Sadânanda's Vedântasâra
in der Übersetzung von
Prof. Dr. Paul Deussen

Der Vedântasâra des Sadânanda.
Ergänzend, gemäß Sri Aurobindos Hinweisen "Der Vedântasâra des Sadânanda."
Sri Aurobindo's sehr kurze Fassung in englischer Sprache, muß ich erst noch übersetzen.
Vorerst, so nach und nach, die Übersetzung von Prof. Dr. Paul Deussen..
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...
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…
(639)
Der Vedântasâra des Sadânanda.
Übersetzung.*
I. Vorwort und Thema.
Verehrung dem Gaṇeça!
Der unteilbar, Sein, Geist und Wonne ist,
Zu dem nicht Worte noch Gedanken dringen,
Der Âtman, der die Welten alle trägt,
Sei Beistand mir zu meines Werks Gelingen!
Auch ihn, der unbetört vom Zweiheit-Schein
Mit Recht Advayânanda („froh der Nicht-
Zweiheit") wird genannt,
Den Meister ehrend, will ich des Vedânta
Haupt-lnhalt lehren, wie ich ihn verstand.
Vedânta heißen die Upanishad's als Richtschnur und die sie unterstützenden Schriften, wie die Çârirakasûtra's und andere.
2. Da unser Werk den Vedânta zum Gegenstand hat, und da durch die dem Vedânta eigenen Voraussetzungen auch das Gelingen unseres Unternehmens bedingt ist, so brauchen unsere Voraussetzungen nicht noch besonders erörtert zu werden.
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* Große Verdienste um das bessere Verständnis des Vedântasâra hat sich Böhtlingk durch seine in der zweiten Auflage seiner Sanskrit-Chrestomathie enthaltene Textausgabe, deren Paragrapheneinteilung und Lesarten, wo es nicht anders vermerkt wird, wir folgen, sowie durch die beigegebene Übersetzung erworben, nur daß die Wiedergabe einiger der wichtigsten Termini zwar sprachlich unanfechtbar, aber doch das volle Verständnis verhindernd ist, wie wenn z. B. der Grundbegriff des Ganzen,
„das mit dem Nichtwissen behaftete Geistige" (ajñâna-upahitan caitanyaṃ) beständig übersetzt wird als „der durch die Unwissenheit bedingte Intellekt".
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Der Vedântasâra des Sadânanda
II. Voraussetzungen des Vedânta.
3. Unter den Voraussetzungen sind zu verstehen: erstens der Berechtigte, zweitens das Objekt, drittens dessen Begründung und viertens der Endzweck.
4. Ein Berechtigter aber ist nur ein solcher Erkennender, welcher die Veden und die Vedâñga's vorschriftsmäßig so studiert hat, daß er imstande ist, den Sinn des Veda auf den ersten Blick vollständig zu verstehen, welcher ferner in diesem Leben oder in einem vormaligen nicht nur Begehrungsartiges und Verbotenes gemieden, sondern auch durch Betreiben der ständigen und gelegentlichen Zeremonien, der Sühnungen und Verehrungen von allen Sünden sich befreit und sein Gemüt von allen Flecken völlig gereinigt hat, und welcher endlich auch noch mit der Vierheit der Erfordernisse ausgerüstet ist.
5. Begehrungsartiges ist dasjenige, was, wie z. B. der Jyotiḥshṭoma (eine bestimmte Somafeier), den Himmel oder sonstiges Erwünschtes als Frucht bewirkt.
6. Verbotenes ist dasjenige, was, wie z. B. ein Brahmanenmord, die Hölle oder sonstiges Unerwünschtes als Frucht bewirkt.
7. Ständige Zeremonien sind diejenigen, welche, wenn sie unterlassen werden, Niedergang in der Seelenwanderung zur Folge haben, wie z. B. die Dämmerungsandacht.
8. Gelegentliche Zeremonien sind diejenigen, welche, wie das Geburtsopfer bei der Geburt eines Sohnes, bei einem bestimmten Anlaß erfolgen.
