese Silbe ist die ganze Welt. Ihre Erläuterung ist wie folgt.¹

Das Vergangene, das Gegenwärtige und das Zukünftige.

——————

¹ Diesselbe Wendung Chând. 1,1,1.

 

DEUSSEN, Upanishad's

...

578

Atharvaveda

dieses alles ist der Laut Om. Und was außerdem noch über die drei Zeiten hinausliegend ist, auch das ist der Laut Om.

2. Denn dies alles ist Brahman, brahman aber ist diesr Âtman (die Seele), und dieser Âtman ist vierfach.

3. Der im Standes des Wachens befindliche, nach außen erkennende, siebengliedrige ¹, neunzehnmündige², das Grobe genießende Vaiçnâvara ist sein erstes Viertel.

4. Der im Stande des Träumens befindliche, nach innen erkennende, siebengliedrige¹, neunzehnmündige², das Auserlesene genießende³ Taijasa ist sein zweites Viertel.

5. der Zustand, „wo er, eingeschlafen, keine Begierde mehr empfindet und kein Traumbild schaut" (Bṛih. 4,3,19), ist der Tießchlaf. Der im Stande des Tießchalß befindliche „einsgewordene" (Bṛih. 4,4,2), „durch und durch ganu aus Erkenntnis bestehende" (Bṛih. 4,5,13), „aus Wonne bestehende" (Taitt. 2,5), die Wonne genießende, das Bewußtsein als Mund habende Prâjña ist sein drittes Viertel. 6. „ Er ist der Herr des Alls" (Bṛih. 4,4,22), er ist „der innere Lenker" (Bṛih. 3,7), er ist die Wiege des Weltalls (vgl. Muṇḍ. 1,1,6), denn er ist „Schöpfung und Vergang" (Kâṭh. 6,11) der Wesen.

——————

1. Allwärts, außenbewußt Viçva,

Innenbewußt ist Taijasa,

Ganz nur Bewußtsein ist Prâjña,

Einer ist's, der für dreie gilt.

 

2. aus rechtem Auge blickt Viçva,

im Manas drinnen Taijasa,

im Raum im Herzen weilt ,

So ist dreifach im Leib sein Stand.

 

3. Grobes genießend ist Viçva,

Auserlesenes Taijasa,

——————

¹ Chând. 5,18,2 (Çañkara).

² Zehn Indriya's, fünf Prâṇa's, Manas, Buddhi, Ahañkâra, Cittam (Çañkara). Vgl. unten, S. 623 Anm.

³Bṛih. 4,2,3 oben S. 462

 

579

Mâṇḍûkya-Kârikâ 1,3.

Wonne genießend ist Prâjña, Dreifach so sein Genießen ist.

 

4. An Grobem sättigt sich Viçva,

An Auserles'nem Taijasa,

An Wonne sättigt sich Prâjña,

Dreifach ist seine Sättigung.

 

5. Wer ist in diesen drei Ständen

Genießer? was Genuß-Objekt?

Wem dieses wohlbewußt beides,

Der genießt und wird nicht befleckt (Içâ 2).

 

6. Ein Ursprung ist aller Wesen

Als seiender, das ist gewiß:

Der Geist (purusha) als Lebenskraft (prâṇa) schuf sie

Getrennt wie Sonnenstrahlen nur.

 

7. Manche halten die Weltschöpfung

Für eine Machtentfaltung (vibhûti) nur,

Andre wieder für Traum halten

Die Schöpfung und für Blendwerk (mâyâ) nur.

 

8. Viele lassen die Weltschöpfung

Auf Wunsch Gottes allein entstehn,

Andre glauben, die Zeit habe

Alle Wesen hervorgebracht.

 

9. Zum Genuß sich, zum Spielzeuge

Schuf sie Gott, meinen andere; —

Nein! sie ist Gottes Selbstwesen!

Was kann wünschen, wer alles hat?

 

§ 2.

 

7. Nicht nach innen erkennend und nicht nach außen erkennend, noch nach beiden Seiten erkennend, auch nicht durch und durch aus Erkenntnis bestehend, weder bewußt noch unbewußt,— unsichtbar,unbetastbar, ungreifbar, uncharakterisierbar, undenkbar, unbezeichenbar, nur in der Gewißheit des eignen Selbstes gegründet, die ganze Weltausbreitung auslöschend, beruhigt, selig, zweitlos, — das ist das vierte Viertel, das ist der Âtman, den soll man erkennen.

——————

 

580

Atharvaveda.

10. Allgenugsam zur Austilgung

Aller Schmerzen, unwandelbar,

Als Einheit alles durchdringend

Ist der Gott, der der Verte heißt.

 

11. Wirkung und Ursache-behaftet

Sind der viçva und Taijasa,

Ursachbehaftet ist Prâjña,

Beide gelten vom Vierten nicht.

 

12. Nicht der Wahrheit noch Unwahrheit,

Nicht seiner selbst noch anderer

Ist irgend sich bewußt Prâjña, —

Ewig alles der Vierte schaut.

 

13. Im Nichterkennen der Vielheit

Sind der Prâjña und Vierte gleich;

Doch Prâjña liegt im Keimschlummer,

Der Vierte keinen Schlummer kennt.

 

14. Traum und Schlaf sind der zwei ersten,

Traumloser Schlaf des Prâjña ist,

Weder Träumen noch auch Schlafen

Schreibt zu dem Vierten, wer ihn kennt.

 

15. Der Träumende erkennt irrig,

Gar nicht erkennt der Schlafende;

Beide irren; wo das schwindet,

Da wird der vierte Stand erreicht.

 

16. In anfanglosem Weltblendwerk

Schläft die Seele; wenn sie erwacht,

Dann wacht in ihr das zweitlose Schlaf-

und traumlose Ewige.

 

17. Bestünde die Weltausbreitung,

So müßte sie vergehen erst;

Doch alle Vielheit ist Blendwerk,

Vielheitlos ist die Wirklichkeit.

 

18. Widerlegbar sind Annahmen

Nur, wenn einer sie aufgestellt;

Doch hier sind sie nur Lehrmittel;

Dem, der weiß, ist die Vielheit nichts.

 

581

Mâṇḍûkya-Kârikâ § 3.

§ 3.

8. Dieser Âtman nun ist in bezug auf die Laute [adhyaksharam, analog gebraucht wie adhidaivatam, adhyâtmam] die Silbe Om, nämlich in bezug auf seine Moren; die Moren sind die Viertel [des Âtman], und die Viertel sind die Moren, nämlich der a-Laut, der u-Laut und der m-Laut.

 

9. Der im Stande des Wachens befindliche Vaiçvânara ist der a-Laut, die erste Mora, von dem Erlangen (â-pti) oder von dem Erstersein (â-dimattvam). — Der, fürwahr, erlangt alle Wünsche und wird zum Ersten, der solches weiß!

 

10. Der im Stande des Träumens befindliche Taijasa ist der u-Laut, die zweite Mora, von dem Hochhalten (u-tkarsha) oder von dem Beiderseitssein (ubhayatvam). — Der, fürwahr, hält hoch die Tradition des Wissens [in seiner Familie] und wird von beiden Seiten [Freund und Feind] gleich geachtet, und keiner, der nicht das Brahman kennte, wird in seiner Familie sein, der solches weiß!

 

11. Der im Stande des Tießchlafes befindliche Prâjña ist der m-Laut, die dritte Mora, von dem [durch mi minoti bezeichneten] Aufbauen (miti) oder auch von dem [durch minâti bezeichneten] Vernichtetwerden (apîti). — Der, fürwahr, baut [aus sich] diese ganze Welt auf und ist ihre Vernichtung der solches weiß!

——————

 

19. Sehr gleicht Viçva dem a-Laute

Durch Ähnlichkeit des Erster-seins,

Durch-Moren-Übereinstimmung

Sind auch gleich im Erlangen sie.

 

20. Taijasa gleicht dem u-Laute

In dem Hochhalten offenbar,

Durch Moren-Übereinstimmung

Sind auch gleich sie im Beidessein.

 

21. Sehr gleicht Prâjña dem m-Laute.

Durch des Aufbauens Ähnlichkeit,

Durch Moren-Übereinstimmung

Sind auch gleich im Vernichten sie.

 

 

582

Atharvaveda.

22. Weil er in den drei Zuständen

Klar durchschaut diese Ähnlichkeit,

Darum gebührt dem Hochweisen

Von allen Wesen Ehr' und Preis.

 

23. Der a-Laut führt zum Ziel Viçva,

Der u-Laut führt den Taijasa,

Der m-Laut führt zum Ziel Prâjña, —

Kein Ziel des Moralosen ist.

 

§ 4.

12. Moralos ist. der Vierte, unbetastbare, die ganze Weltausbreitung auslöschende, selige, zweitlose. — In dieser Weise ist die Silbe Om der Âtman (das Selbst).

Der geht mit seinem [individuellen] Selbste in das [höchste] Selbst ein (Vâj. Saṃh. 32,11), wer solches weiß, — wer solches weiß.

 

——————

 

24. Nach Vierteln wisse den 0m-Laut,

Seine Moren die Viertel sind;

Wer nach Vierteln den Om-Laut kennt,

Braucht nichts weiter zu wissen mehr. .

 

25. Im heil'gen Ruf geh' auf denkend,

Er ist Brahman, das furchtlose,

Wer stets im heil'gen Ruf aufgeht,

Der fürchtet sich vor keinem mehr.

 

26. Der heil'ge Ruf ist das nied're,

Er ist das höh're Brahman auch,

,,Ohne Früheres und Spät'res,

Ohne Inn'res und Äußeres" (Bṛih. 2,5,19).

 

27. Denn er ist aller Welt Anfang,

Ist Mitte ihr und Ende auch,

Wer so den heil'gen Ruf weiß, der

Wird alsbald mit ihm eins sodann.

 

28. Den heil'gen Ruf als Gott wisse,

Der im Herzen von allem thront;

 

583

Mâṇḍûkya-Kârikâ 1,28.

Der Weise, der den Orn-Laut kennt

Als allerfüllend, trauert nicht.

 

29. Unendlichteilig und teillos,

Ist er der Zweiheit sel'ge Ruh;

Wer als solchen den Om-Laut kennt,

Ist ein Muni, kein anderer.

 

Zweiter Teil,

genannt Vaitathyam, ,,die Unwahrheit".

1. Alles, was wir im Traum sehen,

Ist unwahr, sagen Weise uns,

Weil alles dies nur inwendig,

Weil es in uns bechlossen liegt;

 

2. Auch weil die Zeit zu kurz wäre

Zum Besuch ferner Gegenden,

Und weil wir ja beim Aufwachen

Nicht sind in jenen Gegenden.

 

3. ,,Da sind nicht Wagen, nicht Straßen,"

Lehrt die Schrift (Bṛih. 4,3,10) und das Denken uns,

So ist des Träumens Unwahrheit

Erwiesen und auch offenbart.

 

4. Weil Vielheit hier nur inwendig,

Ist sie es auch im Wachen nur;

Hier wie dort ist nur Vorstellung,

In uns beschlossen, hier wie dort.¹

 

5. Des Träumens Zustand und Wachens

Als derselbe den Weisen gilt,

Denn gleich ist beiden die Vielheit, —

Aus diesem wohlerwiesnen Grund.

 

6. Was nicht vorher und nicht nachher,

Ist auch nicht in der Zwischenzeit;

Obwohl es unwahr ist, wird es

Für nicht unwahr doch angesehn.

 

——————

¹ Lies: saṃvṛitatve na bhidyate.

 

 

584

Atharvaveda.

7. Des Wachens Tun ist zweckmäßig,

Aber nicht, wenn wir träumen, mehr;

Drum, weil es anfängt und aufhört,

Kann auch es nur auf Trug beruhn.

 

8. Auch was am Träume neu, stammt nur

Aus dem Geld, und wenn Götter ihm

Erscheinen, schaut er sie so nur,

Wie er über sie ward belehrt.

 

9. Was er träumend im Geist bildet

Innerlich, das ist unreal,

Wiewohl sein Geist es griff draußen,

Als gesehn unwahr beides ist.

 

10. Was er wachend im Geist bildet

Innerlich, das ist unreal,

Wiewohl sein Geist es griff draußen,

Folgerecht unwahr beides ist.

 

11. Wenn nun beiderlei Vielheiten

Unwahr im Traum und Wachen sind,

Wer erkemt beide Vielheiten,

Wer stellt sie im Bewußtsein vor?

 

12. Durch Selbsttäuschung der Gott Âtman

Stellt sein Selbst durch sich selber vor,

Erkennend beide Vielheiten, —

Feststeht dieser Vedântasatz.

 

13. Umwandelnd stellt er als andres

Vor, was nur im Bewußtsein ist,

Als draußen und als notwendig

Stellt in sich es der Âtman vor.

 

14. Geist ist des Innern Zeitmesser,

Die Vielheit der des Äußeren,

Ihr Unterschied liegt nur hierin,

Als Vorstellung sind beide gleich.

 

15. Undeutlich ist die Welt drinnen

Deutlich die Welt, die draußen liegt;

Dem Sinnorgan nach verschieden,

Sind sie Vorstellung beide gleich.

 

585

Mâṇḍûkya-Kârikâ 2,16.

16. Die Seele stellt man vor erstlich,

Sodann der Dinge Sonderheit,

Der äußeren und der drinnen,

Wie man weiß, so erinnert man.

 

17. Wie ein Strick, nicht erkannt deutlich

Im Dunkeln, falsch wird vorgestellt

Als Schlange, als ein Strich Wassers,

So wird falsch vorgestellt das Selbst (âtman).

 

18. Wie, wenn der Strick erkannt deutlich, .

Und die falsche Vorstellung weicht,

Er nur Strick bleibt unzweiheitlich,

So, wenn deutlich erkannt, das Selbst.

 

19. Wenn er sah Prâṇa's, als alle

Die vielen Dinge uns erscheint,

So ist das alles nur Blendwerk (mâyâ),

Mit dem der Gott sich selbst betrügt.

 

20. Prâṇa-Kennern ist er Prâṇa's (Vaiçeshika's),

Elemente dem, der sie kennt (Lokâyatika's),

' Gujµ-Wissern ist er Guna's (Sâñkhya's),

Tattva's ist' er dem, der sie kennt (Çaiva's).

 

21. Viertelwissern ist er Viertel (Mâṇḍûkya-Up.),

Sinnlichkeitswissern Sinnlichkeit (Vâtsyâyana),

Den Weltraumwissern Welträume (Paurâṇika's),

Götter den Götterkundigen (Veda-Anhängern).

 

22. Den Vedawissern ist Veda’s,

Den Opferwissern Opfer er,

Genießer denen, die diesen,

Genußobjekt, die dies verdehn.

 

23. Subtil für solche, die dieses,

Grob für solche, die dies verstehn,

Gestaltet denen, die dieses,

Ungestaltet, die dies verstehn.

 

24. Zeit ist er für die Zeitwisser,

Für Raumkenner ist er der Raum,

Künste ist er für Kunstkenner,

Weltschichten dem, der diese kennt.

 

 

586

Atharvaveda.

25. Für Manas-Kenner ist Manas,

Für Buddhi-Kenner Buddhi er,

Geist ist er für die Geistwisser,

Recht und Unrecht dem, der sie kennt.

 

26. Fünfundzwanzigfach fiir diese (Sâñkhya's),

Jenen als secbsundzwanzigster (Pâtañjala's),

Einunddreißigfach für andre (Pâçupata's),

Unendlich gilt für viele er (vgl. Cûlikâ 14).

 

27. Welten ist er dem Weltkenner,

Lebensstadien, dem der sie kennt,

Drei-Genushaft den Sprachlehrern,

lindern nied'res und höheres (sc. Brahman).

 

28. Für Schöpfungswisser Weltschöpfung,

Für Vergangwisser Weltvergang,

Weltbestand für Bestandwisser, —

So ist alles er allerwärts.

 

29. Welches Sein man so andichtet

Dem Âtman, dafür hält er sich,

Das hegt er und, zu ihm werdend,

Gibt er ihm sich als Dämon hin.

 

30. Er Selbst kennt alle Seinsformen,

Von denen er verschieden scheint, —

Wer dies weiß, wird sich vorstellen

Ohne Scheu, wie es wirklich ist.

 

31. Wie Traum und Blendwerk man ansieht,

Wie eine Wüstenspieglung,

So sieht an dieses Weltganze,

Wer des Vedânta kundig ist.

 

32. Kein Vergang ist und kein Werden,

Kein Gebundner, kein Wirkender,

Kein Erlösungsbedürftiger,

Kein Erlöster, der Wahrheit nach.

 

33. Als unreale Seinsformen

Und als Einer wird er gedacht,

Doch wer sie denkt, ist stets Einer,

Drum die Einheit den Sieg behält.

 

587

Mâṇḍûkya-Kârikâ 2,34.

34. Nicht auf den Âtman stützt Vielheit

Und auch nie auf sich selber sich,

Nicht neben ihm und nicht durch ihn

Kann bestehn sie, das ist gewiß.

 

35. Furcht, Zorn und Neigung ablegend,

Schaut zweiheitlos und wandellos

Der Weltausbreitung Aufhören

Der Muni, der den Veda kennt.

 

36. Wer so erkannt der Welt Wesen,

Der halte an der Einheit treu;

Der Zweiheitlosigkeit sicher,

Geht er kalt an der Welt vorbei.

 

37. Von Preisen frei und Lobsingen,

Ja, auch ohne den Manenkult,

In allem, was da lebt, heimisch,

Lebt er so ,,wie es eben kommt" (Bṛih. 3,5).

 

38. Das Wesen in sich selbst sehend,

Das Wesen in der Außenwelt,

Zu ihm werdend, in ihm ruhend,

Hält er treu an dem Wesen fest.

 

 

Dritter Teil,

genannt Advaitam, »die Zweiheitlosigkeit'.

1. Verehrung das Gebot fordert

Des Brahman als Gewordenen,

Eh' es ward, war es noch nicht da,

Drum armselig Verehrer sind.

 

2. Was nicht armselig, hört jetzo,

Ungeboren, gleich allerwärts,

Und warum nichts entsteht irgend,

Obwohl entstehend überall.

 

3. Der Âtman gleicht dem Weltraume,

Der Jîva gleicht dem Raum im Topf,

Die Töpfe sind die Leibstoffe,

Was ,,entstehn" heißt, dies Gleichnis zeigt.

 

 

588

Atharvaveda.

4. Wenn die Töpfe zugrund gehen,

Was wird dann aus dem Raum im Topf?

Er zergeht in dem Weltraume, —-

So der Jîva im Âtman auch.

 

5. Wie, wenn in einem Topfraume

Staub sich vorfindet oder Rauch,

Nicht alle Räume dies teilen,

So die Jîva's nicht Lust und Leid.

 

6. Ja, Formen, Wirkungen, Namen

Sind verschieden nach ihrem Ort,

Doch der Raum, den sie einnehmen,

Ist sich gleich, — so die Jiva's auch.

 

7. Wie der Topfraum vom Weltraume

Kein Produkt ist und auch kein Glied,

So ist der Jîva vom Âtman

Kein Produkt, auch kein Glied von ihm.

 

8. So wie der Himmelsraum Kindern

[Obwohl farblos,] als blau erscheint,

So scheint behaftet mit Flecken

Unerfahrnen der Âtman auch.

 

9. Was Sterben und Entstehn angeht,

Fortgehn und Wiederherkommen

Und alle Körper Durchsetzen, —

Ist dem Raume vergleichbar er.

 

10. Doch traumgleich alle Leibstofie

Als Trug der Âtman breitet aus;

Weder als gleich, noch als ungleich

An Rang lassen sie denken sich.

 

11. Als Seele (jîva) in den fünf Hüllen,

So lehrt das Taittirîyakam (Taitt. Up. 2),

Der höchste Âtman versteckt ist,

Er, den dem Raum verglichen wir.

 

12. Im Honigteile (Bṛih. 2,5) wird paarweis

Das höchste Brahman aufgezeigt, —

Wie in der Erd' und im Leibe, —

Er, den dem Raum verglichen wir.

 

589

Mâṇḍûkya-Kârikâ 3,13.

13. Wenn die Schrift Jîva und Âtman

Durch Gleichsetzung für eins erklärt,

Verwerfend alles Vielheitein,

So ist das wahr in vollem Sinn.

 

14. Doch wenn auch vor der Weltschöpfung

Sie beide auseinander hält (Chând. 6,3,2),

So gilt das bildlich, nicht wörtlich,

Und nur von dem, was werden soll.

 

15. Und wenn sie überhaupt Schöpfung

Im Bild von Ton, Erz, Funken lehrt (Chând. 6,1,3.

Bṛih. 2,1,20),

So dient dies nur als Lehrmittel (vgl. 1,18),

Denn ,,nicht ist Vielheit irgendwie" (vgl. Bṛih. 4,4,19).

 

16. Schüler gibt es in drei Stufen,

Schwache , mittlere, treffliche ;

Um ihrer willen, aus Mitleid

Verehrungsobjekt Brahman wird.

 

17. Auf ihrer Sätze Standpunkt stehn

Zuversichtlich die Zweiheitler,

Doch widersprechen sie selbst sich,

Bei uns fehlt dieser Widerspruch.

 

18. In Wahrheit ist die Unzweiheit,

Zweiheit nur in der Spaltungswelt;

Sie lehren beiderseits Zweiheit,

Bei uns fehlt solcher Widerspruch.

 

19. Als Blendwerk nur besteht Spaltung

Jenes Einzigen, Ewigen,

Denn wäre Spaltung in Wahrheit,

Sterblich würde, was ewig ist.

 

20. Vom ungewordnen Sein nehmen

Jene Lehrer ein Werden an, —

Was ungeboren, unsterblich,

Wie könnte sterblich werden das!

 

21. Was unsterblich, kann nicht sterblich,

Was sterblich, nicht unsterblich sein,

Kein Ding kann anders sein jemals,

Als es seiner Natur nach ist.

 

 

 

590

Atharvaveda.

22. Wenn ein unsterbliches Dasein

Überginge in Sterblichsein,

Nur scheinbar wär' es unsterblich,

Wo bliebe seine Ewigkeit?

 

23. Von Wahrheit oder Schein redend,

Stets von der Schöpfung Gleiches lehrt

Die Schrift, sicher und grundhabend,

Ist's, wie sie sagt, und anders nicht.

 

24. ,,Nicht ist hier Vielheit" so heilßt es (Bṛih. 4,4,19),

,,Durch Blendwerk vielfach Indra geht" (Bṛih. 2,5,19),

,,Als ungeboren wird vielfach" (Vâj. Saṃh. 31,19)

Durch Blendwerk nur geboren er.

 

25. Durch Bestreituog der Sambhüti (Îçâ 12)

Wird ein Entstehen abgewehrt;

,,Wer könnte ihn hervorbringen?"

Dies Wort (Bṛih. 3,9,28) zeigt ihn als ursachlos.

 

26. Das Wort: ,,er ist nicht so, nicht so" (Bṛih. 4,2,4.),

Absprechend alles Sagbare,

Kann, wie die Unerkennbarkeit

Zeigt, auf Ihn sich beziehen nur.

 

27. Das Seiende kann nicht werden,

Es wäre denn durch Blendverk nur;

Wer es in Wahrheit läßt werden,

Läßt werden, was schon war vorher.

28. Nicht in Wahrheit, noch als Blendwerk

Kann je entstehn Nichtseiendes;

Ein Sohn der Unfruchtbaren wird

Nicht in Wirklichkeit, noch im Schein.

 

29. Wie im Traume der Geist regt sich,

Als viel scheinend durch Täuschung nur,

So im Wachen der Geist regt sich,

Als viel scheinend durch Täuschung nur.

 

30. Ab viel erscheint, der nur eins ist,

Im Traum der Geist, — das ist ja klar;

Als viel erscheint, der nur eins ist,

Der wache Geist, — auch das ist klar.

 

591

Mâṇḍûkya-Kârikâ 3,31.

31. Alles wird nur im Geist sichtbar,

Was als Vielheit hier geht und steht;

Und wenn der Geist von sich selbst kommt,

Ist die Vielheit nicht sichtbar mehr.