9. Sühnungen sind Bräuche, welche nur die Tilgung einer Sünde bezwecken, wie z. B. die Mondlaußbuße (ein mit dem Monde zunehmendes und abnehmendes monatliches Fasten).
10. Verehrungen sind geistige Betätigungen, welche sich auf das attributhafte Brahman beziehen, wie z. B. die
von Çâṇḍilya gelehrte (Chând. Up. 3,14; Sechzig Up. S. 109).
11. Von diesen Voraussetzungen haben die ständigen und [gelegentlichen Zeremonien, nebst den Sühnungen] als letzten Zweck die Läuterung der Buddhi; die Verehrungen
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Übersetzung (§ 3—20).
hingegen haben als letzten Zweck die Konzentration auf das Tad (Brahman).
12. Denn es heißt in der Schrift: „Ihn suchen durch Vedastudium die Brahmanen zu erkennen, durch Opfer" usw. (Bṛih. Up. 4,4,22, S. 479), und auch die Tradition sagt: „Durch Tapas wird von Sünde man befreit, durch Wissen geht man zur Unsterblichkeit" (Manu 12,104).
13. Den ständigen und gelegentlichen Zeremonien entspricht als Frucht die Väterwelt, den Verehrungen die Satyawelt; wie die Schrift sagt: „Durch das [0pfer-]Werk wird die Väterwelt, durch das Wissen die Götterwelt erworben" (Bṛih. Up. 1,5,16, S. 403).
14. Die Erfordernisse sind: 1) die Unterscheidung der ewigen von der nichtewigen Substanz, 2) Verzicht auf Genuß des Lohnes hier und im Jenseits, 3) Erlangung der Ruhe, Bezähmung usw., und 4) das Verlangen nach Erlösung (lies: mumukshutuvâni).
15. Was zunächst die Unterscheidung der ewigen von der nichtewigen Substanz betrifft, so besteht sie in dem Unterscheiden des Brahman als der ewigen von allem andern als der nichtewigen Substanz.
16. So wie die irdischen Genüsse von Kränzen, Sandelholz u. dgl., weil sie auf Werken beruhen, vergänglich sind, ebenso sind auch die jenseitigen Genüsse von Amṛitam u. dgl. vergänglich; darum ist ein vollständiges Abstehen von beiden erforderlich, und hierin besteht der Verzicht auf Genuß des Lohnes hier und im Jenseits.
17. Unter Ruhe, Bezähmung usw. sind zu verstehen: Beruhigung, Bezähmung, Entsagung, Geduld, Gesammeltheit und Glaube.
18. Hierbei besteht die Beruhigung in der Zurückhaltung des Manas von allen Sinnendingen, ausgenommen das Anhören usw. des Schriftwortes usw.
19. Die Bezähmung besteht in der Abkehr der äußem Sinnesorgane von allen ändern Objekten als den eben genannten.
20. Die Entsagung besteht darin, daß die zur Abkehr gebrachten Sinnesorgane allen andern Objekten als den genannten
DEUSSEN, Geschichte der Philosophie I,3.
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Der Vedântasâra des Sadânanda.
entsagen; oder sie besteht in einem auf Vorschrift beruhenden Ablassen von den gebotenen Ritualwerken.
21. Die Geduld besteht in dem Ertragen der Gegensätze, wie Kälte und Hitze.
22. Die Sammlung besteht darin, daß man das von den Sinnendingen zurückgehaltene Manas beim Anhören usw. Des Schriftwortes auf den ihm entsprechenden Gegenstand konzentriert.
23. Der Glaube ist das Vertrauen auf das Wort des Lehrers, der Upanishadtexte u. dgl.
24. Das Verlangen nach Erlösung besteht in dem Wunsche erlöst zu werden.
25. Der so geartete Erkenner ist ein Berechtigter.
26. Denn die Schrift sagt:
„Er ist beruhigt, bezähmt" usw. (Bṛih Up. 4,4,23, S. 480).27. Auch heißt es:
„
Wer ruhigen Geistes und bezähmter Sinne ist,Von Sünden frei und dem Befehl gehorsam,
An Tugend reich und fügsam, nach Erlösung strebt,
Dem teile man die Lehre mit auf jeden Fall."