 

32. Sobald der Geist nicht mehr vorstellt,

Weil ihm aufging das Âtman-sein,

Nimmt, als Nichtgeist, er nicht wahr mehr,

Weil nichts mehr wahrzunehmen bleibt.

 

33. Als ewig wandellos Wissen,

Vom Gewußten verschieden nicht,

Das Brahman wird gewußt allzeit,

Vom Ew'gen Ew'ges wird gewußt.

 

34. Dieser Vorgang besteht darin,

Daß zwangweis alle Regungen

Des Geistes unterdrückt werden, —

Anders ist es im tiefen Schlaf

 

35. Der Geist erlischt im Tießchlafe,

Nicht erlischt er, wenn unterdrückt,

Sondern Brahman, das furchtlose,

Wird er, ganz nur Erkenntnislicht,

 

36. Das ew'ge, schlaf- und traumlose,

Das ohne Namen und Gestalt,

,,Mit eins aufleuchtend" (Chând. 8,4,1), allwissend, —

Ihm gilt keine Verehrung mehr.

 

37. Von ihm weicht alle Wehklage,

In ihm ist keine Sorge mehr,

Ganz befriedigt, mit eins Licht, ist

Festes, furchtloses Sinnen es.

 

38. Kein Nehmen ist da, kein Geben,

Wo keine Sorge mehr besteht,

Dann ist nur in sich selbst ruhend

Das ew'ge Wissen, selbst sich gleich.

 

39. Das heißt der Ungefühl-Yoga,

Schwer zu schauen dem Yogin selbst,

Da auch selbst Yogin's ihn scheuen,

Vor dem Furchtlosen fürchtend sich.

 

592

Atharvaveda.

40. Der Geist muß unterdrückt werden,

Damit zuteil dem Yogin wird

Das Furchtlose, das Schmerzlose,

Die Erweckung, die ew'ge Ruh.

 

41. Wie wenn zerfließt im Weltmeere¹

Der Tropfen, der am Grashalm hing,

So des Geistes Unterdrückung

Erfolgt ohne Beschwerlichkeit.

 

42. Man unterdrücke methodisch

Den Geist, den Wunsch und Lust zerstreut,

Ganz ruhig wird er dann schwinden,

Sein Schwinden ist wie Liebeslust.

 

43. Man welß, daß alles voll Schmerzen,

Und wendet sich von Wunsch und Lust;

Man welß, daß alles nur Brahman,

Und sieht nicht das Gewordne mehr.

 

44. Weckt den Geist, will er nichts werden (einschlafen),

Sammelt ihn, will er sich zerstreun;

Beides wisse man als sündhaft;

Ward er brahmangleich, stört ihn nicht!

 

45. Freilich schmeckt er dann nicht Lust mehr,

Keiner Begierde sich bewußt:

Sein Denken, ungestört wirkend,

Strebe eifrig zur Einheit hin.

 

46. Wenn dann weder im Schlaf schwindet

Der Geist, noch auch Zerstreuung sucht,

Dann tritt hervor er als Brahman,

Regungslos und vom Scheine frei.

 

47. Als frei, beruhigt und leidlos,

Als unaussprechlich höchste Lust,

Als ewig, ewigen Objekts

Allbewußt, schildern Kenner es.

 

——————

¹ Vielleicht ist udadhau zu lesen. Zur Auffasstmg des Scholiasten kann ich mich nicht entschließen.

 

593

Mâṇḍûkya-Kârikâ 3,48.

 

48. Keine Seele entsteht jemals,

Kein Entstehn ist der ganzen Welt,

Das ist die höchste Heilswahrheit,

Daß es nirgend ein Werden gibt!

 

 

Vierter Teil,

genannt Alâtaçânti, ,,die Beilegung des Feuerbrandes¹".

1. Der wie Wolken im Weltraume

Die Vielheiten im Einen welß,

Das Subjekt und zugleich Objekt

Ist, — ihn ehr' ich, den Purusha!

 

2. Den wir als Ungefühl-Yoga,

Allem Seienden freund und gut,

Widerspruchlos, unanfechtbar,

Aufgezeigt (3,39), — ihm Verehrung sei!

 

3. ,,Ein Werden ist nur des, was ist",

So sagen manche Denker uns; —

,,Nein! des, was nicht ist", so andre,

Gegenseitig in Widerspruch.

 

4. ,,Was ist, das kann doch nicht werden!" —

,,Was nicht ist, kann auch werden nicht!" —

So streitend, für das Nichtwerden,

Gleich Nichtzweiheitlern, zeugen sie.

 

5. Uns freut, wenn sie dadurch zeigen,

Daß ein Werden unmöglich ist; —

Daß wir uns nicht, wie sie alle,

Widersprechen, das höret jetzt.

 

6. Des Ungewordenen Werden

Nehmen jene Behaupter an,

Doch, was nicht ward, was unsterblich,

Wie könnte sterblich werden das?

 

——————

¹) D. h. wohl: ,,die Widerlegung des (scheinbaren, durch Umschwingung des Feuerbrandes entstehenden) Funkenkreises".

 

DEUSSEN, Upanishad's.

 

 

594

Atharvaveda.

7. Was unsterblich, kann nicht sterblich,

Was sterblich, nicht unsterblich sein,

Kein Ding kann anders sein jemals,

Als es seiner Natur nach ist (= 3,21).

 

8. Wenn ein unsterbliches Wesen

Überginge in Sterblichsein,

Nur scheinbar wär' es unsterblich,

Wo bliebe seine Ewigkeit (= 3,22) ?

 

9. Wesenseigen , bestandbildend,

Angeboren und ungemacht,

Das eigne Sein nie aufgebend, —

So ist, was ,,die Natur" (prakṛiti) man nennt.

 

10. Ungeboren und unsterbend

Sind Selbstheiten (dharma) dem Wesen nach;

Der ist der Selbstheit unkundig,

Der sie entstehn und sterben läßt.

 

11. Für wen die Ursach wird Wirkung,

Der läßt werden die Ursache, —

Wie kann, was ewig ist, werden?

Wie, was eigen ist, trennen sich?

 

12. Wird die Ursache selbst Wirkung,

Dann ist ewig die Wirkung schon,

Und doch wird sie! und ihr Werden

Läßt die Ursach verloren gehn!

 

13. Nein! Wer das Ew'ge läßt werden,

Dem steht keine Erfahrung bei;

Und wer Gewordnes läßt werden,

Verfällt in ewigen Regreß!

 

14. Wenn ein Erfolg des Grunds Ursprung,

Und der Grund Ursprung des Erfolgs,

Dann wären anfanglos beide,

Grund und Erfolg, wie kann das sein?

 

15. Wenn ein Erfolg des Grunds Ursprung,

Und der Grund Ursprung des Erfolgs,

Dann ist wohl das Entstehn beider,

Wie wenn der Sohn den Vater zeugt?

 

 

 

595

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,16.

16. Grund und Erfolg, wenn entstanden,

Erheischen Reihenfolge doch;

Denn entstehen sie gleichzeitig,

Wie zwei Hörner, so fehlt das Band.

 

17. Daß aus Erfolgen entspränge

Der Grund selbst, ist beweisbar nicht,

Und ist der Grund unbeweisbar,

Wie kann er wirken den Erfolg?

 

18. Wenn aus Erfolg der Grund folgte

Und aus dem Grunde der Erfolg,

Welcher von beiden ist früher,

Und sein Folgen nur relativ?

 

19. So legt Unmöglichkeit (4,14), Unsinn (4,15)

Und Verwirrung der Zeitordnung (4,16— 18),

In die die Gegner stets fallen,

Für das Nichtwerden Zeugnis ab.

 

20. Der Fall von Samen und Pflanze

Ist nur scheinbar beweisend hier¹;

Was aber nur beweist scheinbar,

Ist zum Beweisen tauglich nicht.

 

21. Der Widersinn der Zeitfolge (4,15)

Bestätigt das Nichtwerden nur;

Da Werdendes zurückweisen

Sicher würde auf Früheres.

 

22. Nicht aus sich selbst, noch aus anderm

Kann ein Wesen entstehen je;

Nicht als seiend, noch nichtseiend,

Noch als beides, kann es entstehn.

 

——————

¹ Das Verhältnis zwischen Same und Pflanze muß entweder einen Anfang haben oder anfanglos sein; beides aber ist unmöglich. Es hat keinen Anfang: denn jede Pflanze setzt immer schon den Samen, jeder Same wiederum die Pflanze voraus. Es kann auch nicht anfanglos sein: denn jede Pflanze, jeder Same ist in der Zeit entstanden, hat also einen Anfang. Oder sollen alle Glieder zeitlich, und nur ihr Verhältnis anfanglos sein?

Auch das ist unmöglich; na hi vîja-añkura-vyatirekeņa vîja-añkura-saṃtatir nâma ekâ abhyupagamyate; denn das Verhältnis ist nur das Band zwischen den Gliedern, setzt also diese schon voraus und ist ohne dieselben nichts (nach Çañkara).

 

596

Atharvaveda.

23. Grund und Erfolg, wenn anfanglos,

 

Schließen das Werden von sich aus;

 

Wofür es gibt keinen Anfang,


Dafür gibt keinen Anfang es.

 

 

24. Wahrnehmung müsse Grund haben,


Weil unmöglich ihr Wechseln sonst,

Auch sei von uns unabhängig

 

Schmerz und Wahrnehmung, — meinen sie.

 

 

25. Wahrnehmung müsse Grund haben,


So beweisen sie künstlich uns,
—

 

Doch daß der Grund keinen Grund hat,

 

Das lehrt Wesensbetrachtung uns.

 

 

26. Der Geist berührt nicht Objekte


Und auch nicht der Objekte Schein;

 

Wenn unreal die Objekte,


Ist's auch, vom Geist getrennt, ihr Schein.

 

 

27. Auch nicht, in den drei Zeitläuften,

 

Berührt je ein Objekt den Geist;

 

Grundloser Schein noch viel wen'ger;

 

Wie könnte werden der zum Grund!

 

 

28. Darum ist nirgend ein Werden,


Im Subjekt nicht, im Objekt nicht;

 

Wer eins von beiden läßt. werden,


Der wandelt in den Wolken nur.

 

 

29. Weil sonst das Ewige würde,


Ist unwerdend die Wesenheit;

 

Kein Ding kann anders sein jemals,

 

Als es seiner Natur nach ist (= 3,21. 4,7)

 

 

30). Wär' anfanglos der Samsâra,


So könnte er nicht endlich sein;

 

Wär' die Erlösung einfangend,

 

Sie könnte nicht unendlich sein.

 

 

31. Was nicht vorher und nicht nachher,


Ist auch nicht in der Zwischenzeit;

 

Obwohl es unwahr ist , wird es

 

Für nicht unwahr doch angesehn (= 2,6).

 

 

597

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,32.

32. Des Wachens Tun ist zweckmäßig,


Aber nicht, wenn wir träumen, mehr;

 

Drum, weil es anfängt und aufhört,

 

Kann auch es nur auf Trug beruhn (= 2,7).

 

 

33. Was im Träume wir wahrnehmen,


Ist irrig, weil im Körper nur;

 

Wie ließen Dinge sich schauen


In diesem eingeschlossnen Raum ?

 

 

34. Auch ist die Zeit nicht hinreichend,

 

Hinzugehen, um sie zu sehn;

 

Auch finden wir beim Aufwachen

Und nicht da, wo wir sie gesehn (vgl. 2,2).

 

 

35. Und was mit ändern man absprach,

 

Besteht nicht mehr, wenn man erwacht;

 

Und was im Traume man faßte,

Hält man, erwacht, in Händen nicht.

 

 

36. Auch was wir von dem Leib träumen,


Ist unwahr und nicht wie es ist;,
—

 

Unwahr wie dieses, ist alles,


Was der Geist. nimmt im Wachen wahr.

 

 

37. Was wir, wie wachend, wahrnehmen


Im Traum, hat seinen Grund in uns;

 

So hat in uns seinen Grund auch,


Was wir im Wachen nehmen wahr.

 

 

 

38. Unbegreiflich ist Entstehung;

 

Alles als ewig lehrt die Schrift;

 

Nimmermehr kann hervorgehen


Aus Seiendem Nichtseiendes (Werdendes).

 

 

39. Nichtseiendes sehn wir wachend;

 

Das Traumbild ist aus gleichem Stoff.

 

Nichtseiendes sehn wir träumend;

 

Wenn wir erwachen, ist es nichts.

 

 

40. Nichtsein gebiert doch nicht Nichtsein,

 

Nichtsein gebiert auch nicht das Sein:

 

Und auch das Sein gebiert Sein nicht;

 

Sein kann Nichtsein gebären nicht.

 

 

598

Atharvaveda.

41. Wie man im Wachen als Irrtum

 

Unmögliches als seiend fasst,


So auch im Traume aus Irrtum


Sieht man Wesen erscheinen sich.

 

 

42. Aus Wahrnehmung und Herkommen

 

Halten am Realismus sie;

 

Was sie kennen ist nur Werden,

 

Zurückschreckend von dem, was ist.

 

43. Manche¹ vom Sein zurückschreckend,

 

Wenn auch nicht bloße Wahrnehmer,

 

Des Werdens Mängel nicht meiden;

 

Mängel bleiben es, wenn auch klein.

 

44. Durch Wahrnehmung, durch Herkommen

 

Heißt auch ein Blendwerk Elefant;

 

Durch Wahrnehmung, durch Herkommen

 

Heißt auch das Ding ein seiendes.

 

45. Werden ist Schein, Bewegung Schein,

 

Das Dingliche ist bloßer Schein;

 

Nichtwerdend, unbewegt, dinglos,


Still, zweiheitlos die Wahrheit ist.

 

46. So ist kein Werden im Subjekt,


Im Objekte kein Werden ist;

 

Wer dieses hat erkannt einmal,


Fällt nicht zurück ins Gegenteil.

 

47. Wie Funkenschwingung den Schein gibt

 

Grader und krummer Linien,


So den Schein Bewußtseinsschwingung

 

Von Auffassen und Aufasser.

 

48. Wie ungeschwungen der Funke


Nicht erscheint, nicht entsteht (als Kreis),

 

So Bewußtsein ungeschwungen

 

Erscheint nicht und entsteht auch nicht.

 

——————

1 Die Anhänger des (religiösen) Herkommens (samâcâra), welche das Seiende in der Form des Werdens, die Wahrheit im Gewande des Mythos besitzen. — Bemerkenswert ist die Zurückhaltung, mit der sie hier getadelt

werden.

 

 

599

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,49.

49. Schwingt der Funke, so kommt der Schein

 

Nicht von anßen her irgendwie,


Nicht von anderm als dem Schwingen,

 

Nicht ist Zuwachs dem Funken er.

 

 

50. Auch nicht entflieht er dem Funken,

Weil er nicht hat ein Wirklichsein,

 

Ebenso ist's beim Erkennen,


Denn auch dieses ist bloßer Schein.

 

 

51. Schwingt Erkenntnis, so kommt der Schein

 

Nicht von außen her irgendwie,


Nicht von anderm als dem Schwingen,

 

Nicht ist Bewußtseinszuwachs er.

 

 

52. Nicht entflieht er dem Bewußtsein,


Weil er nicht hat ein Wirklichsein;

 

Weil Verursachtsein unwirklich,

 

Ist als wirklich undenkbar er.

 

 

53. Ein Ding, so meint man, sei Ursach

 

Des Daseins für ein andres Ding,

 

Doch für die Wesenheit gibt es


Kein Dingsein und kein Anderssein.

 

 

54. Weder aus Geist entspringt Dasein,

 

Noch aus Dasein entspringt der Geist;

 

Drum nehmen Weise kein Werden

 

Des Grunds oder Erfolges an.

 

 

55. Wer noch Grund und Erfolg annimmt,

 

Dem entstehn aus einander sie;

 

Wer frei von dieser Annahme,

Für den entstehen sie nicht mehr.

 

 

56. Wer noch Grund und Erfolg annimmt,

 

Für den streckt der Saṃsâra sich;

Wer frei von dieder Annahme,


Der ist auch vom Saṃsâra frei.

 

 

57. Wer geistumnachtet, sieht werdend

 

Alles, ein Ew'ges kennt er nicht;

 

In Wahrheit alles ist ewig,

 

Vernichtetwerden gibt es nicht.

 

 

 

600

Atharvaveda.

 

58. Die Wesenheiten, die werden,


Die werden nicht in Wirklichkeit;

 

Ihr Entstehen ist nur Blendwerk,

 

Und Blendwerk ist nicht Wirklichkeit.

 

 

59. Wie, wo der Same nur Blendwerk,

 

Auch die Pflanze ein solches ist,

 

Nicht wesenhaft noch austilgbar,

So steht’s mit allen Dingen hier.

 

 

60. Da alle Dinge nicht wirklich,

Gibt nicht Dauer es noch Vergang;

 

Wo alle Farben wegfallen,

Ist keine Unterscheidbarkeit.

 

 

61. Wie in des Traumes Scheinvielheit

 

Der Geist irrtümlich ist verstrickt,

 

So in des Wachens Scheinvielheit


Ist irrtümlich der Geist verstrickt.

 

 

62. Wie träumend eine Schein-Vielheit

 

Erblickt der vielheitlose Geist,

 

So wachend eine Schein-Vielheit

 

Erblickt der vielheitlose Geist.

 

 

63. Was man, im Traum umherschweifend

 

In allen Himmelsgegenden,

An Tieren, Vögeln, Insekten

Nur immer wahrzunehmen meint,

 

 

64. Das besteht nirgendwo anders

Als im Geiste des Träumenden;

 

Drum alles, was er dann sieht, ist

 

Nur Bewußtsein des Träumenden.

 

 

65. Was man, wachend umherschweifend

 

In allen Himmelsgegenden,

 

An Tieren, Vögeln, Insekten

Nur immer wahrzunehmen meint,

 

 

66. Das besteht nirgendwo anders


Als im Geiste des Wachenden;

 

Drum alles, was er dann sieht, ist

 

Nur Bewußtsein des Wachenden.

 

 

601

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,67.

 

67. Das Ding und seine Vorstellung

 

Bedingen gegenseitig sich;

 

Bestandlos ist für sich jedes,


Nur im Bewußtsein stehn sie da.

 

 

68. Wie wir von einem bloß träumen,

 

Daß er geboren wird und stirbt,


So sind all diese Weltwesen


Wirklich und doch auch wirklich nicht.

 

 

69. Wie wir im Wahngebild schauen,

 

Daß einer lebt und wieder stirbt,

So sind all diese Weltwesen

Wirklich und doch auch wirklich nicht.

 

 

70. Wie Zauberkunst uns läßt schauen,

Daß einer lebt und wieder stirbt,


So sind all diese Weltwesen

Wirklich und doch auch wirklich nicht.

 

 

71. Keine Seele entsteht jemals,


Kein Entstehn ist der ganzen Welt;

 

Das ist die höchste Heilswahrheit,


Daß es nirgend ein Werden gibt (= 3,48).

 

 

72. Was zweifach als Subjekt-Objekt

Scheint, ist Bewußtseinsschwingung nur (4,47);

 

Der Geist ist ewig objektlos,


,,An ihm haftet nichts", lehrt die Schrift (Bṛih. 4,3,15).

 

 

73. Wie es künstlich durch Annahme (3,15),

So ist es nicht in Wirklichkeit;

 

Was andre Schulen aunehmen,

Ist für sie, nicht in Wirklichkeit.

 

 

74, Was als ewig sie annehmen

 

Künstlich, ist wirklich ewig nicht;


Das Resultat andrer Schulen


Zeigt als Irrtum und werdend es.

 

 

75. An das, was nicht ist, Anpassung

 

Beweist nicht, daß es Zweiheit gibt;

 

Ist ihr Nichtsein erkannt, dann fällt

 

Die Anpassung als zwecklos weg.

 

 

 

 

 

602

Atharvaveda.

76. Wenn man nicht annimmt Ursachen

 

In allen Reichen der Natur,

So auch nicht ihre Vorstellung;

 

Mit der Ursach' die Wirkung fällt.

 

 

77. Geist ist grundlos; das Nichtwerden,

 

Zweiheitlos, ist ihm eigen stets;

 

Geisterscheinung nur ist Zweiheit

 

Des Ewigen, das alles ist.

 

 

78. Grundlosigkeit als wahr wissend,


Verwerfend Einzel-Ursachen,


Gelangt man zu dem furchtlosen,


Wunschlosen, kummerlosen Ort.

 

 

79. Sich anpassend dem, was nicht ist,


Bleibt in solches vertrickt der Geist;

 

Der Dinge Nichts erkannt habend,

Kehrt er zum Anhaftlosen (4,72) sich.

 

 

80. Wer dies ergreift und nicht läßt mehr,

Des Stand bleibt unbeweglich dann;

 

Der Weisen Ziel ist dies ew'ge

Zweiheitlose Identischsein.

 

 

81. Das schlummerlose, traumlose

Ew'ge ist dann sich selber Licht (Bṛih. 4,3,14. Kâṭh. 5,15):

 

,,Für immer licht" (Chând. 8,4,1) ist dies Wesen,


Ist diese Wesenheit an sich.

 

 

82. Gar leicht verbirgt er uns immer,

Gar schwer enthüllt sein Wesen er,

Solang wir einzeln auffassen

Die Dinge, — er, der heilige.

 

 

83. ,,Er ist!" ,,Ist nicht!" ,,Ist und ist nicht!"

 

,,Er ist nicht nicht!" so denkend ihn

Unstät, stät¹ zwiefach, neinsagend,


Verbirgt sein Wesen sich der Tor.

 

 

84. Durch dieser vier Gesichtspunkte

Verfolgung bleibt verborgen stets

 

——————

¹ Man erwartet: ,,stät (er ist), unstät (ist nicht)".

 

 

603

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,84.

 

Der Heil'ge, unberührt durch sie, —

 

Doch allschauend ist, wer ihn schaut.

 

 

85. Wer voll besitzt die Allschauung,

Den zweiheitlosen Brahman-Ort,

An dem nicht Anfang, Mitt', Ende,

Dem bleibt nichts zu erstreben mehr.

 

86. Das heißt echte Gemütsruhe,

Das ist die wahre Priesterzucht,

Das ist der Selbstnatur Zähmung,

Wer sie kennt, geht zur Ruhe ein.

 

87. Wahrnehmunghaft und objekthaft


Ist die zweithafte Weltlichkeit (Wachen);

 

Wahrnehmunghaft und objektlos

 

Ist geläuterte Weltlichkeit (Traum).

 

88. Wahrnehmunglos und objektlos,


Das heißt die Überweltlichkeit;

 

Ihr Subjekt ist zugleich Objekt,


So lehrten Weise aller Zeit.

 

89. Subjekt und die drei Objekte (4,87—88)

 

Stufenweis als in sich erkannt, —

 

Daraus entsteht die Allschauung,

 

Allerwärts des Hochsinnigen.

 

 

90. Erst frage man: was soll werden

 

Geflohn, erkannt, erlangt und reif?

 

Für’s Erkennen gilt Wahrnehmung,


Und so auch für die andern drei.

 

91. Alle Wesen sind ursprünglich

Unbegrenzt und dem Raume gleich (3,3 fg.),

 

Und nicht ist irgendwo Vielheit

Unter ihnen, in keinem Sinn.

 

92. Alle Wesen sind ursprünglich

Urerweckte (âdibuddha), das ist gewiß; —

 

Wer dieses sich genug sein läßt,

Der ist reif zur Unsterblichkeit.

 

93. Sie alle sind auch ursprünglich

 

Urberuhigt, voll Seligkeit;

 

604

Atharvaveda.

 

Sich gleich alle und unteilbar,


Ew'ge, reine Identität.

 

 

94. Doch diese Reinheit ist nicht mehr,

 

Wenn sie vielfach zersplittern sich;

 

Vielheitversunken, zwiespältig

 

Heißen darum armselig (3,1) sie.

 

 

 

95. Doch wem hier zur Gewißheit ward

 

Die ewige Identität,

 

Der welß in dieser Welt Großes,


Die Welt aber versteht es nicht.