(Als Wort eines Lehrers zitiert von Râmatirtha zu Maitr. Up. 6,29, p. 156 ed. Cowell.)28. Das zu erkennende
Objekt ist die in reiner Geistigkeit bestehende Einheit der Seele mit Brahman, weil dies der Hauptgegenstand der Vedântatexte ist.29. Die
Begründung sodann besteht in dem Verhält-30. Der
Endzweck ist die Vernichtung des auf jene zu erkennende Einheit bezüglichen Nichtwissens und die Erlangung der Wonne, welche ihr Wesen ausmacht.31. Denn die Schrift sagt:
„Den Kummer überwindet, wer den Âtman kennt" (Chând. Up. 7,1,3, S. 174), und wiederum: „[Wahrlich, wer] jenes höchste Brahman kennt, der wird zu Brahman" (Muṇḍ. Up. 3,2,9, S. 558).
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Übersetzung (§ 20
—40).
32. Ein solcher Berechtigter begibt sich, von dem Feuer des in Geburt und Tod bestehenden Saṃsâra gequält, wie einer, dem der Kopf brennt, zum Wasser, mit einer Gabe in der Hand zu einein schriftkundigen, in Brahman festen Lehrer, und folgt ihm nach; „[Sie zu erkennen, such' er auf den Lehrer], mit Brennholz, der schriftkundig, fest in Brahman", wie die Schrift sagt (Muṇḍ. Up. 1,2,12, S. 550).
33. Dieser belehrt ihn aus höchstem Mitleid nach der Methode der Aufbürdung (adhyâropa) und der Aufhebung (apavâda); „Ihm, der geziemend nahte, teilt mit sodann der Weise" usw. (Muṇḍ. Up. 1,2,13, S. 550).
III. Adhyâropa, die Aufbürdung.
34. Die Aufbürdung (adhyâropa) besteht darin, daß man einem Realen ein Nichtreales aufbürdet, wie wenn man
einem Strick, der doch keine Schlange ist, die Vorstellung einer Schlange aufbürdet.
35. Das Reale ist das aus Sein, Geist und Wonne bestehende zweitlose Brahman.
36. Das Nichtreale ist der im Nichtwissen wurzelnde gesamte Komplex des Ungeistigen.
37. Das Nichtwissen (ajñânam) ist das weder als seiend noch als nichtseiend definierbare, aus den drei Guṇa's bestehende, dem Wissen Entgegengesetzte, oder, wie man sagt, alles was die Form des Daseins hat.
38. Denn daß wir nichtwissend sind, erkennen wir durch Innewerdung, und auch die Schrift sagt: „Gottes Selbstkraft verhüllt in eigenen Guṇa's" (Çvet. Up. 1,3, S. 292).
39. Dieses Nichtwissen wird, je nachdem man es nach seiner Gesamtheit oder nach seiner Einzelheit betrachtet, als eines oder als nichteines behandelt.
40. Zum Beispiel: Wie man die Bäume im Hinblick auf ihre Gesamtheit mit dem Namen Wald als eine Einheit bezeichnet, — oder wie man die einzelnen Wasser im Hinblick auf ihre Gesamtheit als Gewässer bezeichnet — so bezeichnet inan die als mannigfaltig erscheinenden, auf die Seele bezüglichen Nichtwissenheiten im Hinblick auf ihre Gesamtheit als eine Einheit.
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Der Vedântasâra des Sadânanda.
41. Denn die Schrift sagt: „Die eine Ziege" usw. (Çvet. Up. 4,5, S. 301).
42. Diese Gesamtheit besteht, sofern man ihr hohe Behaftungen beilegt, vorwiegend aus reinem Sattvam.
43. Das mit ihr behaftete Geistige wird, weil es die Eigen-schaften der Allwissenheit, Allmacht und Allregierung besitzt, als das Unoffenbare, der innere Lenker, die Weltursache, der Îçvara (Gott) bezeichnet.