 

 

96. Wissen des Ew'gen ist ewig

Auch, mit nichts sonst befassend sich;

 

Als nichtbefassend sich, heißt dies

 

Wissen das unanhaftende (4,72. 79).

 

 

97. Doch wo die kleinste Ungleichheit

 

Für wahr hält der unweise Geist,

 

Da ist weder Nichtanhaftung


Noch Weichen der Verdunkelung.

 

 

98. Alle Seelen sind ursprünglich


Frei vom Dunkel und fleckenlos,

 

Urerweckt schon und urerlöst

 

Erwachen sie, der Meister spricht.

 

 

99. Wie die Sonne durch sich leuchtet,

 

So Wissen ohne Dinge auch;

 

Alle Dinge sind nur 'Wissen, —

 

Unsagbar dem Erweckten selbst.

 

 

100. Die dunkle, überaus tiefe,


Ew'ge, reine Identität,

 

Der Einheit Stätte nach Kräften


Erkannt habend, verehren wir!

 

——————

 

 

 

605

Garbha-Upanishad.¹

...

<<

Deussen, Prof. Dr. Paul, "Sechzig Upanishad's des Veda - aus dem Sanskrit übersetzt und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Dr. Paul Deussen, Professor an der Universität Kiel", zweite Auflage, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1905


Professor Dr. Paul Deussen's Übersetzung von Gaudapada's Kommentar zur Mâṇḍûkya-Upanishade:

 


© Franz Rickinger

Gaudapada's Kommentar zur Mandukya-Upanishade

in der Übersetzung von Prof. Dr. Deussen.

 

(muß noch überrbeitet werden - enthält noch Formatierungsmängel und uU Tippfehler)


>>

1. Allwärts, außenbewußt Viçva,
Innenbewußt ist Taijasa,
Ganz nur Bewußtsein ist Prâjña,
Einer ist's, der für dreie gilt.
 
2. aus rechtem Auge blickt Viçva,
im Manas drinnen Taijasa,
im Raum im Herzen weilt ,
So ist dreifach im Leib sein Stand.
 
3. Grobes genießend ist Viçva,
Auserlesenes Taijasa,
——————
¹ Chând. 5,18,2 (Çañkara).
² Zehn Indriya's, fünf Prâṇa's, Manas, Buddhi, Ahañkâra, Cittam (Çañkara). Vgl. unten, S. 623 Anm.
³Bṛih. 4,2,3 oben S. 462
 

 

579

Mâṇḍûkya-Kârikâ 1,3.

 

Wonne genießend ist Prâjña,

Dreifach so sein Genießen ist.
 

4. An Grobem sättigt sich Viçva,

An Auserles'nem Taijasa,

An Wonne sättigt sich Prâjña,

Dreifach ist seine Sättigung.
 

5. Wer ist in diesen drei Ständen

Genießer? was Genuß-Objekt?

Wem dieses wohlbewußt beides,

Der genießt und wird nicht befleckt (Içâ 2).
 

6. Ein Ursprung ist aller Wesen

Als seiender, das ist gewiß:

Der Geist (purusha) als Lebenskraft (prâṇa)schuf sie

Getrennt wie Sonnenstrahlen nur.
 

7. Manche halten die Weltschöpfung

Für eine Machtentfaltung (vibhûti) nur,

Andre wieder für Traum halten

Die Schöpfung und für Blendwerk (mâyâ) nur.
 

8. Viele lassen die Weltschöpfung

Auf Wunsch Gottes allein entstehn,

Andre glauben, die Zeit habe

Alle Wesen hervorgebracht.
 

9. Zum Genuß sich, zum Spielzeuge

Schuf sie Gott, meinen andere; —

Nein! sie ist Gottes Selbstwesen!

Was kann wünschen, wer alles hat?

 

 

580

Atharvaveda.

 

10. Allgenugsam zur Austilgung

Aller Schmerzen, unwandelbar,

Als Einheit alles durchdringend

Ist der Gott, der der Verte heißt.
 

11. Wirkung und Ursache-behaftet

Sind der viçva und Taijasa,

Ursachbehaftet ist Prâjña,

Beide gelten vom Vierten nicht.
 

12. Nicht der Wahrheit noch Unwahrheit,

Nicht seiner selbst noch anderer

Ist irgend sich bewußt Prâjña, —

Ewig alles der Vierte schaut.
 

13. Im Nichterkennen der Vielheit

Sind der Prâjña und Vierte gleich;

Doch Prâjña liegt im Keimschlummer,

Der Vierte keinen Schlummer kennt.
 

14. Traum und Schlaf sind der zwei ersten,

Traumloser Schlaf des Prâjña ist,

Weder Träumen noch auch Schlafen

Schreibt zu dem Vierten, wer ihn kennt.
 

15. Der Träumende erkennt irrig,

Gar nicht erkennt der Schlafende;

Beide irren; wo das schwindet,

Da wird der vierte Stand erreicht.
 

16. In anfanglosem Weltblendwerk

Schläft die Seele; wenn sie erwacht,

Dann wacht in ihr das zweitlose Schlaf-

und traumlose Ewige.
 

17. Bestünde die Weltausbreitung,

So müßte sie vergehen erst;

Doch alle Vielheit ist Blendwerk,

Vielheitlos ist die Wirklichkeit.
 

18. Widerlegbar sind Annahmen

Nur, wenn einer sie aufgestellt;

Doch hier sind sie nur Lehrmittel;

Dem, der weiß, ist die Vielheit nichts.
 

19. Sehr gleicht Viçva dem a-Laute

Durch Ähnlichkeit des Erster-seins,

Durch-Moren-Übereinstimmung

Sind auch gleich im Erlangen sie.
 

20. Taijasa gleicht dem u-Laute

In dem Hochhalten offenbar,

Durch Moren-Übereinstimmung

Sind auch gleich sie im Beidessein.
 

21. Sehr gleicht Prâjña dem m-Laute.

Durch des Aufbauens Ähnlichkeit,

Durch Moren-Übereinstimmung

Sind auch gleich im Vernichten sie.
 

 

 
582

Atharvaveda.

 

22. Weil er in den drei Zuständen

Klar durchschaut diese Ähnlichkeit,

Darum gebührt dem Hochweisen

Von allen Wesen Ehr' und Preis.
 

23. Der a-Laut führt zum Ziel Viçva,

Der u-Laut führt den Taijasa,

Der m-Laut führt zum Ziel Prâjña, —

Kein Ziel des Moralosen ist.
 

24. Nach Vierteln wisse den 0m-Laut,

Seine Moren die Viertel sind;

Wer nach Vierteln den Om-Laut kennt,

Braucht nichts weiter zu wissen mehr. .
 

25. Im heil'gen Ruf geh' auf denkend,

Er ist Brahman, das furchtlose,

Wer stets im heil'gen Ruf aufgeht,

Der fürchtet sich vor keinem mehr.
 

26. Der heil'ge Ruf ist das nied're,

Er ist das höh're Brahman auch,

„Ohne Früheres und Spät'res,

Ohne Inn'res und Äußeres" (Bṛih. 2,5,19).
 

27. Denn er ist aller Welt Anfang,

Ist Mitte ihr und Ende auch,

Wer so den heil'gen Ruf weiß, der

Wird alsbald mit ihm eins sodann.
 

28. Den heil'gen Ruf als Gott wisse,

Der im Herzen von allem thront;
 

 

583

Mâṇḍûkya-Kârikâ 1,28.

 

Der Weise, der den Om-Laut kennt

Als allerfüllend, trauert nicht.
 

29. Unendlichteilig und teillos,

Ist er der Zweiheit sel'ge Ruh;

Wer als solchen den Om-Laut kennt,

Ist ein Muni, kein anderer.
 

 

Zweiter Teil,
genannt Vaitathyam, „die Unwahrheit".

 

 


1. Alles, was wir im Traum sehen,
Ist unwahr, sagen Weise uns,
Weil alles dies nur inwendig,
Weil es in uns bechlossen liegt;
 
2. Auch weil die Zeit zu kurz wäre
Zum Besuch ferner Gegenden,
Und weil wir ja beim Aufwachen
Nicht sind in jenen Gegenden.
 
3. „Da sind nicht Wagen, nicht Straßen,"
Lehrt die Schrift (Bṛih. 4,3,10) und das Denken uns,
So ist des Träumens Unwahrheit
Erwiesen und auch offenbart.
 
4. Weil Vielheit hier nur inwendig,
Ist sie es auch im Wachen nur;
Hier wie dort ist nur Vorstellung,
In uns beschlossen, hier wie dort.¹
 
5. Des Träumens Zustand und Wachens
Als derselbe den Weisen gilt,
Denn gleich ist beiden die Vielheit, —
Aus diesem wohlerwiesnen Grund.
 
6. Was nicht vorher und nicht nachher,
Ist auch nicht in der Zwischenzeit;
Obwohl es unwahr ist, wird es
Für nicht unwahr doch angesehn.
 
——————
¹ Lies: saṃvṛitatve na bhidyate.
 
 

584

Atharvaveda.


 

7. Des Wachens Tun ist zweckmäßig,
Aber nicht, wenn wir träumen, mehr;
Drum, weil es anfängt und aufhört,
Kann auch es nur auf Trug beruhn.
 
8. Auch was am Träume neu, stammt nur
Aus dem Geld, und wenn Götter ihm
Erscheinen, schaut er sie so nur,
Wie er über sie ward belehrt.
 
9. Was er träumend im Geist bildet
Innerlich, das ist unreal,
Wiewohl sein Geist es griff draußen,
Als gesehn unwahr beides ist.
 
10. Was er wachend im Geist bildet
Innerlich, das ist unreal,
Wiewohl sein Geist es griff draußen,
Folgerecht unwahr beides ist.
 
11. Wenn nun beiderlei Vielheiten
Unwahr im Traum und Wachen sind,
Wer erkemt beide Vielheiten,
Wer stellt sie im Bewußtsein vor?
 
12. Durch Selbsttäuschung der Gott Âtman
Stellt sein Selbst durch sich selber vor,
Erkennend beide Vielheiten, —
Feststeht dieser Vedântasatz.
 
13. Umwandelnd stellt er als andres
Vor, was nur im Bewußtsein ist,
Als draußen und als notwendig
Stellt in sich es der Âtman vor.
 
14. Geist ist des Innern Zeitmesser,
Die Vielheit der des Äußeren,
Ihr Unterschied liegt nur hierin,
Als Vorstellung sind beide gleich.
 
15. Undeutlich ist die Welt drinnen
Deutlich die Welt, die draußen liegt;
Dem Sinnorgan nach verschieden,
Sind sie Vorstellung beide gleich.
 

 

585

Mâṇḍûkya-Kârikâ 2,16.

 


16. Die Seele stellt man vor erstlich,
Sodann der Dinge Sonderheit,
Der äußeren und der drinnen,
Wie man weiß, so erinnert man.
 
17. Wie ein Strick, nicht erkannt deutlich
Im Dunkeln, falsch wird vorgestellt
Als Schlange, als ein Strich Wassers,
So wird falsch vorgestellt das Selbst (âtman).
 
18. Wie, wenn der Strick erkannt deutlich, .
Und die falsche Vorstellung weicht,
Er nur Strick bleibt unzweiheitlich,
So, wenn deutlich erkannt, das Selbst.
 
19. Wenn er sah Prâṇa's, als alle
Die vielen Dinge uns erscheint,
So ist das alles nur Blendwerk (mâyâ),
Mit dem der Gott sich selbst betrügt.
 
20. Prâṇa-Kennern ist er Prâṇa's (Vaiçeshika's),
Elemente dem, der sie kennt (Lokâyatika's),
Gua-Wissern ist er Gua's (Sâñkhya's),
Tattva's ist' er dem, der sie kennt (Çaiva's).
 
21. Viertelwissern ist er Viertel (Mâṇḍûkya-Up.),
Sinnlichkeitswissern Sinnlichkeit (Vâtsyâyana),
Den Weltraumwissern Welträume (Paurâṇika's),
Götter den Götterkundigen (Veda-Anhängern).
 
22. Den Vedawissern ist Veda’s,
Den Opferwissern Opfer er,
Genießer denen, die diesen,
Genußobjekt, die dies verdehn.
 
23. Subtil für solche, die dieses,
Grob für solche, die dies verstehn,
Gestaltet denen, die dieses,
Ungestaltet, die dies verstehn.
 
24. Zeit ist er für die Zeitwisser,
Für Raumkenner ist er der Raum,
Künste ist er für Kunstkenner,
Weltschichten dem, der diese kennt.
 
 
586

Atharvaveda.

 

25. Für Manas-Kenner ist Manas,
Für Buddhi-Kenner Buddhi er,
Geist ist er für die Geistwisser,
Recht und Unrecht dem, der sie kennt.
 
26. Fünfundzwanzigfach für diese (Sâñkhya's), Jenen als sechsundzwanzigster (Pâtañjala's),
Einunddreißigfach für andre (Pâçupata's),
Unendlich gilt für viele er (vgl. Cûlikâ 14).
 
27. Welten ist er dem Weltkenner,
Lebensstadien, dem der sie kennt,
Drei-Genushaft den Sprachlehrern,
lindern nied'res und höheres (sc. Brahman).
 
28. Für Schöpfungswisser Weltschöpfung,
Für Vergangwisser Weltvergang,
Weltbestand für Bestandwisser, —
So ist alles er allerwärts.
 
29. Welches Sein man so andichtet
Dem Âtman, dafür hält er sich,
Das hegt er und, zu ihm werdend,
Gibt er ihm sich als Dämon hin.
 
30. Er Selbst kennt alle Seinsformen,
Von denen er verschieden scheint, —
Wer dies weiß, wird sich vorstellen
Ohne Scheu, wie es wirklich ist.
 
31. Wie Traum und Blendwerk man ansieht,
Wie eine Wüstenspieglung,
So sieht an dieses Weltganze,
Wer des Vedânta kundig ist.
 
32. Kein Vergang ist und kein Werden,
Kein Gebundner, kein Wirkender,
Kein Erlösungsbedürftiger,
Kein Erlöster, der Wahrheit nach.
 
33. Als unreale Seinsformen
Und als Einer wird er gedacht,
Doch wer sie denkt, ist stets Einer,
Drum die Einheit den Sieg behält.
 

 

587

Mâṇḍûkya-Kârikâ 2,34.

 

34. Nicht auf den Âtman stützt Vielheit
Und auch nie auf sich selber sich,
Nicht neben ihm und nicht durch ihn
Kann bestehn sie, das ist gewiß.
 
35. Furcht, Zorn und Neigung ablegend,
Schaut zweiheitlos und wandellos
Der Weltausbreitung Aufhören
Der Muni, der den Veda kennt.
 
36. Wer so erkannt der Welt Wesen,
Der halte an der Einheit treu;
Der Zweiheitlosigkeit sicher,
Geht er kalt an der Welt vorbei.
 
37. Von Preisen frei und Lobsingen,
Ja, auch ohne den Manenkult,
In allem, was da lebt, heimisch,
Lebt er so ,,wie es eben kommt" (Bṛih. 3,5).
 
38. Das Wesen in sich selbst sehend,
Das Wesen in der Außenwelt,
Zu ihm werdend, in ihm ruhend,
Hält er treu an dem Wesen fest.
 
 

Dritter Teil,
genannt Advaitam,
»die Zweiheitlosigkeit'.

 

1. Verehrung das Gebot fordert
Des Brahman als Gewordenen,
Eh' es ward, war es noch nicht da,
Drum armselig Verehrer sind.
 
2. Was nicht armselig, hört jetzo,
Ungeboren, gleich allerwärts,
Und warum nichts entsteht irgend,
Obwohl entstehend überall.
 
3. Der Âtman gleicht dem Weltraume,
Der Jîva gleicht dem Raum im Topf,
Die Töpfe sind die Leibstoffe,
Was „entstehn" heißt, dies Gleichnis zeigt.

 

 
 
588

Atharvaveda.

 

4. Wenn die Töpfe zugrund gehen,
Was wird dann aus dem Raum im Topf?
Er zergeht in dem Weltraume, —-
So der Jîva im Âtman auch.
 
5. Wie, wenn in einem Topfraume
Staub sich vorfindet oder Rauch,
Nicht alle Räume dies teilen,
So die Jîva's nicht Lust und Leid.
 
6. Ja, Formen, Wirkungen, Namen
Sind verschieden nach ihrem Ort,
Doch der Raum, den sie einnehmen,
Ist sich gleich, — so die Jiva's auch.
 
7. Wie der Topfraum vom Weltraume
Kein Produkt ist und auch kein Glied,
So ist der Jîva vom Âtman
Kein Produkt, auch kein Glied von ihm.
 
8. So wie der Himmelsraum Kindern
[Obwohl farblos,] als blau erscheint,
So scheint behaftet mit Flecken
Unerfahrnen der Âtman auch.
 
9. Was Sterben und Entstehn angeht,
Fortgehn und Wiederherkommen
Und alle Körper Durchsetzen, —
Ist dem Raume vergleichbar er.
 
10. Doch traumgleich alle Leibstofie
Als Trug der Âtman breitet aus;
Weder als gleich, noch als ungleich
An Rang lassen sie denken sich.
 
11. Als Seele (jîva) in den fünf Hüllen,
So lehrt das Taittirîyakam (Taitt. Up. 2),
Der höchste Âtman versteckt ist,
Er, den dem Raum verglichen wir.
 
12. Im Honigteile (Bṛih. 2,5) wird paarweis
Das höchste Brahman aufgezeigt, —
Wie in der Erd' und im Leibe, —
Er, den dem Raum verglichen wir.
 

 

589

Mâṇḍûkya-Kârikâ 3,13.

 

13. Wenn die Schrift Jîva und Âtman
Durch Gleichsetzung für eins erklärt,
Verwerfend alles Vielheitein,
So ist das wahr in vollem Sinn.
 
14. Doch wenn auch vor der Weltschöpfung
Sie beide auseinander hält (Chând. 6,3,2),
So gilt das bildlich, nicht wörtlich,
Und nur von dem, was werden soll.
 
15. Und wenn sie überhaupt Schöpfung
Im Bild von Ton, Erz, Funken lehrt (Chând. 6,1,3. Bṛih. 2,1,20),
So dient dies nur als Lehrmittel (vgl. 1,18),
Denn ,,nicht ist Vielheit irgendwie" (vgl. Bṛih. 4,4,19).
 
16. Schüler gibt es in drei Stufen,
Schwache , mittlere, treffliche ;
Um ihrer willen, aus Mitleid
Verehrungsobjekt Brahman wird.
 
17. Auf ihrer Sätze Standpunkt stehn
Zuversichtlich die Zweiheitler,
Doch widersprechen sie selbst sich,
Bei uns fehlt dieser Widerspruch.
 
18. In Wahrheit ist die Unzweiheit,
Zweiheit nur in der Spaltungswelt;
Sie lehren beiderseits Zweiheit,
Bei uns fehlt solcher Widerspruch.
 
19. Als Blendwerk nur besteht Spaltung
Jenes Einzigen, Ewigen,
Denn wäre Spaltung in Wahrheit,
Sterblich würde, was ewig ist.
 
20. Vom ungewordnen Sein nehmen
Jene Lehrer ein Werden an, —
Was ungeboren, unsterblich,
Wie könnte sterblich werden das!
 
21. Was unsterblich, kann nicht sterblich,
Was sterblich, nicht unsterblich sein,
Kein Ding kann anders sein jemals,
Als es seiner Natur nach ist.
 

 
 
590

Atharvaveda.


22. Wenn ein unsterbliches Dasein
Überginge in Sterblichsein,
Nur scheinbar wär' es unsterblich,
Wo bliebe seine Ewigkeit?
 
23. Von Wahrheit oder Schein redend,
Stets von der Schöpfung Gleiches lehrt
Die Schrift, sicher und grundhabend,
Ist's, wie sie sagt, und anders nicht.
 
24. „Nicht ist hier Vielheit" so heilßt es (Bṛih. 4,4,19),
„Durch Blendwerk vielfach Indra geht" (Bṛih. 2,5,19),
„Als ungeboren wird vielfach" (Vâj. Saṃh. 31,19)
Durch Blendwerk nur geboren er.
 
25. Durch Bestreituog der Sambhüti (Îçâ 12)
Wird ein Entstehen abgewehrt;
,,Wer könnte ihn hervorbringen?"
Dies Wort (Bṛih. 3,9,28) zeigt ihn als ursachlos.
 
26. Das Wort: ,,er ist nicht so, nicht so" (Bṛih. 4,2,4.),
Absprechend alles Sagbare,
Kann, wie die Unerkennbarkeit
Zeigt, auf Ihn sich beziehen nur.
 
27. Das Seiende kann nicht werden,
Es wäre denn durch Blendverk nur;
Wer es in Wahrheit läßt werden,
Läßt werden, was schon war vorher.
28. Nicht in Wahrheit, noch als Blendwerk
Kann je entstehn Nichtseiendes;
Ein Sohn der Unfruchtbaren wird
Nicht in Wirklichkeit, noch im Schein.
 
29. Wie im Traume der Geist regt sich,
Als viel scheinend durch Täuschung nur,
So im Wachen der Geist regt sich,
Als viel scheinend durch Täuschung nur.
 
30. Ab viel erscheint, der nur eins ist,
Im Traum der Geist, — das ist ja klar;
Als viel erscheint, der nur eins ist,
Der wache Geist, — auch das ist klar.
 

 

591

Mâṇḍûkya-Kârikâ 3,31.

 

31. Alles wird nur im Geist sichtbar,
Was als Vielheit hier geht und steht;
Und wenn der Geist von sich selbst kommt,
Ist die Vielheit nicht sichtbar mehr.
 
32. Sobald der Geist nicht mehr vorstellt,
Weil ihm aufging das Âtman-sein,
Nimmt, als Nichtgeist, er nicht wahr mehr,
Weil nichts mehr wahrzunehmen bleibt.
 
33. Als ewig wandellos Wissen,
Vom Gewußten verschieden nicht,
Das Brahman wird gewußt allzeit,
Vom Ew'gen Ew'ges wird gewußt.
 
34. Dieser Vorgang besteht darin,
Daß zwangweis alle Regungen
Des Geistes unterdrückt werden, —
Anders ist es im tiefen Schlaf
 
35. Der Geist erlischt im Tießchlafe,
Nicht erlischt er, wenn unterdrückt,
Sondern Brahman, das furchtlose,
Wird er, ganz nur Erkenntnislicht,
 
36. Das ew'ge, schlaf- und traumlose,
Das ohne Namen und Gestalt,
,,Mit eins aufleuchtend" (Chând. 8,4,1), allwissend, —
Ihm gilt keine Verehrung mehr.
 
37. Von ihm weicht alle Wehklage,
In ihm ist keine Sorge mehr,
Ganz befriedigt, mit eins Licht, ist
Festes, furchtloses Sinnen es.
 
38. Kein Nehmen ist da, kein Geben,
Wo keine Sorge mehr besteht,
Dann ist nur in sich selbst ruhend
Das ew'ge Wissen, selbst sich gleich.
 
39. Das heißt der Ungefühl-Yoga,
Schwer zu schauen dem Yogin selbst,
Da auch selbst Yogin's ihn scheuen,
Vor dem Furchtlosen fürchtend sich.
 

 

592

Atharvaveda.

 

 

40. Der Geist muß unterdrückt werden,
Damit zuteil dem Yogin wird
Das Furchtlose, das Schmerzlose,
Die Erweckung, die ew'ge Ruh.
 
41. Wie wenn zerfließt im Weltmeere¹
Der Tropfen, der am Grashalm hing,
So des Geistes Unterdrückung
Erfolgt ohne Beschwerlichkeit.
 
42. Man unterdrücke methodisch
Den Geist, den Wunsch und Lust zerstreut,
Ganz ruhig wird er dann schwinden,
Sein Schwinden ist wie Liebeslust.
 
43. Man welß, daß alles voll Schmerzen,
Und wendet sich von Wunsch und Lust;
Man welß, daß alles nur Brahman,
Und sieht nicht das Gewordne mehr.
 
44. Weckt den Geist, will er nichts werden (einschlafen),
Sammelt ihn, will er sich zerstreun;
Beides wisse man als sündhaft;
Ward er brahmangleich, stört ihn nicht!
 