44. Seine Allwissenheit besteht darin, daß er die Gesamtmasse des Nichtwissens durchleuchtet; „der Allkenner und Allwisser" usw., wie die Schrift sagt (Muṇḍ. Up. 1,1,9, S. 547).
45. Jene Gesamtheit (die Gesamtmasse des Nichtwissens) bildet, sofern er die Ursache von allem ist, seinen ursächlichen Leib.
46. Sofern dieser (aus der Gesamtmasse des Nichtwissens bestehende Leib des Îçvara) voll von Wonne ist, und sofern er ihn wie eine Hülle umschließt, heißt er seine wonneartige (ânandamaya) Hülle (Taitt. Up. 2,5, S. 230. Vgl. oben I, 2, S. 89 fg.).
47. Sofern alles in ihm zur Ruhe kommt, ist er der Tiefschlaf (Bṛih. Up. 4,3,19 sq., S. 470 fg.).
48. Eben darum wird er auch bezeichnet als die Auflösungsstätte der groben und der feinen Weltausbreitung.
49. Wie man einen Wald im Hinblick auf seine Einzelheit mit dem Namen Bäume als eine Vielheit bezeichnet, — oder wie man ein Gewässer im Hinblick auf seine Einzelheit als einzelne Wasser bezeichnet, — so bezeichnet man das Nichtwissen im Hinblick auf seine Einzelheit als eine Vielheit desselben.
50. Denn die Schrift sagt: „Durch Zauber (mâyâ) vielgestaltig wandelt Indra" (Ṛigveda 6,47,18. Vgl. Bṛih. Up. 2,5,19, S. 423).
51. Hierbei werden die Ausdrücke Einzelheit oder Gesamtheit gebraucht, je nachdem sie sich auf ein einzelnes oder auf das gesamte [Nichtwissen] beziehen.
52. Diese Einzelheit besteht, sofern man ihr niedrige Behaftungen beilegt, vorwiegend aus unreinem [mit Rajas und Tamas versetztem] Sattvam.
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Übersetzung (§ 41—63).
53. Das mit ihr [der Einzelheit des Nichtwissens] behaftete . Geistige wird, weil es die Eigenschaften des Wenigwissens, der Nichtallmacht usw. besitzt, Prâjña (der Weise) genannt, weil er nur ein einzelnes Nichtwissen durchleuchtet.
54. Sein Wesen als Prâjña besteht darin, daß er nicht sehr durchleuchtend ist, sofern ihm nur undeutliche Behaftungen beigelegt sind.
55. Jene [Einzelheit des Nichtwissens] bildet, sofern er die Ursache des Ichbewußtseins (ahaṃkâra) usw. ist, seinen ursächlichen Leib.
56. Sofern dieser (aus einem einzelnen Nichtwissen bestehende Leib des Prâjña) voll von Wonne ist, und sofern er ihn wie eine Hülle umschließt, heißt er seine wonneartige Hülle (vgl. 46).
57. Sofern alles in ihm zur Ruhe kommt, ist er der Tiefschlaf.
58. Eben darum wird er auch bezeichnet als die Auflösungsstätte der groben und der feinen Leiblichkeit.
59. Hierbei geschieht es, daß diese beiden, der Îçvara und der Prâjña, vermittest überaus feiner, durch das Geistige angefachter Funktionen des Nichtwissens die Wonne genießen.
60. Denn die Schrift sagt: „Der die Wonne genießende, das Bewußtsein als Mund habende Prâjña" usw. (Mâṇḍ. Up. 1,5, S. 578), und damit stimmt überein das Bewußtsein, welches der Erwachende hat: „Jch habe gut geschlafen, ich war mir keiner Sache bewußt."