45. Freilich schmeckt er dann nicht Lust mehr,
Keiner Begierde sich bewußt:
Sein Denken, ungestört wirkend,
Strebe eifrig zur Einheit hin.
 
46. Wenn dann weder im Schlaf schwindet
Der Geist, noch auch Zerstreuung sucht,
Dann tritt hervor er als Brahman,
Regungslos und vom Scheine frei.
 
47. Als frei, beruhigt und leidlos,
Als unaussprechlich höchste Lust,
Als ewig, ewigen Objekts
Allbewußt, schildern Kenner es.
 
——————
¹ Vielleicht ist udadhau zu lesen. Zur Auffasstmg des Scholiasten kann ich mich nicht entschließen.
 

 

593

Mâṇḍûkya-Kârikâ 3,48.
 

48. Keine Seele entsteht jemals,

Kein Entstehn ist der ganzen Welt,

Das ist die höchste Heilswahrheit,

Daß es nirgend ein Werden gibt!
 


 
Vierter Teil,
genannt Alâtaçânti,

„die Beilegung des Feuerbrandes¹".

 

1. Der wie Wolken im Weltraume

Die Vielheiten im Einen weiß,

Das Subjekt und zugleich Objekt

Ist, — ihn ehr' ich, den Purusha!
 

2. Den wir als Ungefühl-Yoga,

Allem Seienden freund und gut,

Widerspruchlos, unanfechtbar,

Aufgezeigt (3,39), — ihm Verehrung sei!
 

3. ,,Ein Werden ist nur des, was ist",

So sagen manche Denker uns; —

,,Nein! des, was nicht ist", so andre,

Gegenseitig in Widerspruch.
 

4. ,,Was ist, das kann doch nicht werden!" —

,,Was nicht ist, kann auch werden nicht!" —

So streitend, für das Nichtwerden,

Gleich Nichtzweiheitlern, zeugen sie.
 

5. Uns freut, wenn sie dadurch zeigen,

Daß ein Werden unmöglich ist; —

Daß wir uns nicht, wie sie alle,

Widersprechen, das höret jetzt.
 

6. Des Ungewordenen Werden

Nehmen jene Behaupter an,

Doch, was nicht ward, was unsterblich,

Wie könnte sterblich werden das?
 
——————
¹) D. h. wohl: ,,die Widerlegung des (scheinbaren, durch Umschwingung des Feuerbrandes entstehenden) Funkenkreises".
 

 
 

594

Atharvaveda.

 

 

7. Was unsterblich, kann nicht sterblich,

Was sterblich, nicht unsterblich sein,

Kein Ding kann anders sein jemals,

Als es seiner Natur nach ist (= 3,21).
 

8. Wenn ein unsterbliches Wesen

Überginge in Sterblichsein,

Nur scheinbar wär' es unsterblich,

Wo bliebe seine Ewigkeit (= 3,22) ?
 

9. Wesenseigen , bestandbildend,

Angeboren und ungemacht,

Das eigne Sein nie aufgebend, —

So ist, was ,,die Natur" (prakṛiti) man nennt.
 

10. Ungeboren und unsterbend

Sind Selbstheiten (dharma) dem Wesen nach;

Der ist der Selbstheit unkundig,

Der sie entstehn und sterben läßt.
 

11. Für wen die Ursach wird Wirkung,

Der läßt werden die Ursache, —

Wie kann, was ewig ist, werden?

Wie, was eigen ist, trennen sich?
 

12. Wird die Ursache selbst Wirkung,

Dann ist ewig die Wirkung schon,

Und doch wird sie! und ihr Werden

Läßt die Ursach verloren gehn!
 

13. Nein! Wer das Ew'ge läßt werden,

Dem steht keine Erfahrung bei;

Und wer Gewordnes läßt werden,

Verfällt in ewigen Regreß!
 

14. Wenn ein Erfolg des Grunds Ursprung,

Und der Grund Ursprung des Erfolgs,

Dann wären anfanglos beide,

Grund und Erfolg, wie kann das sein?
 

15. Wenn ein Erfolg des Grunds Ursprung,

Und der Grund Ursprung des Erfolgs,

Dann ist wohl das Entstehn beider,

Wie wenn der Sohn den Vater zeugt?
 
 
 
595

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,16.

 

16. Grund und Erfolg, wenn entstanden,

Erheischen Reihenfolge doch;

Denn entstehen sie gleichzeitig,

Wie zwei Hörner, so fehlt das Band.
 

17. Daß aus Erfolgen entspränge

Der Grund selbst, ist beweisbar nicht,

Und ist der Grund unbeweisbar,

Wie kann er wirken den Erfolg?
 

18. Wenn aus Erfolg der Grund folgte

Und aus dem Grunde der Erfolg,

Welcher von beiden ist früher,

Und sein Folgen nur relativ?
 

19. So legt Unmöglichkeit (4,14), Unsinn (4,15)

Und Verwirrung der Zeitordnung (4,16— 18),

In die die Gegner stets fallen,

Für das Nichtwerden Zeugnis ab.
 

20. Der Fall von Samen und Pflanze

Ist nur scheinbar beweisend hier¹;

Was aber nur beweist scheinbar,

Ist zum Beweisen tauglich nicht.
 

21. Der Widersinn der Zeitfolge (4,15)

Bestätigt das Nichtwerden nur;

Da Werdendes zurückweisen

Sicher würde auf Früheres.
 

22. Nicht aus sich selbst, noch aus anderm

Kann ein Wesen entstehen je;

Nicht als seiend, noch nichtseiend,

Noch als beides, kann es entstehn.
 
——————
¹ Das Verhältnis zwischen Same und Pflanze muß entweder einen Anfang haben oder anfanglos sein; beides aber ist unmöglich. Es hat keinen Anfang: denn jede Pflanze setzt immer schon den Samen, jeder Same wiederum die Pflanze voraus. Es kann auch nicht anfanglos sein: denn jede Pflanze, jeder Same ist in der Zeit entstanden, hat also einen Anfang. Oder sollen alle Glieder zeitlich, und nur ihr Verhältnis anfanglos sein?
Auch das ist unmöglich; na hi vîja-añkura-vyatirekeņa vîja-añkura-saṃtatir nâma ekâ abhyupagamyate; denn das Verhältnis ist nur das Band zwischen den Gliedern, setzt also diese schon voraus und ist ohne dieselben nichts (nach Çañkara).


 
596

Atharvaveda.

 

23. Grund und Erfolg, wenn anfanglos,

Schließen das Werden von sich aus;

Wofür es gibt keinen Anfang,

Dafür gibt keinen Anfang es.
 
 
24. Wahrnehmung müsse Grund haben,

Weil unmöglich ihr Wechseln sonst,

Auch sei von uns unabhängig

Schmerz und Wahrnehmung, — meinen sie.
 
 
25. Wahrnehmung müsse Grund haben,

So beweisen sie künstlich uns, —
 
Doch daß der Grund keinen Grund hat,
 
Das lehrt Wesensbetrachtung uns.
 
 
26. Der Geist berührt nicht Objekte

Und auch nicht der Objekte Schein;
 
Wenn unreal die Objekte,

Ist's auch, vom Geist getrennt, ihr Schein.
 
 
27. Auch nicht, in den drei Zeitläuften,
 
Berührt je ein Objekt den Geist;
 
Grundloser Schein noch viel wen'ger;
 
Wie könnte werden der zum Grund!
 
 
28. Darum ist nirgend ein Werden,

Im Subjekt nicht, im Objekt nicht;
 
Wer eins von beiden läßt. werden,

Der wandelt in den Wolken nur.
 
 
29. Weil sonst das Ewige würde,

Ist unwerdend die Wesenheit;
 
Kein Ding kann anders sein jemals,
 
Als es seiner Natur nach ist (= 3,21. 4,7)
 
 
30. Wär' anfanglos der Samsâra,

So könnte er nicht endlich sein;
 
Wär' die Erlösung einfangend,
 
Sie könnte nicht unendlich sein.
 
 
31. Was nicht vorher und nicht nachher,

Ist auch nicht in der Zwischenzeit;
 
Obwohl es unwahr ist , wird es
 
Für nicht unwahr doch angesehn (= 2,6).
 


 
597

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,32.

 

32. Des Wachens Tun ist zweckmäßig,

Aber nicht, wenn wir träumen, mehr;

Drum, weil es anfängt und aufhört,

Kann auch es nur auf Trug beruhn (= 2,7).
 
 
33. Was im Träume wir wahrnehmen,

Ist irrig, weil im Körper nur;
 
Wie ließen Dinge sich schauen

In diesem eingeschlossnen Raum ?
 
 
34. Auch ist die Zeit nicht hinreichend,

Hinzugehen, um sie zu sehn;

Auch finden wir beim Aufwachen

Und nicht da, wo wir sie gesehn (vgl. 2,2).
 
 
35. Und was mit ändern man absprach,

Besteht nicht mehr, wenn man erwacht;

Und was im Traume man faßte,

Hält man, erwacht, in Händen nicht.
 
 
36. Auch was wir von dem Leib träumen,

Ist unwahr und nicht wie es ist;, —
 
Unwahr wie dieses, ist alles,

Was der Geist. nimmt im Wachen wahr.
 
 
37. Was wir, wie wachend, wahrnehmen

Im Traum, hat seinen Grund in uns;
 
So hat in uns seinen Grund auch,

Was wir im Wachen nehmen wahr.
  
 
38. Unbegreiflich ist Entstehung;
 
Alles als ewig lehrt die Schrift;
 
Nimmermehr kann hervorgehen

Aus Seiendem Nichtseiendes (Werdendes).
 
 
39. Nichtseiendes sehn wir wachend;
 
Das Traumbild ist aus gleichem Stoff.
 
Nichtseiendes sehn wir träumend;
 
Wenn wir erwachen, ist es nichts.
 
 
40. Nichtsein gebiert doch nicht Nichtsein,
 
Nichtsein gebiert auch nicht das Sein:
 
Und auch das Sein gebiert Sein nicht;

Sein kann Nichtsein gebären nicht.
 


 
598

Atharvaveda.

 

41. Wie man im Wachen als Irrtum

Unmögliches als seiend fasst,

So auch im Traume aus Irrtum

Sieht man Wesen erscheinen sich.
 
 
42. Aus Wahrnehmung und Herkommen

Halten am Realismus sie;

Was sie kennen ist nur Werden,
 
Zurückschreckend von dem, was ist.


 
43. Manche¹ vom Sein zurückschreckend,
 
Wenn auch nicht bloße Wahrnehmer,
 
Des Werdens Mängel nicht meiden;
 
Mängel bleiben es, wenn auch klein.
 

44. Durch Wahrnehmung, durch Herkommen

Heißt auch ein Blendwerk Elefant;

Durch Wahrnehmung, durch Herkommen

Heißt auch das Ding ein seiendes.
 

45. Werden ist Schein, Bewegung Schein,

Das Dingliche ist bloßer Schein;

Nichtwerdend, unbewegt, dinglos,

Still, zweiheitlos die Wahrheit ist.
 

46. So ist kein Werden im Subjekt,

Im Objekte kein Werden ist;΄

Wer dieses hat erkannt einmal,

Fällt nicht zurück ins Gegenteil.
 

47. Wie Funkenschwingung den Schein gibt

Grader und krummer Linien,

So den Schein Bewußtseinsschwingung

Von Auffassen und Aufasser.
 

48. Wie ungeschwungen der Funke

Nicht erscheint, nicht entsteht (als Kreis),
 
So Bewußtsein ungeschwungen
 
Erscheint nicht und entsteht auch nicht.
 
——————
¹ Die Anhänger des (religiösen) Herkommens (samâcâra), welche das Seiende in der Form des Werdens, die Wahrheit im Gewande des Mythos besitzen. — Bemerkenswert ist die Zurückhaltung, mit der sie hier getadelt
werden.
 
 
599

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,49.

 

 

49. Schwingt der Funke, so kommt der Schein

Nicht von anßen her irgendwie,

Nicht von anderm als dem Schwingen,
 
Nicht ist Zuwachs dem Funken er.
 