61. Nun besteht zwischen jenen beiden, der Gesamtheit und der Einzelheit [des Nichtwissens], — wie zwischen dem Walde und den Bäumen oder wie zwischen dem Gewässer und den einzelnen Wassern, — keine Verschiedenheit.
62. Ferner besteht auch zwischen dem mit jenem Nichtwissen behafteten Îçvara und Prâjña, — wie zwischen dem von dem Walde und dem von den Bäumen eingeschlossenen Räume, oder zwischen dem in einem Gewässer und dem in den einzelnen Wassern sich abspiegelnden Himmelsraume, — keine
63. „Er ist der Herr des Weltalls" usw., wie die Schrift (Bṛih. Up. 4,4,22, S. 479; Mâṇḍ. Up. 1,6, S. 578) sagt.
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Der Vedântasâra des Sadânanda.
64. Nun aber, wie es für Wald und Bäume und den von beiden eingeschlossenen Raum, — oder wie es für Gewässer und einzelne Wasser und den in ihnen sich widerspiegelnden Himmelsraum einen sie befassenden, nicht mit Grenzen behafteten Weltraum gibt, — ebenso gibt es für das Nichtwissen und die beiden mit ihm behafteten Geistigen ein sich befassendes [nicht mit Nichtwissen behaftetes] Geistiges, und dieses wird Turîyam (das Vierte) genannt. „Selig, beruhigt, zweitlos, das ist das Vierte", wie die Schrift (Mâṇḍ. Up. 2,7, S. 579) sagt.
65. Dieses, aus reiner Geistigkeit bestehende Vierte, sofern es als von dem Nichtwissen und den beiden mit ihm behafteten Geistigen ununterschieden, vergleichbar einer durchglühten Eisenkugel (vgl. Maitr. Up. 3,3, S. 323), vorgestellt wird, bildet den eigentlichen Sinn des großen Wortes (tat tvam asi, „das bist du", Chând. Up. 6,8,7), und sofern es als von ihm verschieden vorgestellt wird bildet es dessen metaphorischen Sinn.
66. Dieses Nichtwissen hat zwei Kräfte, die Kraft der Verhüllung und die Kraft der Ausbreitung.
IV. Âvaraṇaçakti, die Verhüllungskraft
67. Zunächst von der Verhüllungskraft. Wie eine auch nur kleine Wolke imstande ist, den viele Meilen weit sich erstreckenden Sonnenball, indem sie dem Auge des Beschauers in den Weg tritt, gleichsam zu verdecken, so ist auch das Nichtwissen, obgleich es beschrankt ist, imstande, den unbeschränkten, nicht dem Saṃsâra unterworfenen Âtman, indem es der Erkenntnis des Beschauers in den Weg tritt, gleichsam zu verdecken. Von dieser Art ist die Macht [jener Verhüllungskraft des Nichtwissens].
68. Darum heißt es (Hastâmalaka 10, nach Böhtlingk):
„
Gleichwie ein Tor, wenn seinen Blick die WolkeVerdeckt, durch sie verdeckt die Sonne wähnt
Und glanzlos, so erscheint dem Törichten
Sein eignes Ich als ein gebundenes,
Obwohl er Allselbst, ewiges Schauen ist!"
647
Übersetzung (§ 64 — 75).
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Deussen, Prof. Dr. Paul, „Allgemeine Geschichte der Philosophie", Erster Band, dritte Abteilung, „Die Nachvedische Philosophie der Inder, nebst einem Anhang über die Philosophie der Chinesen und Japaner", 4. Auflage, Leipzig/F.A. Brockhaus, 1922
München, den 24.3.2026
Fortsetzung folgt.
Samyka
gemäß
Garbe, Prof. Dr. Richard, "Sâṃkhyasûtras - Aus dem Sanskrit übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Richard Garbe", Leipzig 1889, in Commission bei F.A. Brockhaus.
>>
Sâṃkhyasûtras.
Aus dem Sanskrit übersetzt und mit Anmerkungen versehen
von
Richard Garbe
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Leipzig 1889
in Commission bei F.A. Brockhaus.
Buch 1:
1. Nun also: das absolute Ziel der Seele ist das absolute Aufhören des dreifachen Leidens.
[Seite 11]
2. aus einem sinnlichen Dinge resultiert es nicht, weil man sieht, dass [der Schmerz], wenn er auch aufhört, immer wiederkehrt.
[Seite 17]
3. Weil man sich um solche Mittel zur Beseitigung des Schmerzes in der Weise bemüht, wie um die Mittel zur Beseitigung des täglichen Hungers, sind dieselben [wohl] ein Ziel des Menschen.
[Seite 17]
4. Von denen, welche in logischer Beweisführung bewandert sind, ist [dieses] aufzugeben, weil nicht alle [beseitigt werden] können, und wo dies auch möglich sein sollte, doch keine Tadellosigkeit ²) vorliegt.
[Seite 18]
5. [Jenes Gesetz ergiebt sich] unter anderm aus dem Vorrang der Erlösung, der Schrift zufolge, die den Vorrang derselben vor allem lehrt.
[Seite 19]
6. Kein Unterschied besteht zwischen den beiden.
[Seite 19]
7. Nicht könnte man die Belehrung über die Mittel zur Erlösung eines, der seinem Wesen nach gebunden ist, vornehmen.
[Seite 21]
8. Da das Wesen unvergänglich ist, würde [die Schrift] aufhören seine gültige Norm zu sein; denn das würde die Unausführbarkeit bedeuten.
[Seite 23]
9. Nicht kann die Belehrung über etwas unmögliches vorgenommen werden; und wenn so etwas auch gelehrt wird, ist es keine Belehrung.
[Seite 23]
10. Wenn [Jemand meinte], das könnte so sein wie bei dem weissen Tuch und dem Samenkorn, —
[Seite 23]
11. Es wird nichts unmögliches gelehrt, weil [es sich nur darum handelt, ob] eine Kraft in die Erscheinung tritt oder nicht.
[Seite 24]
12. [Es entstammt] nicht aus der Verbindung mit der Zeit, da diese, allgegenwärtig und ewig, mit allen [Seelen] in verbindung steht.
[Seite 25]
13. Ebenso wenig aus der Verbindung mit dem Raum, demselben [Grunde] zufolge,
[Seite 26]
14. Nicht aus einem Zustande, da dieser eine Eigenthümlichkeit des Körpers ist.
[Seite 26]
15. Unberührt ist ja diese Seele.
[Seite 26]
...
164. Von der Beeinflussung kommt das Thätersein her, das geistige Wesen von der Nähe
— das geistige Wesen ¹) von der Nähe ¹)——————
¹) Die Deutung dieses Sûtra bei Anîruddha ist sehr viel einfacher und besser.
[Seite 176]
Buch II.
1. [Das Wirken] der Urmaterie dient zum Zwecke der Erlösung der [thatsächlichen] freien [Seele] oder zum Zwecke der eigenen.
[Seite 178]
2. Weil diese [nur] dem gleichgilitig gewordenen zu Theil wird.
[Seite 179]
3. Sie tritt nicht in Folge des blossen Hörens ein, wegen der Stärke der anfanglosen Disposition.
[Seite 179]
4. Oder wie von einzelnen viele zu unterhalten sind.
[Seite 179]
5. Da sie der Materie
wirklich angehört, so folgt, dass sie auf die Seee [nur] bildlich übertragen ist.[Seite 180]
...
47. Obwohl ihnen dasselbe Wirken eignet, nimmt ds Urtheilsorgan eine hervorragende Stellung ein, wie im täglichen Leben
— wie im täglichen Leben.[Seite 205]
Buch III:
1, Aus den ununterschiedenen geht das unterschiedene hervor.