 
50. Auch nicht entflieht er dem Funken,

Weil er nicht hat ein Wirklichsein,

Ebenso ist's beim Erkennen,

Denn auch dieses ist bloßer Schein.
 
 
51. Schwingt Erkenntnis, so kommt der Schein

Nicht von außen her irgendwie,

Nicht von anderm als dem Schwingen,
 
Nicht ist Bewußtseinszuwachs er.
 
 
52. Nicht entflieht er dem Bewußtsein,

Weil er nicht hat ein Wirklichsein;
 
Weil Verursachtsein unwirklich,
 
Ist als wirklich undenkbar er.
 
 
53. Ein Ding, so meint man, sei Ursach
 
Des Daseins für ein andres Ding,
 
Doch für die Wesenheit gibt es

Kein Dingsein und kein Anderssein.
 
 
54. Weder aus Geist entspringt Dasein,

Noch aus Dasein entspringt der Geist;

Drum nehmen Weise kein Werden
 
Des Grunds oder Erfolges an.
 
 
55. Wer noch Grund und Erfolg annimmt,

Dem entstehn aus einander sie;

Wer frei von dieser Annahme,

Für den entstehen sie nicht mehr.
 
 
56. Wer noch Grund und Erfolg annimmt,

Für den streckt der Saṃsâra sich;

Wer frei von dieser Annahme,

Der ist auch vom Saṃsâra frei.
 
 
57. Wer geistumnachtet, sieht werdend
 
Alles, ein Ew'ges kennt er nicht;
 
In Wahrheit alles ist ewig,
 
Vernichtetwerden gibt es nicht.
 
 
 
600

Atharvaveda.


 
58. Die Wesenheiten, die werden,

Die werden nicht in Wirklichkeit;
 
Ihr Entstehen ist nur Blendwerk,
 
Und Blendwerk ist nicht Wirklichkeit.
 
 
59. Wie, wo der Same nur Blendwerk,

Auch die Pflanze ein solches ist,

Nicht wesenhaft noch austilgbar,

So steht’s mit allen Dingen hier.
 
 
60. Da alle Dinge nicht wirklich,

Gibt nicht Dauer es noch Vergang;

Wo alle Farben wegfallen,

Ist keine Unterscheidbarkeit.
 
 
61. Wie in des Traumes Scheinvielheit

Der Geist irrtümlich ist verstrickt,

So in des Wachens Scheinvielheit

Ist irrtümlich der Geist verstrickt.
 
 
62. Wie träumend eine Schein-Vielheit
 
Erblickt der vielheitlose Geist,
 
So wachend eine Schein-Vielheit
 
Erblickt der vielheitlose Geist.
 
 
63. Was man, im Traum umherschweifend

In allen Himmelsgegenden,

An Tieren, Vögeln, Insekten

Nur immer wahrzunehmen meint,
 
 
64. Das besteht nirgendwo anders

Als im Geiste des Träumenden;

Drum alles, was er dann sieht, ist

Nur Bewußtsein des Träumenden.
 
 
65. Was man, wachend umherschweifend

In allen Himmelsgegenden,

An Tieren, Vögeln, Insekten

Nur immer wahrzunehmen meint,
 
 
66. Das besteht nirgendwo anders

Als im Geiste des Wachenden;
 
Drum alles, was er dann sieht, ist
 
Nur Bewußtsein des Wachenden.
 
 

601

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,67.
 

 

67. Das Ding und seine Vorstellung

Bedingen gegenseitig sich;

Bestandlos ist für sich jedes,

Nur im Bewußtsein stehn sie da.
 
 
68. Wie wir von einem bloß träumen,

Daß er geboren wird und stirbt,

So sind all diese Weltwesen

Wirklich und doch auch wirklich nicht.
 
 
69. Wie wir im Wahngebild schauen,

Daß einer lebt und wieder stirbt,

So sind all diese Weltwesen

Wirklich und doch auch wirklich nicht.
 
 
70. Wie Zauberkunst uns läßt schauen,

Daß einer lebt und wieder stirbt,

So sind all diese Weltwesen

Wirklich und doch auch wirklich nicht.
 
 
71. Keine Seele entsteht jemals,

Kein Entstehn ist der ganzen Welt;
 
Das ist die höchste Heilswahrheit,

Daß es nirgend ein Werden gibt (= 3,48).
 
 
72. Was zweifach als Subjekt-Objekt

Scheint, ist Bewußtseinsschwingung nur (4,47);

Der Geist ist ewig objektlos,

,,An ihm haftet nichts", lehrt die Schrift (Bṛih. 4,3,15).
 
 
73. Wie es künstlich durch Annahme (3,15),

So ist es nicht in Wirklichkeit;

Was andre Schulen aunehmen,

Ist für sie, nicht in Wirklichkeit.
 
 
74, Was als ewig sie annehmen

Künstlich, ist wirklich ewig nicht;

Das Resultat andrer Schulen

Zeigt als Irrtum und werdend es.
 
 
75. An das, was nicht ist, Anpassung

Beweist nicht, daß es Zweiheit gibt;

Ist ihr Nichtsein erkannt, dann fällt

Die Anpassung als zwecklos weg.
 
 
 
 
 
602

Atharvaveda.

 

76. Wenn man nicht annimmt Ursachen

In allen Reichen der Natur,

So auch nicht ihre Vorstellung;

Mit der Ursach' die Wirkung fällt.
 
 
77. Geist ist grundlos; das Nichtwerden,
 
Zweiheitlos, ist ihm eigen stets;
 
Geisterscheinung nur ist Zweiheit
 
Des Ewigen, das alles ist.
 
 
78. Grundlosigkeit als wahr wissend,

Verwerfend Einzel-Ursachen,

Gelangt man zu dem furchtlosen,

Wunschlosen, kummerlosen Ort.
 
 
79. Sich anpassend dem, was nicht ist,

Bleibt in solches vertrickt der Geist;

Der Dinge Nichts erkannt habend,

Kehrt er zum Anhaftlosen (4,72) sich.
 
 
80. Wer dies ergreift und nicht läßt mehr,

Des Stand bleibt unbeweglich dann;

Der Weisen Ziel ist dies ew'ge

Zweiheitlose Identischsein.
 
 
81. Das schlummerlose, traumlose

Ew'ge ist dann sich selber Licht (Bṛih. 4,3,14. Kâṭh. 5,15):
 
,,Für immer licht" (Chând. 8,4,1) ist dies Wesen,

Ist diese Wesenheit an sich.
 
 
82. Gar leicht verbirgt er uns immer,

Gar schwer enthüllt sein Wesen er,

Solang wir einzeln auffassen

Die Dinge, — er, der heilige.
 
 
83. ,,Er ist!" ,,Ist nicht!" ,,Ist und ist nicht!"
 
,,Er ist nicht nicht!" so denkend ihn

Unstät, stät¹ zwiefach, neinsagend,

Verbirgt sein Wesen sich der Tor.
 
 
84. Durch dieser vier Gesichtspunkte

Verfolgung bleibt verborgen stets
 
——————
¹ Man erwartet: ,,stät (er ist), unstät (ist nicht)".

 
 
603

Mâṇḍûkya-Kârikâ 4,84.
 

 

Der Heil'ge, unberührt durch sie, —
 
Doch allschauend ist, wer ihn schaut.
 
 
85. Wer voll besitzt die Allschauung,

Den zweiheitlosen Brahman-Ort,

An dem nicht Anfang, Mitt', Ende,

Dem bleibt nichts zu erstreben mehr.
 

86. Das heißt echte Gemütsruhe,

Das ist die wahre Priesterzucht,

Das ist der Selbstnatur Zähmung,

Wer sie kennt, geht zur Ruhe ein.
 

87. Wahrnehmunghaft und objekthaft

Ist die zweithafte Weltlichkeit (Wachen);
 
Wahrnehmunghaft und objektlos
 
Ist geläuterte Weltlichkeit (Traum).
 

88. Wahrnehmunglos und objektlos,

Das heißt die Überweltlichkeit;
 
Ihr Subjekt ist zugleich Objekt,

So lehrten Weise aller Zeit.
 

89. Subjekt und die drei Objekte (4,87—88)
 
Stufenweis als in sich erkannt, —
 
Daraus entsteht die Allschauung,
 
Allerwärts des Hochsinnigen.
 
 
90. Erst frage man: was soll werden
 
Geflohn, erkannt, erlangt und reif?
 
Für’s Erkennen gilt Wahrnehmung,

Und so auch für die andern drei.
 
91. Alle Wesen sind ursprünglich

Unbegrenzt und dem Raume gleich (3,3 fg.),

Und nicht ist irgendwo Vielheit

Unter ihnen, in keinem Sinn.
 

92. Alle Wesen sind ursprünglich

Urerweckte (âdibuddha), das ist gewiß; —

Wer dieses sich genug sein läßt,

Der ist reif zur Unsterblichkeit.
 

93. Sie alle sind auch ursprünglich
Urberuhigt, voll Seligkeit;
 

604

Atharvaveda.
 

Sich gleich alle und unteilbar,

Ew'ge, reine Identität.
 
 
94. Doch diese Reinheit ist nicht mehr,

Wenn sie vielfach zersplittern sich;
 
Vielheitversunken, zwiespältig
 
Heißen darum armselig (3,1) sie.
 
 
 
95. Doch wem hier zur Gewißheit ward
 
Die ewige Identität,
 
Der welß in dieser Welt Großes,

Die Welt aber versteht es nicht.
 
 
96. Wissen des Ew'gen ist ewig

Auch, mit nichts sonst befassend sich;
 
Als nichtbefassend sich, heißt dies
 
Wissen das unanhaftende (4,72. 79).
 
 
97. Doch wo die kleinste Ungleichheit
 
Für wahr hält der unweise Geist,
 
Da ist weder Nichtanhaftung

Noch Weichen der Verdunkelung.
 
 
98. Alle Seelen sind ursprünglich

Frei vom Dunkel und fleckenlos,
 
Urerweckt schon und urerlöst
 
Erwachen sie, der Meister spricht.
 
 
99. Wie die Sonne durch sich leuchtet,
 
So Wissen ohne Dinge auch;
 
Alle Dinge sind nur 'Wissen, —
 
Unsagbar dem Erweckten selbst.
 
 
100. Die dunkle, überaus tiefe,

Ew'ge, reine Identität,
 
Der Einheit Stätte nach Kräften

Erkannt habend, verehren wir!
 

——————

 

<< 

Deussen, Prof. Dr. Paul, "Sechzig Upanishad's des Veda - aus dem Sanskrit übersetzt und mit Einleitungen und Anmerkungen versehen von Dr. Paul Deussen, Professor an der Universität Kiel", zweite Auflage, Leipzig, F.A. Brockhaus, 1905

 

 

 


Inhaltsverzeichnis zur Mandukya-Upanishade

 

Dieses Inhaltsverzeichnis mit Links zu den einzelnen Inhaltspunkten entsteht nur sehr allmählich ab der ersten Testphase am 22.10.2025.

 

Vorbemerkungen zur Mandukya-Upanishade

Sri Aurobindo's Übersetzung der Mandukya-Upanishade (vom Autor dieser WEBSeite ins Deutsche übersetzt)

Sri Aurobindo's Übersetzung der Mandukya-Upanishade mit den Kommentaren von Shankara und Gaudapada (vom Autor dieser WEBSeite ins Deutsche übersetzt)

Fußnoten zu Sri Aurobindo's Übersetzung der Mandukya-Upanishade mit den Kommentaren von Shankara und Gaudapada

Sprungmöglichkeiten zu den einzelnen Fußnoten zu Sri Aurobindo's Übersetzung der Mandukya-Upanishade mit den Kommentaren... :

Swami Nikhilananda's Übersetzung der Mandukya-Upanishad inklusive seiner Übersetzungen der Kommentare von Gaudapada und Shankara's Kommentar ins Englische dazu (vom Autor dieser WEBSeite ins Deutsche übersetzt):

Professor Deussen's Übersetzung  der Mandukya-Upanishade, Gaudapada's Kommentar dazu (aus dem Sanskrit ins Deutsche) und Anmerkungen von Prof. Deussen:

Professor Deussen's Übersetzung  von Gaudapada's Kommentar zur Mandukya-Upanishade:

 

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