[Seite 206]
2. Daraus der Körper.
[Seite 206]
3. Auf dessen Keim beruht de Metempsychose.
Auf dessen, nämlich des [groben] Körpers, Keim, d.h. auf dem aus den dreiundzwanzig Principien bestehenden feinen [Körper] als der Ursache, beruht die Metempsychose, d.h. das Gehen und Wiederkommen der Seele, da die in ihrer Allgegenwart unveränderliche [Seele] an sich nicht gehen und [wiederkommen] könnte. Das ist der Sinn. Die in den dreiundzwanzig Principien wohnende Seele wandert ja nur vermöge dieses Upâdhi von Körper zu Körper um die Fürchte früherer Werke zu geniessen; denn aus solchen Traditionsstellen wie:
"Für gutes und böses Werk, das mit dem Herzen gethan ist, empfängt er seinen Lohn im Herzen, für mit Worten begangenes mit Worten, für mit dem Körper vollbrachtes aber ²) am Körper" [Manu 12.8]
ergiebt sich, dass man gewöhnlich an den Werkzeugen,w elche zu den Thaten in früheren Existenzen gedient haben ³), in späteren Existenzen seinen Lohn empfängt. Darum fasst das Brahmasûtra [3.1.1. diese Theorie] in das Wort, 'Umschlungen [d.h. von dem feinen Körper, wandert die Seele]' zusammen.
——————
[Der Verfasser] nennt nun auch die Grenze der Seelenwanderung:
[Seite 207]
4. Und bis zur Discrimination dauert das Weltdasein der unterschiedlosen.
[Seite 207]
...
84. Wenn in Folge der Unterscheidung der Schmerz bis auf den letzten Rest zu Ende ist, hat man das Zie erreicht³); durch nichts anderes
— durch nichts anderes....
[Seite 250]
Buch IV
1. Wie bei dem Königssohn [entsteht sie] aus der Unterweisung in der Wahrheit.
[Seite 251]
2. Wie dem Dämon, trotzdem die Belehrung für einen anderen stattfand.
[Seite 252]
3. Die Wiederholung ist [nothwendig], weil die mehrfache Belehrung [berichtet wird. = Br. S. 4.1.1.].
[Seite 252]
4. Wenn man, wie bei Vater und Sohn, beides sieht.
[Seite 252]
...
32. Auch wenn man der Glorie theilhaftig geworden, ist die Aufgabe nicht erfüllt, [ebenso wenig] wie mit der Vollkommenheit der Gegenstände der Verehrung
— wie mit der Vollkommenheit der Gegenstände der Verehrung....
[Seite 264]
Buch V:
1. Das Aussprechen des Segenswunsches [ist erforderlich] wegen des Brauches der Autoritäten, weil man den Erfolg sieht und weil die Schrift es lehrt.. Aus diesen Gründen¹)
[Seite 266]
...
129. Der Geist ist nicht [ein Attribut] der Elemente, weil er an keinem einzelnen beobachtet wird noch an der Vereinigung
— noch an der Vereinigung.[Seite 331]
...
Buch VI.
1. Das Selbst existiert, weil es keine Beweise für seine Nichtexistenz giebt.
[Seite 333]
...
69. Nach Sanandanâcârya ist es duch den inneren Körper veranlasst.
[Seite 368]
...
70. Ob so oder so, die Beseitigung desselben ist das Ziel der Seele
— die Beseitigung desselben ist das Ziel der Seele.[Seite 368]
...
Hier schliesst in dem von dem verehrungswerthen Vijñânabhikshu verfassten Commentare zu Kapila's S
āṃkhya-pravacana das sechste Buch, in welchem das wesentliche rekapitulirt ist. Damit ist der Commentar zum Sāṃkhya-pravacana zu Ende.[Seite 370]
——————
Verzeichniss
der wichtigsten technischen Ausdrücke im
Sâṃkhya-pravacana-bhâshya
. ¹)[Seite 371]
...
378
...
——————
Verzeichnis
der Citate aus der S
āṃkhya-kârikâ....
————————————
[Seite 378]
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Garbe, Prof. Dr. Richard, "Sâṃkhyasûtras - Aus dem Sanskrit übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Richard Garbe", Leipzig 1889, in Commission bei F.A. Brockhaus.